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Februar 05, 2026

 


Winterlied



 – Denkst du noch an jenen Sommerabend

Als der erste Kuss daneben ging?

Hast du noch die Rosen in der Nase?

Siehst du noch, wie hoch der Himmel hing?

 

Wär ich damals in den Baum gestiegen ...

Hätt' ich ein paar Sterne umgedreht ...

Hättest du beim Knöpfen still gehalten …

Ach, die Zeit hat alles überweht ...

 

Kälte ist schon übers Dach gekommen.

Winterblumen spannen Silbernetze.

Hätt'st du je das Ende so gedacht?

Sommerwünsche wurden über Nacht

Zwei im Schnee vergess'ne Lieblingsplätze.



 – Peter Welk –



Januar 24, 2026



Zeit zu verschenken!





Ich guck nur, weil du guckst.

Ich schlafe eigentlich.

Wie Möpp, der Kater, kann ich locker spucken

Auf Stunden und Sekunden,

Uns ist die Zeit egal.

Dem Tag folgt allemal die Nacht, na und?

Kein Grund,

Den Lauf der Welt in Happen kleinzudenken.

Wir haben Zeit zu verschenken!

Scheint noch die Sonne draußen? Oder schneits?

Hat unser Mensch bereits

Sein Tannenbäumchen bunt gemacht?

Aufs Jahr gelacht, das grade war?

 Mit rosarot umgaukelten

Von Zuversicht umschaukelten

Gedankenpurzelbäumeklettertouren?

Guckt unser Mensch schon wieder auf die Uhren,

Die für ihn ticken, die ihn weiterschicken

Die Jahre lang? Was so kein Hund versteht,

Weil Hund nicht nach Kalenderblättern geht,

Hundsein geht anders. Katersein geht auch

Ganz anders.

Nee, Kalender,

Nee, sowas müssen wir nicht haben,

Der Möpp und ich,

Wir können schlafend lange Wege traben

Und Zeit verbuttern

Beim Träumefuttern …  



– Peter Welk –



Dezember 29, 2025



Fragewolken 



 – Das Jahr klingt aus und wird Vergangenheit
und war doch eben noch zum Greifen nah,
man hat Probleme und verläuft sich in der Zeit
und steht am Ende ganz verwundert da

und fragt sich heimlich, während Frösche krachen
und lila Blitze um die Dächer schweifen:
Werd' ich im neuen Jahr die alten Fehler machen,
werd' ich vielleicht zu neuer Größe reifen?

Werd' ich in neue Höhen klettern dürfen,
wird mich ein Teufel in die Tiefe schmeißen,
werd' ich in Höllenschluchten schürfen,
wird mir ein Glücksschwein in den Hintern beißen?

Und so, indem man Fragewolken schiebt,
schiebt man Probleme, die's noch gar nicht gibt,
ins neue Jahr und vor sich her und durch die Zeit,
hinsteuernd Richtung Ewigkeit.



– Peter Welk –



November 24, 2025



Canción de amor



 – Dulzinea von Toboso,

Deine Wimpern schlagen leise,

Deine Augen malen Kreise,

Deine Lippen glühen rot.


Dulzinea von Toboso,

Ach, so sternenferne Schöne,

Du, ich seh dich nur in Schatten,

Welche mir die Nächte werfen.


Dulzinea von Toboso,

Ach, wann werd ich dich berühren,

Denk dich hinter tausend Türen,

Träum die Sehnsucht bis zum Tod.


Dulzinea von Toboso,

Ewig will ich nach dir suchen,

Seh dich hinter allen Blicken

Und Gedanken unenträtselt.



– Peter Welk –



November 21, 2025



Schlamassel


(Kindergedicht)


(hören)



 – Es war einmal ein Dromedar.

Was ist denn das, was da mal war,

ein Dromedar? «Wer bin ich bloß?

Ein Irgendwer und namenlos?»

Das fragte sich das Dromedar,

das ziemlich durcheinander war,

es guckte dromedarisch scheel:

«Vielleicht bin ich ja ein Kamel,

auf jeden Fall, ich bin ein Tier,

ach, wüsste ich doch mehr von mir!

Ich könnte ja die Hanna fragen:

He, Hanna, könnt‘ ich zu ihr sagen,

ich frage dich als Dromedar,

kommst du in dem Schlamassel klar?

Was bin ich? Ein Kamel? Ein Stier?

Ein Hund? Ein Huhn? Verrat‘ es mir!»



– Peter Welk –



Oktober 23, 2025



 Pille Palle


(Kindergedicht)


– hören >>


Der Igel Pille trifft den Igel Palle:

«Tach, Palle, schon gehört, die Welt ist rund!»

«Nee, Pillemännchen, nee, die Welt hat Ecken,

Die Welt ist wie ‘ne Kiste zum Verstecken!»

«Ach, Pallekopp, wat redste da fürn Quatsch,

Hast aufn Augen heute Pallematsch,

De Welt ist rund!» – «Hat Ecken!» – «Rund!» – «Ist eine Kiste!»

«Ach, Pallemann, ‘n Kistenknallkopp biste!»

«Und du?» – «Wieso, wat ich?» – «Ja, wat bist du?»

«Wat weiß denn ich?» – «‘n Kistenkänguruh!»

«Und du?» – «Und ich?» – «Ja, du!» – «Ich nicht, nur du!»

«Nein, du!» – «Du!» – «Was denn?» – «Ach, las mich in Ruh!»



– Peter Welk –



Oktober 05, 2025




Mäusefrau kann nicht einschlafen
und zieht Mäusemann am Ohr



(Kindergedicht)


– hören >>



 – Was knistert da? – Wo? – Da, im Kellereck! –

Ich hör nix. – Deine Ohren sind verstopft,

es hat geknistert! Oder hats geklopft? –

Da war nix! – Doch! Jetzt ist es aber weg! –

Ja, und? – Ja, und, wenns plötzlich wieder losgeht!? –

Das Knistern? – Oder‘s fängt zu donnern an! –

Ich kenne keine Maus, die donnern kann. –

Und wenn ein Löwe kommt und donnernd vor dir steht? –

Woher soll der denn kommen? – Na, durchs Kellerfenster,

aus seiner Wüste bis hierher! – Dann wird er müde sein,

der legt sich neben dich, zusammen schlaft ihr ein! –

Und du? – Ich schick euch knisterleise Traumgespenster



Peter Welk

September 24, 2025

 


Sonetto Siciliano





Ich habe eine Liebste auf Sizilien

(vielleicht, ich weiß es aber nicht genau) …

Ich denk sie mir als zeitentrückte Frau

Inmitten sizilianischer Fossilien:


Da steht ein Krug und vor dem Krug, verführend,

Hockt meine Liebste, schön und fossiliert,

Oft bin ich schon um sie herumstolziert,

Den Mann betonend und Verlangen schürend


Und hoffend, dass sie sich nach mir verzehre;

So, wie auch mich die Gier nach ihr zerquält,

Wenn sie sich manchmal aus Vergangnem schält,


Gedanklich – nackt die Gegenwarten sucht,

Auf Sizilianisch einen Lustfluch flucht

Und unversehens türmt. Ins Ungefähre …


Und zieht mich wie ein Spielzeug hinterher …

(Wenn das nicht typisch sizilianisch wär!)



 – Peter Welk –