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September 13, 2026



Absage an eine 

altehrwürdige Gedichtform


( Sonett )



– Was? Ein Sonett soll ich noch heute schreiben?

Da möchte ich doch gleich den Mut verlieren.

Es wird gewiss den Oden-Wald nicht zieren,

deswegen lasse ich es lieber bleiben.


So eins mit Reimen, die sich steif umarmen?

Und jeder Vers gespickt mit Knobelnüssen,

die Leser eichhornfleißig knacken müssen?

Wer dies erdachte, kannte kein Erbarmen.


Mir fehlen Handwerkszeug sowie die Themen,

solch ein Gebilde kunstgerecht zu drechseln.

Petrarca, Shakespeare sind für mich nur Schemen.


Ich würde zum Gespött der Lyrikforen,

drum seid so nett: Lasst uns das Thema wechseln

und mich und meine Muse ungeschoren ...



*


Das Fundstück


( Sonett )


– Verborgen unter allerlei Gerümpel

im stillen Kämmerlein, wohin kein Strahl

der Sonne, noch des Mondes je sich stahl,

dort liegst du stets bereit: mein treuer Pümpel.


Ich fischte dich aus einem seichten Tümpel.

Selenes scheues Lächeln huschte fahl

vorüber. Du schienst lockend wie ein Gral

zu raunen: «Sieh nur, wie ich trostlos dümpel!»


Will etwas nicht so flutschen, wie es muss,

entsiegelst du die allzu schmale Pforte,

die zu passieren ist, mit deinem Kuss.


Wo finde ich für dich die rechten Worte?

Du hältst die Dinge im gewohnten Fluss,

was kommen mag, ob Braten oder Torte ...



– Cornelius –



September 05, 2026



An Kristina R.


( Sonett )



– Wie soll ich jene Tage nochmals spüren 

Erinnerungen flackern ohne Sinn

Als Film in welchem ich gefangen bin 

Wohin wird mich mein Sehnen jemals führen 


Hannovers grauer Himmel weinte Tränen 

Die uns erwärmten wie der Sonnenschein 

Es schien das Glück für alle Zeit zu sein 

Sich aneinander küssend anzulehnen 


Noch heute schwebe ich durch jenen Raum

Im Geiste liege ich ganz nah bei dir

Nach dir kam niemals wieder eine Fee


Die mich von mir befreite aus dem Traum

Ein freier starker Mann zu sein ein Stier

Berauscht allein im Nachtmond hoher See



– Aron Manfeld –



September 03, 2026



Die Seichtigkeit des Leins


( Sonett )



 – Im stillen Talgrund, wo das Bächlein rieselt,

die Vöglein in den Zweiglein tirilieren

und Rehlein tanzen, wenn der Regen nieselt,

verführt es mich bisweilen zum Sinnieren:


Was mag die Menschheit unwillkürlich drängen,

an alles Edle, Schöne hier auf Erden

dies schnöde «Lein» so kindisch anzuhängen?

Soll dadurch unser Dasein froher werden?


Für mich kommt derlei nicht mehr in die Tüte,

seit ich versteckt ein Blümelein erblickte:

Ein Lein mit taubenetzter blauer Blüte,

die, schien es mir, verständnisinnig nickte.


Es war, als seufze dieses Blümlein kläglich:

Die Seichtigkeit des «Leins» sei unerträglich ...



– Cornelius –



August 06, 2026



Hundstage


( Sonett )



 – Verstreut liegt blondes Heu, gepresst zu Quadern,

wie Würfelspiel betrunkener Zyklopen.

Der Wind, ein Gruß aus fern gewünschten Tropen,

strömt heißer als das Blut in meinen Adern.


Was hilft es, mit der Jahreszeit zu hadern?

Wer kann, der flüchtet in die West-Rhodopen.

- Die Grille singt in schwebenden Synkopen,

von  «schöner Zeit» mag mancher Narr salbadern.


Am Badesee, der täglich mehr verlandet,

ist pünktlich, um das Sommerloch zu stopfen,

ein kapitaler Riesenwels gestrandet.


Ein Trost ergrünt: Wie Unkraut rankt der Hopfen,

und bald schon wartet, farbenfroh gewandet,

der Herbst vor unsrer Tür, um anzuklopfen.



