Eine lyrische Reise
durch Portugal
Bei einem Gang durch Lissabons Altstadt fällt uns alles Prächtige sofort ins Auge, während sich die unscheinbaren Dinge eher nur dem aufmerksamen Betrachter darbieten. Dabei hätten uns eigentlich jede Gasse, jedes Haus und sogar jeder Stein eine Menge aus ihrem zuweilen bereits Jahrhunderte zählenden Dasein zu berichten. Lesen und lauschen wir mal etwas genauer …
Die Türen der Altstadt
– sind recht eigenwillige Literaten
dösen am liebsten in der Sonne vor sich hin als
ihre Zeit zu vergeuden, mit rastlosen Banausen!
dabei würden ihre Werke ganze Bibliotheken füllen
seht nur diese hier zum Beispiel
schrieb gewiss ein Bühnenstück über die Kabale
der Seidensticker und Silberschmiede und das
herzzerreißende Ende von José und Maria, so hießen
in den Gassen damals Romeo und Julia
andere, weit offener, entzücken dich sogleich mit
einer Probe ihrer Kunst: in Topf und Vase eine Ode auf
den Sommer, Villanellen im Duett von Weiß und Blau,
der Prolog eines Schauerromans, die Ballade einer
Waschfrau und schließlich noch der Teil jener Fabel
wo der Kater vor der Katze Reißaus nimmt
traurig anzuschauen die bereits Erblindeten,
so rissig und vergilbt nicht bloß die Haut, selbst jede Seite
der Komödien und Tragödien, doch hältst du inne
einen Augenblick und lauschst, hörst du ihr Flüstern
über Liebe, Leid, den Strom und eine Nacht im Feuersturm(?)
was es auch immer war, du schlenderst weiter
– Dirk Tilsner –
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