Jogger‘s delight
– Die Mahnung: Pumpe, Glatze, Bauch und Falten.
Mir schwant, ich bin als Macker laue Luft
und muss was machen. Hoch jetzt, fauler Schuft!
Die Sonne scheint. Heut kann mich nichts mehr halten.
Ich lege los. Ganz locker. Drei Schritt ein-
und wieder ausgepustet. Bleibe standhaft
im Takt und flöge förmlich durch die Landschaft (!),
blies nicht von vorn der Wind so hundsgemein.
Der Wind, der alte Schinder, hemmt erheblich.
Ich schalte runter: ein zwo Phuuh und ein zwo Phooh,
als just ein Fräulein naht. Oh Libido!
Mein Lächeln, wohl vom Schmerz verzerrt – vergeblich.
Ich fluche, weil der Weg nun aufwärts geht.
Vorbei an Häusern, Gärten, einer Laube,
aus der die Lust schreit, einem Rest von Taube,
an trauten Rasen, die ein Mäher mäht.
Der Durst, die Hitze und ein fraktioneller
Ventilationsverlust auf halber Strecke
beschweren Herz und Bein, als um die Ecke
ein Köter schießt. Erregt! Schon lauf ich schneller.
Fürwahr ein Marathon! Am Automarkt
wird abgekürzt, durch Sand bis zu den Knöcheln.
Das Echo einer Wand klingt fast wie Röcheln.
(Starb Pheidippides gar an Herzinfarkt?)
Kurz vor dem Ziel, noch einmal runterschalten
den Gang, den wirklich letzten vor dem Tod.
Erreiche meinen Hof mit Müh und Not.
Erschöpft, doch glücklich, bald ein Bier zu halten …
– Dirk Tilsner –
akt absurdum
– Dirk Tilsner –
Ruhestörung
– Der Morgen graut. Die Wolken schweigen Bände.
Noch dösen alle Häuser. Der Asphalt
Die sich in jedem Punkt des Bildes staut,
Als ... Wispern einer elfischen Fibrille?
Vielleicht doch irdischer ... Das ist ein Laut!
Nein, lauter Laute wie ein Kleckern, Klacken,
Und zwischendurch ein zartes Tippel-Tapp.
Es hallt heran, im Takt. Zwei Herrenhacken
Und Pfötchen eines Hunds im Zuckeltrab.
Schon schießt der Gassigänger um die Ecke.
Der Wegerich am Gartenzaun vibriert,
Und Spinnennetze zittern an der Hecke.
Der Köter in der Pfütze ... randaliert!
Drei Eigenheime und dann noch ein Stück.
– Dirk Tilsner –
Fahrausweis bitte
( Terzine )
– Dirk Tilsner –
Weitsicht
– Als ich gestern in die Ferne sah,
schien mir diese plötzlich seltsam nah.
Näher noch – ich weiß, das klingt jetzt dumm –
als der leere Raum um mich herum.
Dieser Raum, gefüllt mit lauer Luft,
die mir dauernd in die Seele pufft;
diese schnöde Enge ganz aus Nichts,
die Garotte meines Gleichgewichts.
Dieses ungreifbare Nichts-Substrat,
licht- und schattenarme Wechselbad;
dieses körperlose Hindernis,
steter Zwang, im Ausgang – ungewiss.
Als mir, wie schon oben angeführt,
diese Ferne jäh im Innern rührt,
fand ich darin einen tiefen Sinn:
Manchmal will der Mensch woanders hin.
– Dirk Tilsner –
Credo
– Dirk Tilsner –
Aus den Chroniken
eines Steppkes
und wenn es hart kam, auf Bonbons verzichten.
Am Strand im Urlaub sammelten wir Muscheln
und ihrer Schönheit wegen(!) Kieselsteine.
Im Schilfgras hörten wir die Nymphen tuscheln:
«Der See birgt alte Schätze und Gebeine.»
Im Kirschkern-Spucken warn wir echte Meister,
bei Sauriern, ha! In jedem Streit die Schlausten.
Wir glaubten an die Kraft der Poltergeister
und dass Zyklopen nur in Märchen hausten.
Der Kuchen Omas ließ uns dicker werden.
Den Becher Milch trank ich stets bis zur Neige.
Ich war Korsar, ein guter, mit Gewissen.
– Dirk Tilsner –
Am Fenster
– Hart war der Winter damals,
Begrub das Feld und die defätistischen Kreaturen.
Manchmal verharrt einer für einen Augenblick,
Bis auch er entkräftet seiner Bestimmung folgt.
Der kurze Traum von einem Kuss der Königin. Umsonst.
Sie schneit schon seit Jahren
Nicht mehr vorbei.
– Dirk Tilsner –
Homo diabolicus
(Terzine zum Thema: Teufelskanzel)
– Dirk Tilsner –
untierisch
– Dirk Tilsner –