– Cornelius –



Juli 05, 2026



Mal wieder nur ein Tag vorbei


( Sonett )


 – Mal wieder nur ein Tag vorbei getan 

Was man von mir erwartet schleich ich um

Mich selbst wie eine Katze stumm herum

Im immergleichen eingespielten Tran 


In mir schreit alles geh nun endlich fort

Von hier und flieg ins warme Sonnenlicht

Das Schmerz und Leid mit seiner Freude bricht 

Doch bleibt es wieder mal beim leeren Wort


Da auf dem Tisch lockt Lachs auf Vollkornbrot 

Gefühle kommen und vergehen schnell 

Wer weiß ob Neues nicht ein neuer Tod


Nur ist und draußen wird es langsam hell

Die Müdigkeit setzt sich auf meinen Schoß 

Und lässt mich Feigling niemals wieder los



– Aron Manfeld –



Juni 28, 2026



Mitte des Jahres



 – Verstummt sind Nachtigall und Kuckucksrufe.

Das weiße Gold des Spargels glänzt nicht länger.

Ein letztes Erdbeerköpfchen rollt vom Hänger.

Der Jahreslauf erklimmt die nächste Stufe.


Nun schwingt das Heupferd wieder seine Hufe.

Im Roggen schleichen heimlich Rattenfänger

und unterm Mond brillieren neue Sänger.

Ein feiner Staub bedeckt die Schlittschuhkufe.


Sobald es dunkelt, glimmen Glühwurmfunken.

Kein Feuerwerk, das dieses überböte,

begleitet vom Geläut der Rotbauchunken.


Die junge Nacht weicht bald der Morgenröte.

Der Schleier hebt sich, kaum herabgesunken,

und wieder spielt die Amsel auf der Flöte …



– Cornelius –



August 11, 2025

 


Im Krankenstand



 – Zwei Tage vorher ging ich noch zum Baden.

Doch war am Sonntag Schluss mit Sonnenschein.

Es setzte grauer Dauerregen ein,

und ich erlitt an Leib und Seele Schaden.


Am Montag schon kam Traurigkeit geflogen,

dann nahm der Schüttelfrost mich in den Arm,

kaum maß ich Fieber, wurde mir ganz warm,

und Schmerz ist in die Muskeln eingezogen.


Ich blieb nicht länger einsam in der Wohnung,

und hastete sofort zum Klinikum.

Zu spät, ich sah den Tod mit seiner Schippe


am Notaufnahmetor. Ich flehte «Schonung!»

und riss im Flur die Schwerverletzten um. –

Der Arzt war knapp: «Privatpatient mit Grippe.»



– gummibaum –



März 04, 2025



 es frisst der teufel in der not 

auch fliegen 



– der teufel frisst ja in der not auch fliegen 

obwohl er mehr auf satansbraten steht 

doch ist der leider gottes nicht zu kriegen 

wenn seine großmutter in urlaub geht 


denn die allein weiß so das fleisch zu braten 

dass es ihr‘m enkel immer wieder schmeckt 

manch andren ist‘s misslungen und missraten 

ins fegefeuer hat er die gesteckt 


wo sie alsdann am eig‘nen leib erfahren 

was eine krosse bratenkruste ist
durchbraten lässt er sie mit haut und haaren 

ein lehrgang den nie eine/r mehr vergisst – 

und frisst derweil bloß fliegen, ausnahmsweise, 

bis seine oma heimkommt von der reise … 



– harzgebirgler –



Juli 19, 2024

 


Sommerschnee



 – Rasiere mich und trinke schwarzen Tee.

Zwei Tauben kämpfen draußen um den Platz,

Genau wie wir es taten, ferner Schatz:

Am Ende war die Liebe Sommerschnee.


Die Kissen riechen immer noch nach dir,

Nach Kirschbaum, der auf Meereswiesen wächst …

In dich hineingetaucht bin ich, verhext

Von deiner kalten Wärme, schien es mir


Als sei die Welt nur für uns beide da …

Obwohl: In Wirklichkeit ist das nicht wahr!

Du warst für mich doch bloß nur zum Gebrauch!


Auch wenn mein Mund seit Tagen trocken ist …

Den Spiegel trifft mein Zigarettenrauch.

Ob du wohl wieder deinen Exmann küsst?



 – Aron Manfeld –