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September 27, 2026



Nights in white satin



 – Ich erinnere mich an angezogene Wäscheleinen.

An das HB-Männchen, das immer in die Luft ging, so hoch flog,

dass es die Antennenwälder auf den Dächern von oben sah.

Sehe Kaugummi-Automaten, mit verborgenen Schätzen drinnen.

Habe immer noch meine damaligen Träume vor Augen.

(Sehe immer noch diesen Abenteurer in mir)

Erinnere mich an den Mann auf dem Mond, Nächte mit Cassius und Ali.

Im Schlag meines Hosenbeins hätte ein Elefant Platz gefunden.

(In meinen Träumen das Universum)

Tonbandgeräte.

Die immer wieder scheiternden Versuche, rechtzeitig die Pausentaste zu drücken.

Die erste Zigarette, die wie Scheiße schmeckte.

Der erste Vollsuff. Dieses Gefühl, sich schneller als die Erde zu drehen.

An die Gartenparty. Nichts besonderes, dachte ich.

Und dann … Martina und Moody Blues.

Plötzlich diese Gefühle.

Du sahst mich an und lächeltest.

Dein Lächeln beruhigte mich.

Bis ich dieses leicht Frivole darin erkannte.

Du erzähltest von Unschuld und keine Angst.

Später im Zelt von Schuld und Koitus Interruptus und alles wird gut.

Ich verstand nichts, fühlte nur, auf eine Art und Weise, die es gar nicht gab.

(Oder nur in den Träumen, in anderen Universen, die Abenteurer entdecken)

Irgendwann, viel später in der Nacht, verstand ich deine Worte.

Wir standen vor dem Zelt, beobachteten den Himmel, lauschten den Sternen.

Träumten von fernen Universen, die wir gemeinsam entdecken wollten.




Richtung Gott?



 – Ich steh oben auf dem Kirchturm,

mit ´nem Papierflieger voller Träume in der Hand.

Lass ihn fliegen.

Richtung Mond.

Hoffe auf gute Sonnenwinde dort.

Passat Richtung Mars – Jupiter.

Bei den Ringen des Saturn die Thermik mitnehmen

und dann nur noch geradeaus.

Spätestens hinterm Pluto sollte was zu erkennen sein.

Falls nicht … na ja.

Vielleicht lags ja dann nur am falschen Papier.

Oder an den falschen Träumen.

Wer weiß das schon?



– Otto Lenk –



September 07, 2026



sieben arten blau


 – es gibt sieben arten von blau sagst du und wischst

mit einer handbewegung jeden möglichen einwand hinweg

dort oben sagst du und zeigst zum himmel

werden sie geboren und im meer spiegeln sie sich

sieben arten von blau und mindestens so viele grün

denke ich während felder und bäume an uns vorbeiziehen

und sich dein blick irgendwo weit vorne auf der straße verliert

sieben arten blau flüsterst du aber nur ein schwarz

und wie zum beweis fließen dir schwarzumränderte tränen über die wangen

und ich weiß in diesem moment ganz genau wo du in gedanken bist

dort weit vorne auf der straße wo sich dein blick im nichts verliert



– otto lenk –

Juli 14, 2026



Stille



 – die mich an das lautlose Anlanden der Wellen erinnert

Nur hier und da die Erinnerung an Regentropfen

die auf dem Asphalt tanzen und die Blätter zum Klingen bringen

Ich blicke auf eine Landschaft, die weder von Gegenwart

noch von Vergangenheit bewohnt ist

Alles ruht


Grabesstill



– Otto Lenk –



Juni 18, 2026



kann/sein



der geruch von maikraut

dieses schelmische 'was du nicht sagst'

hand in hand

around and around

die ewigkeit

nur einen steinwurf entfernt

und immer wieder dieser schelm in dir

alles hinterfragend bestätigend

alles alles außer frage

selbst der eingefangene sonnenstrahl

in deinen händen

außer frage


kann nicht sein kann nicht sein


der geruch von maikraut

auf deiner nackten haut

around and around

ewigkeit

alles alles

was du nicht sagtest

was deine hände erzählten

und dieser geruch von maikraut

den ich mitnehme

für die zeit danach



– otto lenk –



Juni 12, 2026



Aus.sichten



Das Blut, an deinen Lippen,

längst geronnen, schmeckst du nicht.

