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Dezember 29, 2025



Fragewolken 



 – Das Jahr klingt aus und wird Vergangenheit
und war doch eben noch zum Greifen nah,
man hat Probleme und verläuft sich in der Zeit
und steht am Ende ganz verwundert da

und fragt sich heimlich, während Frösche krachen
und lila Blitze um die Dächer schweifen:
Werd' ich im neuen Jahr die alten Fehler machen,
werd' ich vielleicht zu neuer Größe reifen?

Werd' ich in neue Höhen klettern dürfen,
wird mich ein Teufel in die Tiefe schmeißen,
werd' ich in Höllenschluchten schürfen,
wird mir ein Glücksschwein in den Hintern beißen?

Und so, indem man Fragewolken schiebt,
schiebt man Probleme, die's noch gar nicht gibt,
ins neue Jahr und vor sich her und durch die Zeit,
hinsteuernd Richtung Ewigkeit.



– Peter Welk –



November 24, 2025



Canción de amor



 – Dulzinea von Toboso,

Deine Wimpern schlagen leise,

Deine Augen malen Kreise,

Deine Lippen glühen rot.


Dulzinea von Toboso,

Ach, so sternenferne Schöne,

Du, ich seh dich nur in Schatten,

Welche mir die Nächte werfen.


Dulzinea von Toboso,

Ach, wann werd ich dich berühren,

Denk dich hinter tausend Türen,

Träum die Sehnsucht bis zum Tod.


Dulzinea von Toboso,

Ewig will ich nach dir suchen,

Seh dich hinter allen Blicken

Und Gedanken unenträtselt.



– Peter Welk –



November 21, 2025



Schlamassel


(Kindergedicht)


(hören)



 – Es war einmal ein Dromedar.

Was ist denn das, was da mal war,

ein Dromedar? «Wer bin ich bloß?

Ein Irgendwer und namenlos?»

Das fragte sich das Dromedar,

das ziemlich durcheinander war,

es guckte dromedarisch scheel:

«Vielleicht bin ich ja ein Kamel,

auf jeden Fall, ich bin ein Tier,

ach, wüsste ich doch mehr von mir!

Ich könnte ja die Hanna fragen:

He, Hanna, könnt‘ ich zu ihr sagen,

ich frage dich als Dromedar,

kommst du in dem Schlamassel klar?

Was bin ich? Ein Kamel? Ein Stier?

Ein Hund? Ein Huhn? Verrat‘ es mir!»



– Peter Welk –



Oktober 23, 2025



 Pille Palle


(Kindergedicht)


– hören >>


Der Igel Pille trifft den Igel Palle:

«Tach, Palle, schon gehört, die Welt ist rund!»

«Nee, Pillemännchen, nee, die Welt hat Ecken,

Die Welt ist wie ‘ne Kiste zum Verstecken!»

«Ach, Pallekopp, wat redste da fürn Quatsch,

Hast aufn Augen heute Pallematsch,

De Welt ist rund!» – «Hat Ecken!» – «Rund!» – «Ist eine Kiste!»

«Ach, Pallemann, ‘n Kistenknallkopp biste!»

«Und du?» – «Wieso, wat ich?» – «Ja, wat bist du?»

«Wat weiß denn ich?» – «‘n Kistenkänguruh!»

«Und du?» – «Und ich?» – «Ja, du!» – «Ich nicht, nur du!»

«Nein, du!» – «Du!» – «Was denn?» – «Ach, las mich in Ruh!»



– Peter Welk –



Oktober 05, 2025




Mäusefrau kann nicht einschlafen
und zieht Mäusemann am Ohr



(Kindergedicht)


– hören >>



 – Was knistert da? – Wo? – Da, im Kellereck! –

Ich hör nix. – Deine Ohren sind verstopft,

es hat geknistert! Oder hats geklopft? –

Da war nix! – Doch! Jetzt ist es aber weg! –

Ja, und? – Ja, und, wenns plötzlich wieder losgeht!? –

Das Knistern? – Oder‘s fängt zu donnern an! –

Ich kenne keine Maus, die donnern kann. –

Und wenn ein Löwe kommt und donnernd vor dir steht? –

Woher soll der denn kommen? – Na, durchs Kellerfenster,

aus seiner Wüste bis hierher! – Dann wird er müde sein,

der legt sich neben dich, zusammen schlaft ihr ein! –

Und du? – Ich schick euch knisterleise Traumgespenster



Peter Welk

September 24, 2025

 


