Aus dem Nebelnichts
( Tanka )
– aus dem nebelnichts
schwebt eine geisterbarke
still über den see
keiner der steuert – und doch
hält sie genau auf mich zu
– Hans Herrmann –
– lass die alten gesänge stürzen
in den schlund der Sphinx und
sieh! es locken die goldenen äpfel
blank poliert im strandgut
pflücke sie und braue
den trank des vergessens
bevor du in den nachen steigst
der schlangenhaarigen priesterin
und aufbrichst zum dritten mond
nur der bach bleibt der alte
und zieht unermüdlich
im moosgrün seine kreise
– Hans Herrmann –
– verstummt ist das haus
das einst dem großen aufbruch
doch des tanzmeisters schritte
glühen noch immer im gras
– Hans Herrmann –
(Geschrieben nach einer Mittagsrast bei der Casa Anatta auf dem Monte Verità.
Die Villa hoch über dem Lago Maggiore war im frühen 20. Jahrhundert das Zentrum einer legendären Kolonie von Künstlern, Aussteigern, Utopisten, Sinnsuchern und Lebensreformern.)
Hans Herrmann: Auf dem Berg der Wahrheit (Monte Verità)
– das wasserschloss starrt versunken
ins moosgrün wo rote karpfen schweben
am ufer vertäut wartet ein boot
kein blatt streift den spiegel den nassen
ich sehe ihn ein schwert schnitzen
aus einem der ruder und ich weiß
er wird übersetzen mit dem boot
und den daimyo bezwingen
im zweikampf
mit einem raschen hieb
einem einzigen
o das geräusch des holzes
– Hans Herrmann –