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Leibrente 



 – Wir haben die Oma jetzt einschläfern lassen, 

Das ging äußerst preiswert und unkompliziert, 

Da helfen zum Teil die gesetzlichen Kassen, 

Der Rest wird auf Antrag vom Staat finanziert. 


Wir denken, es war auch im Sinne von Oma,

Sie tat sich inzwischen beim Gehen recht schwer, 

Wie schnell wird man Pflegefall, fällt mal ins Koma, 

Wird taub und gefährdet den Straßenverkehr. 


Mit knapp achtzig Jahren, so darf man wohl sagen, 

Da hat man im Grunde sein Leben gelebt,
Wie gut tut‘s zu wissen, dass Oma getragen
Von Engeln wahrscheinlich gen Himmel nun schwebt. 


Für Omilein war es ganz sicher das Beste,
Jetzt bleibt ihr zum Ende hin manches erspart, 
Denn morgen ist Opa aufgrund der Atteste 

Beim Einschläfern dann schon als Nächster am Start. 



– Rudolf Anton Fichtl –



 


Bitte alle mal herhören 



– Dem Förster trieft das Schmalz aus beiden Ohren, 

Der Gästeblock erstarrt im Kollektiv,
Ein Fachjournal für Außenbordmotoren 
Wird abbestellt. Am Strand bei Tel Aviv 


Gibt’s nun schon seit fast Ende letzten Jahres 

Kein Schöller Eis mehr, nur Cornetto Nuss. 

Nach Auskunft eines Delmenhorster Paares 

Klemmt wieder mal der Rucksackreißverschluss. 


Ein Faschingskrapfen leckt, und währenddessen 

Ist Stromausfall in Ungarns Parlament, 

Ach ja, und um ein Haar hätt ich’s vergessen: 

Der Blutdruckreferenzwert wird gesenkt. 



– Rudolf Anton Fichtl –



 


Frühling 



– Dies erogene Brummen 

Des Zwölfzylinder V 

Lässt demütig verstummen: 

Ein Traum metallic-blau. 


In Chrom gehüllte Felgen 

Mit Schlappen: 30 Zoll. 

Welch ehrfürchtiges Schwelgen, 

Mit einem Wort nur: Toll. 


Der Spoiler küsst die Straße 

Bei offenem Verdeck 

Und – Gipfel der Ekstase – 

Blondine im Gepäck. 


So rollt im Maserati
Vor mir mein Chef, Herr Wolf, 
Dahinter ich mit Vati
In meinem alten Golf. 


– Rudolf Anton Fichtl –





Bestandsaufnahme



– Zwischen Nelken, Veilchen, Rosen

sitze ich mit Kopfverband,

hinter mir die Düngerdosen,

hier in meinem Blumenstand.


Heute früh – mein lieber Schieber! –

fiel der Terrakottatopf,

aus der Blumenampel über

mir, auf meinen Hinterkopf.


Dass die Veilchen, Rosen, Nelken

nun in meinem Blumenstand

demzufolge nicht verwelken,

halt ich durch mit Kopfverband


und sinniere schon seit Stunden,

grüble hin und grüble her,

akkurat den Kopf verbunden,

was denn jetzt das Beste wär


für die Rosen, Nelken, Veilchen.

Aktueller Zwischenstand:

Heute bleib ich noch ein Weilchen,

morgen kommt dann Ferdinand.



– Rudolf Anton Fichtl –






Frühling 


– Dies erogene Brummen 
des Zwölfzylinder V 
lässt demütig verstummen: 
ein Traum metallic-blau. 

In Chrom gehüllte Felgen 
mit Schlappen: 30 Zoll. 
Welch ehrfürchtiges Schwelgen, 
mit einem Wort nur: Toll. 

Der Spoiler küsst die Straße 
bei offenem Verdeck 
und – Gipfel der Ekstase – 
Blondine im Gepäck. 

So rollt im Maserati
vor mir mein Chef, Herr Wolf, 
dahinter ich mit Vati
in meinem alten Golf. 

– Rudolf Anton Fichtl –




 Jugendliebe 


– Wir schwebten gen Himmel, den Wind in den Haaren, 
mein Roller, er trug uns auf Wolken dahin,
so sind wir des Abends zum Weiher gefahren 
und hatten nur Ewigesträumen im Sinn. 

Wir fanden am Ufer ein lauschiges Plätzchen,
wir neckten und küssten uns, lagen im Gras,
so dass ich dann prompt mit dem Schatz aller Schätzchen 
den Raum und die Zeit, einfach alles vergaß, 

schlicht alles, was um uns war, nur nicht die Sterne, 
den Mond, ihre Lippen und auch nicht den Wein, 
es tanzte das Licht unsrer kleinen Laterne 
zum Zirpen der Grillen im Vollmondenschein. 

Halb zwölf, auf dem Rückweg dann, musste ich blasen, 
sie haben vor Ort meinen Lappen kassiert.
Ab folgendem Tag war der Schatz aller Schätzchen 
mit Ritchie und seiner Suzuki liiert. 

– Rudolf Anton Fichtl –