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Heileheile



 – Heut wird die Villa Herz entgittert

(ist innerlich erst teilverwittert).

Wie schön, dann Seit an Seit zu fighten,

vorbei die Einsamkeitsgezeiten.


Du, mit der Hausbesetzerseele,

halb Kuckuck und halb Philomele,

ich, Typus flügellahmer Rabe,

mit meinem Nevermore-Gehabe.


So geht wohl das Zusammenreimen

beim großen Ben-zi-Bena-Leimen:

Zwei wandelwunde Wunderkunden

die kundig sich die Schrunden stunden.



– sufnus –





Dada für Tata



 – Heinz war eine Palme 

aus Niedersprockhövel

manche sagen er war

bei seiner Geburt anwesend

befand sich genau neben

seinem letzten Schrei

der klang wie Paris-Brest

ab da reimte er nur noch auf Ulm


Und entsagte der Lyrik

aber wenn er am Strand

von Schorndorf saß

ihm die Kokosnüsse

aus der Aktentasche fielen

rief er mich an flüsterte Junge

buchstabier mirs noch mal

und ich dann so *M*E*N*S*C*


Ich denke oft an ihn

manchmal vergrabe ich

den Schatten einer Palme im Garten

lasse es gut sein



– sufnus –


 


Versuch über die Angst



 – Die Alten stellten sich

die Angst feinstofflich vor

Georges Ungar quälte Ratten

in dunklen Labyrinthen

mit Strom


Ihre pürierten Gehirne

injizierte er Mäusen um diese

das Fürchten zu lehren

wie ich gestern

vor dem Einschlafen las



– sufnus –





Spätlicht



 – Südwindbesiegelt ist unser Schlaf

ein Hirtenfragment kaum

lerchenschlaglang


Unsere Herden entweiden sich

am himmelgrünen Rand


Die Fremden der Häuser

Kindheitstransit

sieh doch nur


Wir zetteln die Sterne an

sind kleine Rufzeichen


Durch unsere Stimmen wandert der Mond



 – sufnus –





   Wasserwerkers Traum



Ich träume einen Wünscheltraum

der ist zehn Mondraketen tief

den fülle ich mit Weißem Hai

und Schokosladenspeisecrème


Dann kunterbunterpurzel ich

huschhusch ins Weidenkörbchen fein

von meinem schönsten Tauchballon

spiel fangen mit dem Bluppbluppwind


Und geh den Dingen auf den Grund

und mit dem Mördermuschelkoch

da würze ich das Wasser süß

das heut aus deiner Leitung kommt



    – sufnus –





 Schöne Scheibe



 – Die Welt ist leider ja beileibe

nicht so, wie es im Buche steht!

Sie ist vielmehr ne flache Scheibe,

die Gott fein in der Pfanne brät


und mit viel Ketchup, Senf, Salat

der Göttergattin heiß serviert,

weil die so liebevoll drum bat,

dass der Gemahl mal ausprobiert,


was in der weiten Himmelssphäre

als Twist beim ewig gleichen Fraß

so kulinarisch möglich wäre.

Gesagt, getan, Gott hatte Spaß.


Die Menschheit aber fährt zur Hölle

beim Lunch als Weltenburgerschmaus:

Nur ein Moment noch leichter Völle.

Ein Himmelsrülpser. Fertig. Aus.



 – sufnus –



 


Versuch über 

wohlfeilen Glauben



Instantgötter aus der Tüte,

schnell mit Wasser angerührt,

Glaubensinhalt erster Güte,

schluckweis seelisch eingeführt.


Hosianna um die Ohren

und im Herz ein Jubelchor

und im Frostfach eingefroren

hält der Spirit länger vor.


Nichts mehr vom «Verstande, der

glaubend nach Verstehen strebt».

Die Scholastik? Längst verlebt!


Denken macht das Dasein schwer,

also halt dein Hirn schön hohl,

freu dich dumm am Seelenwohl.



 – sufnus –




Bon appétit



Hinten links in meiner Birne

lebt ein Wurm von meinem Hirne

und frisst täglich zehn Ideen,

doch dies Zerebralgeschehen

will mir nicht die Laune rauben!

Der IQ musst wohl dran glauben –

juckt mich aber nicht die Bohne:

Besser lebt sich «oben ohne».



 – sufnus –





Schlafhygiene



 – Ich stelle nackt mich in den Schlaf,

ein Regenduschenglück!

Was tags mich auch im Herzen traf,

schäumt in die Zeit zurück.


Erlösung durch das Ablaufsieb

zur Duschdasträumerei,

die Nacht als kluger Tagedieb

seift uns vom Dasein frei.


Ich brause Pflicht und Muße fort,

kanalwärts gluckst die Welt:

Am wohlverfliesten Fugenort

auf mich allein gestellt.



 – sufnus –


 

 


Verzehrende Liebe



 – Die Liebe ist beileibe nicht

bloß eine reine Leibespflicht,

jedoch mit vollem Bauch

geht die Liebe auch.


Und willst du mit mir Liebe wagen,

dann führt die Liebe durch den Magen,

dann lieb ich dich mit Haar und Haut,

denn gut geliebt, ist halb verdaut!


Wen immer ich zum Liebsten wähl,

den liebe ich: from nose to tail.

Es zielt darum mein Liebesplan

von Shangri-La nach Ämirstan,


und zur Erhöhung deiner Reize

lieb ich dich ohne Würz' und Beize

und nehme bei der Liebeskür

zu guter Letzt dich ganz zu mir.


Dann sind wir zwei ein Unikum:

du innendrin, ich drumherum.



 – sufnus –