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Mai 19, 2026



Sonnengleich



 – Oh, wie lieb ich diese kleinen

sonnengleich wie silberfeinen

Tausendschönchen grad im Mai.

Wenn ich mir ein Kränzchen winde,

blätterweis das Glück ergründe,

wirds mir sonntagsleicht dabei.



– Andrea M. Fruehauf –



Mai 12, 2026



Mamertus



 – Grimmiger Eishauch

Schwängert die Luft.

Wer ließ die Heiligen aus ihrer

Gruft?

 

Schon naht Mamertus!

Alt, resolut,

Mordet er wahllos

Die flaumwarme Brut.

 

Sieh nur, der Flieder

kränkelt, ist krumm!

Auch unser Kirschbaum fragt leise:

Warum?

 

Sind wir zu eilig,

Narrt uns die Lust?

Haben wir niemals von all dem

Gewusst?

 

Ja, denkt das Veilchen,

Während es friert,

Glück lässt vergessen,

Was Kälte gebiert.



 Andrea M. Fruehauf –



März 01, 2026



Allein



– Liebster, heut um Mitternacht

Da wars mir so, als wärn die Sterne

Dir näher noch als gestern

 

Hab darüber nachgedacht

Und weißt du was? Ich tät so gerne

Mit all den Sternenschwestern

 

Droben wachen über dich

Auf schwarzem Samt behutsam funkeln

Kometen für dich lenken

 

Traumesleise würde ich

Den Mond mit Wolkenflor verdunkeln

Und reinen Schlaf dir schenken

 

Später aber, Liebster mein,

Flög ich mit Wind und Eulenflügeln

Durchs Tal zu frühlingsbunten Hügeln

Und schlief wie du. Ganz tief. Allein.



 – Andrea M. Fruehauf –



Februar 22, 2026



Leise



 – Eisgesträhnte Grabesruh

wabert auf dem Weiher,

beugt das Riet der Erde zu

und zerzaust den Reiher.

 

Doch ein Wunder, winzig klein,

singt mir traumesleise

tief im winterkahlen Hain

seine Frühlingweise.



 – Andrea M. Fruehauf –



Dezember 24, 2025



An alle Gindor


– hören >>



 – Hörd ma her, ihr Gudn! Balde

gommd dor Ohmd, vielleichd o Schnee,

und, ihr wissd schon, ooch dor alde

Schliddenfahrer mid seim Reh!

 

Wenn ihr dann noch Drauerflore

undern Fingernäscheln habd,

gelbe Zähne, feddsche Hoore,

haud der Gerl glei wiedor ab!

 

Wolld ihr dos?! Isch gloob ma, geener!

Also – huppmer nei ins Bad!

Zieh ni so ne Gusche, Gleener!

Hasde Angsd, dir fälld was ab?

 

Nee? Dann los, zor erschdn Rundn -

Duschn, jaaa, mit Seefe, Glaus!

Drigg ma uff da ohm un undn!

Und de Soggn ziehd mor aus!

 

Nu de Näschsdn – Ruhd un Baula!

Ooch Schneewiddschn wäschd de Fieß!

Alles einschmiern, Boobs, Gesichde –

Rosa Duschbad is ni sieß!

 

Hald! Glei noch de Lauschor budzn,

falls dor Rubrechd gaggern dud,

Nase grämn, Bony schdudzn …

So, ihr Liebn, jedz is gud.

 

Ach, wie glänsd ihr! Eene Wonne!

Habd sogar Barfiem genomm!

Jedz freud sich sogor de Sonne!

Weihnachdsmann, nu gannsde gomm.



 – Andrea M. Fruehauf – 



August 17, 2025



Mein lieber Schwan



 – Einst hat ein Schwan,
mit noch nem Schwan
so ganz profan,
zwecks Heiratsplan,
ne edle Schwänin aufgetan.

Wolf-Christian,
der erste Schwan,
beherzt, urban,
fraß meist vegan
und mimte gern den Dorfgalan.

Der zweite Schwan,
Sebastian,
ein Grobian
und kleptoman,
stank morgens ewig nach Methan.

Wie im Roman
schwang jeder Schwan
nun simultan
wie hydroplan
am noblen Teich sein Balzorgan.

Die Schwänin, ahn-
voll angetan
von Christian,
dem Don Juan,
errötete am Schnabelzahn,

und mit Elan
schrie sie sopran
Sebastian,
dem Schlingelschwan,
ihr Machtwort vor die Hörmembran:

Mein lieber Schwan,
stinkst du nach Tran!
Und willst du ran,
du Pelikan,
so stell dich bei den Enten an!



– Andrea M. Fruehauf –


Mai 27, 2025

 


Ein Abschied



 – Euer Kram kann mir gestohlen bleiben,

lang schon frage ich mich, was das soll.

Niese ich, verlangts mich zu beschreiben,

was da läuft! Ich hab die Schnauze voll!

 

Tränenreiche Tage, ewig Flüche,

Berge von Papier im Wertstoffhof,

Verse auf dem Wachstuch in der Küche 

sagen mir: Hör auf, du bist zu doof.

 

Himmelreiche sind des Menschen Wille –

mir reicht dafür schon des Nachbars Feld.

Mittenmang von Klatschmohn und Kamille

kann ich Ich sein, frei und doch ein Held.



– Andrea M. Fruehauf –





Mai 14, 2025

 


Vonnem Sporschl


– hören >>


Oma schimpfde frieor immor:

Mädl! Schäl dn Schporschl dinnor!

Un, de Schaln, die mussde waschn!

Du du ja nüschd vorhär naschn,

kochn muss das Zeusch, das deure,

allweil roh hads blaue Säure!

 

Schbäder dad dann unsre Muddor

Schnidzl broden, mid viel Buddor.

Vader, schonn in Filzbandoffeln,

schmiss nor Salz off de Gardoffeln -

Ferdisch war das Sonndachsessen.

Aaach, das wersch wo nie vorgessn.

 

Nur de Schaln warn noch am Kochn,

wie als wärs ä Rindorknochn.

Das entwässord ohne Schwidzn!

dadn Omas Oochn blidzn:

Vonnem Mund voll Sporschlbriehe

seechsde wie ne Herde Giehe.



 – Andrea M. Fruehauf –




April 27, 2025

 


Gewiss



 – Wenn die Anne

volle Kanne

angestaubte Schlager pfeift

und der Werner

noch viel gerner

mopsfidel in Popos kneift,

dann ist eines ganz gewiss,

dass mal wieder Frühling is.



– Andrea M. Fruehauf –