Im diffusen Licht
des Nachmittags
– Christian Fechtner –
Der Caspar und der Melchior
erreichten Bethlehem noch vor
dem Balthasar, der hatte Blasen
und konnte deshalb nicht so rasen.
Ein vierter wollt nicht huldigen
und ließ sich drum entschuldigen,
doch fehlte den drei Königen
der Wille zu beschönigen.
Sie beichteten im hellen Schein,
es fehle noch der Edelstein
von Phlegmar, denn so hieß der vierte
in Quellen nicht so oft zitierte.
– Stefan Pölt –
Er mag nicht mehr, er mag die Nächte nicht,
des Totenvogels elendiges Wimmern,
dies Grinsen, dies verfluchte Mondgesicht
im Aug des Sees, sein bitterböses Schimmern.
Was will ich hier, er weint ein wenig, fegt
den unberührten Schnee mit bloßen Händen
vom Eis, die Scholle, die ihn schwankend trägt,
erbietet sich ein letztes Mal zu wenden.
So halt doch ein! Er träumt von seinem Weib!
Der blinzelt, lacht, den spröden Bart voll Reif,
und formt den Mund zu winterblauem Staunen.
Ein Fischlein spricht zu ihm, ein Silberraunen
kriecht tröstend in sein Herz, in seinen Leib
und wiegt das Schilf, in dem die Dommel schreit.
– Andrea M. Fruehauf –
– Nach dreißig Jahren treffen wir uns wieder.
Ich staune, was aus dir geworden ist!
Du wirkst auf mich so saturiert und bieder;
Mir war erst gar nicht klar, dass du das bist!
Und du erzählst mir viel! Ich höre,
Du hast jetzt Kinder, Frau, ein großes Haus.
Bei einer Bank, da machtest du Karriere
Und lebst, sagst du, in Saus und Braus.
Vor dreißig Jahren warst du voller Ideale,
Voll Wagemut und voll Elan!
Jetzt scheinst du abgedriftet ins Banale.
Dass du nicht glücklich bist, sieht man dir an.
Es ist schon spät. Ich muss jetzt gehen.
Du schaust mich an mit einem Hundeblick
Und fragst, ob wir uns wiedersehen.
Als wir uns trennen, schau ich nicht zurück.
– Fritz Pfeiffer –
Andrea M. Fruehauf
– Lieber Gott, er wird nun zu dir kommen,
Wenn er Glück hat, lässt du ihn auch rein,
Warnen solltest du die andern Frommen,
Denn er wird kein Bagatellfall sein.
Wenn er kommt, verhülle deine Engel,
Lass die rosa Wolken eingepackt,
Nimm den Neuen väterlich am Gängel
Und verbiet‘ ihm den Dreivierteltakt.
Unten hat er sich enorm verschwendet,
Niemand sah ihn schief im Leben stehn,
Immer hat er sich dem Witz verpfändet,
Und zur Beichte ließ er and‘re gehn.
Lass ihn spüren, dass der Ernst des Lebens
Nunmehr auch für ihn beginnen wird,
Sag ihm deutlich, dass er nun vergebens
Sich aufs Leichtgepäck besinnen wird.
Wenn es sein muss, lieber Gott, verbinde
Ihm die Augen vor dem ew‘gen Glück,
Dass er möglichst bald zur Reife finde,
Und dann, bitte, schick ihn uns zurück!
– Peter Welk –