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Juli 20, 2026



Tenorgedanken


(Drabble, sonettartig)



Die Liebe ist am Donnerstag erloschen.

Sie – hat sich einen neuen Hut gekauft,

Ihm – blieb das Herz stehn. Durchgeschnauft

Hat er am Freitagmorgen und verdroschen

Hätt‘ er am liebsten erst einmal sich selber,

Wie kann ein Mann so dämlich sein und stellt

Das Glück, das er in festen Händen hält,

Um zweier rotlackierter Kicherkälber …

Setzt es aufs Spiel? Stellt es in Frage? Ginge

Er jetzt zu ihr und nähm‘ sie in den Arm …

(er denkt) … ich steh an ihrem Fenster … singe

(er ist Tenor, trainierter Frauenschwarm) …


Ich singe ihr vom unglücklichen Dieter …

Er tuts. Sie hörts – und küsst den Untermieter.


– Ogolo –

Dezember 13, 2025





( Fotografie von 1920/25 )

 

Franz, du musst!



– Sieht‘s der Mond auch jeden Abend,

Guckt er doch zum Fenster rein,

Drinnen flackert rot die Lampe,

Und man wechselt einen Schein.


Eine Hose wird in Falten

Über einen Stuhl gelegt,

Während sich ein tiefer Seufzer

Zwischenmenschlich fortbewegt.


Eine Spinne lässt sich fallen,

Und ein Seidenfummel fällt,

An der Wand im Schnörkelrahmen

Guckt ein Engel in die Welt.


Eine Fülle von orangen-

farbener Verkäuflichkeit

Legt sich auf das Vorgeprüfte

Und erwartet den Bescheid.


Ein Gebet auf schmalen Lippen

Wird im Himmel überhört,

Und ein Schicksal steht im Zimmer

Irgendwie herum und stört.


Ein ermunterndes: «Was ist denn!»

Aus der Ecke mahnt zur Lust,

Und das Schicksal fährt zusammen

Und entscheidet: «Franz, du musst!»


Sieht‘s der Mond auch jeden Abend,

Guckt er doch zum Fenster rein,

Drinnen fällt beherzt ein Schicksal

Auf ein anderes herein.



– Ogolo –



November 18, 2025




( Fotografie von 1920/25 )


Zielen Sie!



 – Erst zielen Sie betrachtend mal auf Mitte
Und blenden ganz die Außenlandschaft weg –
Was sehn Sie? – Konzetrieren Sie sich, bitte!
Sie sehen, na? Ein hingewölbtes Eck,

Wie es der Künstler gern in Marmor haut.
Wie es in Parks den Mittagsschlendrer schreckt.
Wie man es gern zu Brunnenschmuck verbaut.
Wie es im Kenner das Erschauern weckt.

Jetzt zielen Sie betrachtend mal auf mich,
Auf mich als Ganzes, wenn Sies noch vermögen:
Sie sehen, na? Sie sähen mehr, wenn sich
Die Bilder, die Sie sehn, zusammenzögen

Zu einem Wunschtraumbilderbuchgeblätter,
Das wär dann ich. Ganz Wölbung. Nicht nur Eck.
Sie sehn das nicht? Dann haben Sie halt Bretter …
Am besten blenden Sie die ganze Landschaft weg.



 – Ogolo –



September 05, 2025



Blue Moon



 – Auch ich bin mit dem Mond per Du,

Wir kennen uns schon lang,

Er streift mir manchmal übern Schuh,

Und spukt mir Mondgeschichten zu

Von Mädchen, die er blau bescheint

(jetzt bist womöglich du gemeint)

Er taucht die Mädchen in ein blau erfundnes Fragen

Und mich in blau bemaltes Fingernägelnagen.



– Ogolo –


 

August 13, 2025




(Fotografie um 1920)


 Kleine Rotlichtballade
hessisch



 – Du hast Papiere nicht und Ahnen,
Du hast nur einen runden Leib,
Und die Behörden kratzen Kreuze
Betreffs: Festendlicher Verbleib?
 
Du hast in meinem Bett gelegen
Vorgestern Abend im August
Und hast gesagt: «Herr Nachbaa, gelle,
Se maches korrz, isch hob ko Lust.»
 
Und saß ein Vogel vor dem Fenster
Und hatte einen Ehrenplatz -
«Herr Nachbaa, sehn Se, unner Mensche
Iss doch es Edstle so‘n Schpatz,

Der fliescht erum un hockt am Erker
Un guckt enoi un hot ko Geld,
Des issen Schpatz un iss als solscher
Beliebt, gefiddert un gemeld.»
 