Sonetto Siciliano





Ich habe eine Liebste auf Sizilien

(vielleicht, ich weiß es aber nicht genau) …

Ich denk sie mir als zeitentrückte Frau

Inmitten sizilianischer Fossilien:


Da steht ein Krug und vor dem Krug, verführend,

Hockt meine Liebste, schön und fossiliert,

Oft bin ich schon um sie herumstolziert,

Den Mann betonend und Verlangen schürend


Und hoffend, dass sie sich nach mir verzehre;

So, wie auch mich die Gier nach ihr zerquält,

Wenn sie sich manchmal aus Vergangnem schält,


Gedanklich – nackt die Gegenwarten sucht,

Auf Sizilianisch einen Lustfluch flucht

Und unversehens türmt. Ins Ungefähre …


Und zieht mich wie ein Spielzeug hinterher …

(Wenn das nicht typisch sizilianisch wär!)



 – Peter Welk –



September 08, 2025



Gebet mit gell



 – Lieber Gott, ich weiß, es wohnt

Außer dir eventuell

Und den Engeln hinterm Mond

Niemand sonst, das stimmt doch, gell?


Oder auf? Ist deine Bleibe

Auf dem Mond? Bist du der Mann,

Der uns nachts im Schein der Scheibe

Immerzu betrachten kann?


Guckst du uns in die Gehirne?

Fragst du dich, was da so liegt?

Was im Flackern der Gestirne

Träumend sich in Kissen schmiegt?


Du! Du hast uns doch gezimmert,

Allesamt nach deinem Out-

fit, und Göttergleiches schimmert

Uns beim Träumen auf der Haut,


Stimmts? – Drum guck, solang wir schlafend

Liegen, bitteschön nicht strafend

Auf uns runter. Wirds dann hell,

Gehste selber schlafen, gell?


Und derweil die Engel oben mit dir ruhn,

Scherts den Teufel euch, was wir hier unten tun –

gell? 



– Peter Welk –



August 08, 2025

 


OP überstanden – 

Patient am Leben


– hören >>>


 – Ich danke schön. Die guten Wünsche salben

Das reparierte Herz. Es pumpt schon wieder fast

Wie einst im Mai. Der Blick zieht mit den Schwalben

Irgendwohin ins Blaue, ja, der ganze Kerl

Streckt sich schon wieder, und die Sinne kleben

Am neuen Leben.

 

Was, bitte, fang ich mit dem neuen Leben an?

Bin ich noch ganz der Alte? Ist die Welt noch rund?

Mir fehlen immerhin fast dreizehn Pfund,

An mir ist sozusagen kaum noch etwas dran.

 

Ich geh mit kleinen Schritten durch die Welt.

Die großen Schritte muss ich mir verkneifen;

Solang die Lungen noch Proteste pfeifen,

Bin ich auf halbe Schlagzahl eingestellt.

Ich geh mit kleinen Schritten hin zu einem Hund

Und setz mich neben ihn.

Der Hund ist bunt

In einen Strickpullover eingezwängt,

Die Sonne sengt, der Hund verschenkt

Ein Nasenstubsen, und er denkt.


Es denkt der Hund: Der Mensch da neben mir

Ist insofern ein sorgenfreies Tier,

Als er pullovermäßig in der Mittagshitze,

In der ich schwitzend ihm zur Seite sitze,

Sich das Gestrickte runterreißen könnte

Und in den nächsten Gulli schmeißen könnte.

Ich kann das nicht, ich bin gestraft,

Als Hund und höheres Geschöpf versklavt.

 

Das denkt der Hund. – Ich denke an die Jahre,

Die ich noch habe, nämlich fünfzehn garantiert.

Und plötzlich seh ich mich zerfallen,

Ich seh mich nach dem Leben krallen,

Ich seh mich strickpullovermäßg etabliert

Im Zimmer bei den Alten, und die Haare,

Die ich noch zählen kann, die fliegen auf

Im Abendwind zum Himmel rauf,

Ich ende schließlich irgendwie versklavt

am Fenster hockend

Und wütend gegen alles Lebensschöne bockend.


Da spricht der Hund: «Hör einfach auf zu denken,

Du könntest mir ein Eis mit Sahne schenken!»



 – Peter Welk –