Welt
– Ich lehne mich hinaus
Ins Niemalsland
Dort lebt ein Kind
Namens Ich
Wäre ich
Wäre nicht
Der Blick zurück
Hinein
In das, was ist
– Otto Lenk –
– Ach, wissen Sie, ich liebe Literaten,
Ich folge ihnen gern auf Schritt und Tritt,
Dem einen hab ich mal ein Steak gebraten
Und nahm ihn in den Lesegarten mit.
Mein Literat hat seine eigne Glätte,
Man bleibt als Frau nicht lange an ihm dran.
Jedoch, wenn ich ihn überhaupt nicht hätte,
Was fing ich dann im Lesegarten an?
Man hat Gefühl. Man ist ja nicht von Pappe.
Man gibt sich hin. Und wird auch mal geneppt.
Ich seh das Leben insgesamt als Schlappe –
Gelegentlich mit Kerlen aufgepeppt.
Ach, wissen Sie, ich liebe Lyrikfrauen,
Ich folge ihnen gern auf Schritt und Tritt,
Die eine hab ich mal im Rausch verhauen
Und nahm sie in den Lesegarten mit.
Sie hat als Perle ihre eigne Glätte,
Man bleibt als Mann nicht lange an ihr dran.
Jedoch, wenn ich sie überhaupt nicht hätte,
Was fing ich dann im Lesegarten an?
Man hat Gefühl. Man ist ja nicht von Pappe.
Man gibt sich hin. Und wird auch mal geneppt.
Ich seh das Leben insgesamt als Schlappe –
Gelegentlich mit Perlen aufgepeppt.
– Peter Welk –
– Minister wie Schneider und Schnieder
verwechselt man immer mal wieder
und festliche Lieder singt leider
kein Mensch über Schnieder und Schneider.
Minister wie Schnieder und Schneider,
die seien zu bieder und beider
Bekanntheit für Neider zu nieder.
Sie pfeifen auf Schneider und Schnieder.
– Didi.Costaire –
– in dieser nacht änderte sich alles
(du jedoch wirst dich niemals ändern)
eine ahnung von unberechenbarkeit
erbrach sich in unsere realität
und gebar ihr wort
es kündete von neuer größe
und altem zorn
bescheidene besonnenheit verätzte es zu
zügelloser leidenschaft
(du kennst diese geile, brutale gier)
fraß forderungen in unsere verwahrlosung:
verweigert euch belangloser verantwortung
vergesst längst verblichene schuld
vertraut eurer versteckten gesinnung
(du weißt genau, was ich meine)
und wieder waren wir gehorsam
kreuzigten unsere zweifel
und verschrieben ihren kindern empfehlungen
gesammelt auf schwarzen listen
(du weißt, wie man befehle ausführt)
zurück zu den waffen rief es uns
(du hörst das echo nicht)
griff nach unseren hüllen
die noch immer tage schauten und welten spiegelten
und ihre oberflächen mit wokem lack schützten
vielleicht war es nur eine vermutung von liebe
(du willst es nicht verstehen)
zurück in die schlacht warf es uns
das irre lachen hörten wir nicht
nur die sirenen und das geheul
der enthaupteten zukunft
(du bist ihr untotes gedicht)
zum schluss erinnerten wir fragmente eines bildes:
geriatrische zehen in öligem terrain
virile tattoos auf kraftlosen muskeln
verbrannte augen im geschichtsblinden himmel
im hintergrund das stimmvieh im stillen gebet
an den müll der stadt
dazwischen, brennend auf einer matten scheibe, ein
NIE WIEDER
und, die szenerie dominierend, ein invertierter phallus
scheinbar unentschlossen über einem roten knopf schwebend
ja, in dieser nacht änderte sich alles
(du jedoch wirst dich niemals ändern)
– Marcus Sommerstange –
– Dein Verständnis
ist meine Pflicht.
Bin ich nur
der Zauberspruch,
der dein faules Gebräu
zur Wirkung bringt?
Weder Opfer
noch Vollstrecker,
nur das zwischen dir
und …
und wem eigentlich?
Dir und dir?
Wäre ich doch nur
ein Spiegel,
du könntest ertrinken
in mir.
Doch du trinkst mich leer
und hüllst dich in mich ein.
Geschmeidig und ein wenig schwer,
so erträgst du mich.
Wäre ich doch Sackleinen,
das dir die Haut aufreißt,
dass du mich ablegst und vergisst.
Doch: der Zuertragende,
der zu tragende,
der schwere Schal,
der dich wärmt
und erstickt.
– Rufus –
– Was hat der liebe Gott gedacht
in seinem Schöpferwahn,
als er das Schnabeltier gemacht?
Es paddelt seine Bahn
in manchem trägen Dschungelfluss
im Antipodenland
und ist nach Gottes weisem Schluss
nur mit sich selbst verwandt,
entschlüpft der Ente gleich dem Ei,
bloß harmoniert nicht ganz
sein Entenschnabelkonterfei
mit seinem Biberschwanz.
Ein Fersensporn mit Kobragift
zählt auch zum Arsenal.
Ein Feind, den dieser Stachel trifft,
empfindet Todesqual.
Es nähme gern den Schnabel voll,
doch leider bleibt es stumm.
Das findet es so semitoll.
Es wüsste gern, warum.
– Cornelius –
– Es beginnt im Stillen,
dort, wo kein Maßstab greift
und kein Auge je verweilte,
mit der Frage,
warum überhaupt etwas ist
und nicht vielmehr nichts.
Ein Flimmern im Vakuum,
ein kaum gedachter Anfang,
der sich ausdehnt ohne Ziel,
und wir stehen darin
wie ein Atemzug,
der sich selbst betrachtet.
Warum trägt das Universum
die Form, die es trägt,
warum diese Gesetze,
diese leise, unerschütterliche Ordnung
inmitten scheinbarer Unruhe.
Warum hat ein Elektron
genau diese Ladung,
nicht mehr, nicht weniger,
warum diese Masse,
als wäre sie beschlossen worden
in einer Sprache, die niemand kennt.
Warum verharren die Konstanten
auf ihren stillen Werten,
fein austariert
wie ein Gleichgewicht
auf Messers Schneide,
als hätte jemand gerechnet,
lange bevor Zeit entstand.
Warum krümmt sich Raum,
und formt den Weg des Lichtes.
Warum zerfällt, was existiert,
und bildet sich neu
aus den Trümmern des Vorherigen.
Warum trägt jede Antwort
den Keim einer weiteren Frage,
wie ein Schatten,
der sich nicht abschütteln lässt.
Während wir zählen,
messen, beschreiben,
während wir Formeln
in die Stille schreiben,
bleibt etwas offen,
immer,
wie ein Fenster ohne Rahmen.
Und dann,
ganz am Rand
dieses großen,
schweigenden Rätsels,
die entscheidende Frage,
leise,
unerwartet konkret:
Wann muss die Steuererklärung
abgegeben werden?
– Önder Özkan –