Du hast Papiere nicht und Ahnen,
Und übermorgen bist du tot,
Und vor den Fenstern alle Vögel
Spalieren dir im Morgenrot,
 
Und hinter Wolken schreibt ein dicker
Prophet dich ein in die Kartei.
«Herr Nachbaa, sehn Se, unner Mensche,

Do muss mer mindstens Engel sei.»



 – Ogolo –



März 23, 2025





(Fotografie um 1920)




Zwei Minuten noch!



– Wissen Sie, ich möcht ja richtig möchten,

Und Sie möchten, werter Herr, vermutlich auch,

Zwischen uns stehts gar nicht mal zum Schlechten,

Vor gemeinsamer Enthemmung nur ein Hauch

Hält uns noch, wie sag ichs, auf Distanz,

Zwei Minuten noch, dann könnten wir uns ganz

Sozusagen ineinander denken,

Meinetwegen fällt das Denken auch mal aus,

Und ich fang mal an, mich zu verschenken,

Und Sie nehmen sich was Passendes heraus,

Oder droht schon die Enthemmung zu erkalten,

Und ich sollte einfach nur die Klappe halten?



– Ogolo –



März 10, 2025

 


Wenn der Schornstein raucht





( Fotografie von 1920/25 )


Ick bin een orjinales Schwerjewicht,

Naturbelassen, im Jeruch vaführend,

Die Sehnsucht scheuer Seelen schürend

Nach Mann. Und ick verleugne nicht


Mein loderndes Verlangen, wenn een Weib

Mir jradezu entjegenkommt und haucht:

«Nimm mir und leg mir hin!» Denn raucht

Der Schornstein überm Haus, und ihren Leib


Seh ick im Rauch zum Anjebot vawirbeln,

Und weil die Kontenanz nicht weiter stört,

Darf mir det Weib im Oberstübchen zwirbeln

Und ick een Mann sein, wie et sich jehört.



 – Ogolo –



Februar 05, 2025



Ach, Klärchen … 





( Fotografie von 1920/25 )


… du hast … du hast … was hast du nur?

Du bleibst mir alles, alles schuldig,

Geschnürtes gibst du für Figur,

Du legst dich hin und machst es pur,

Unvorbereitet nackt und herzlich ungeduldig.


Wenn ich für Streichelhände bin,

Bist du für kalkuliertes Greifen,

Und bitte ich um Neubeginn

Nach kurzgefasstem Immerhin,

Gähnst du und gähnst und zählst Matratzenstreifen.


Und dennoch, grobe Kreatur,

Da ist etwas, dem ich mich beuge,

Kein Rätsel, keine Politur,

Du nimmst und gibst es hart retour,

Und dennoch, wie erklär' ich's nur:

In deinen Baggerarmen weiß ich, dass ich zeuge.



 – Ogolo –



August 06, 2024

 


( Fotografie von 1920/25 )


Soll ich Ihnen mal 

die Seele zuckern? 



 – Nehmen Sie ein Stückchen Schokolade? 

Wollen Sie von mir ein Stückchen Glück? 

Finden Sie, mein Hütchen sitzt gerade? 

Bin ich, insgesamt gesehn, ein Stück 


Allerfeinste Schokoladenschöne, 

Zärtlich eingepackt in Tüll und Taft? 

Wenn ich Sie auf meine Art verwöhne, 

Hätt ich‘s dann in Ihrer Welt geschafft? 


Soll ich Ihnen mal die Seele zuckern? 

Könnten Sie ein bisschen näher treten? 

Soll‘n wir im vereinten Herzschlagtuckern 

Mal den Staub aus Ihren Augen beten? 



 – Ogolo –




Juli 15, 2024





( Fotografie von 1920/25 )


Ach, ihr …



 – Ihr habt mich lange klettern lassen

Am Regenrohr zu euch hinauf,

Die Nachbarsleute auf den Gassen

Besprachen meinen Lebenslauf,


Der dritter Stock mit einem Griff

Ins Leere enden würde, weil

Ich Griff für Griff ein Tönchen pfiff,

Nicht wie ihr denkt per Hinterteil,


Im Gegenteil, ich pfiff das Lied

Vom süßen Lohn nach langer Pein,

So musste denn mein Appetit

Im Dachgeschoss gewaltig sein!


Und, ach, der eure war es minder nicht …!

(Darüber schreibe ich euch

nächstens ein Gedicht.)



 – Ogolo –