Bist verschwunden,

in diesem Tunnel, der keinen Blick gewährt,

auf das was war.


Stehst am Fenster, blickst hinaus.

Denkst:

Manchmal klingt der Regen wie Applaus.



– Otto Lenk –



Mai 24, 2026



Welt



 – Ich lehne mich hinaus

Ins Niemalsland

Dort lebt ein Kind

Namens Ich


Wäre ich

Wäre nicht


Der Blick zurück


Hinein

In das, was ist



– Otto Lenk –



Mai 07, 2026



ausklang



 – nachts,

wenn die träume ihre kulissen aufbauen,

der mond, sich hinter wolken versteckend,

nach gründen für sein halbes gesicht sucht,

jeder schlag der kirchturmuhr ein tiefes oommm hinter sich herzieht,

der efeu sich nach und nach durch unser zimmer rankt,

licht und schatten, von vorbeifahrenden autos in den raum geworfen,

«ich fang dich» spielen,

das ticken und tacken des weckers, schon längst nicht mehr nervend,

mehr willkommener schlaftrunk,

das grüne standby des receivers an einen leuchtturm

in den tiefen des grau und schwarz erinnert … 


lausche ich heimlich der spinne beim bau ihres netzes,

beobachte glühwürmchen beim irrenden-wirrenden flug

und erzähle dir still von meiner liebe.



 – Otto Lenk – 



April 24, 2026

 



Prolog: Mal ist man Arsch …



 – Ich schwörs,

ich konnte nichts dafür,

plötzlich war er da.

wahrscheinlich irrte er umher,

wusst’ selbst nicht wo er war.

denn was,

um gottes willen,

hatte er gesucht?

war doch der kalte stein

des bades sein revier,

und nicht das warme laminat

im schlafgemach.

auf jeden fall, ich ging,

ja, sah ihn noch,

in einem augenblick,

wollt meinem fuß noch sagen,

geh nicht, tritt nicht,

doch schritt und quaatsch und

aus und tot der silberfisch.

da lag er nun,

noch flacher als vorher.

er tat mir schrecklich leid, denn,

so fragte mein gewissen,

konnt’ es sein,

dass seine seele keine zeit,

sich zu beflügeln für die ewigkeit,

dort auf dem boden nun,

im silberfisch gequetscht, da lag?

der ewigkeit beraubt, von mir.

was war zu tun?

ein grab, eine bestattung musste her.

frieden für des silberfisches seele.

ich kniete nieder.

war gerade noch dabei

die reste aufzusammeln,

als eine polle mich von links erwischte.

hatschi und haste nicht gesehen,

nieste ich den kleinen kerl

in alle ewigkeit hinein.


Epilog: ... mal ist man Gott



April 18, 2026



Innehalten



 – manchmal schaust du mich an

und beginnst zu weinen.

als wäre da ein stilles erkennen,

ein wissen um etwas, das man nicht deuten,

aber dennoch fühlen kann.


in solchen momenten muss ich innehalten.

mich zurücknehmen.

mich selbst davor bewahren dich zu fragen,

ob du um mich weißt.

muss mich von deinen tränen tragen lassen.


tragen lassen.

über die dunkle dunkle see.



 – Otto Lenk –



März 25, 2026



krawumm



 – wie es krawummte

fürchterschön

und wie aus zisch

krawumm

ein licht entstand

und dieses licht

mit noch mehr zisch

krawumm

in tausend lichter

lichtete

so bunt so

glitzeritz

so tausendschön

und dann das dunkel

zwischen

all dem licht

wie es so dunkelte

so tief so dunkel

dunkel tief

und dann

wie aus dem nichts

krawumm und zisch

lachen

staunen

in gesichtern

die kein alter kennen

und augen

augen

voller sterne



– Otto lenk –