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Dezember 04, 2025



Ein kleines Tröpfchen Staunen



 – Ein kleines Tröpfchen Staunen senkt sich sanft ins Kerzenlicht.

Es hört das Singen heller Stimmen durch die Scheibe nicht,

noch ahnt es von den Worten, die der Prediger dort spricht.

Sacht streichelt es das Spiegeln auf dem gläsernen Gesicht

und schreibt mit seiner Seidenspur für dich dieses Gedicht.


Das kleine Tröpfchen Staunen spricht die Sprache, die entsteht,

wenn eines langen Tages Leuchten schwach wird und vergeht.

Es braucht den Ton nicht, keinen Spruch, kein Kreuz und kein Gebet,

nur Achtsamkeit benötigt es. Denn sie ist’s, die versteht:

Im Unscheinbaren wird der Welt Beschaffenheit konkret.


Siehst Du ein kleines Tröpfchen Staunen, schau genauer hin.

Auch wenn es wesenlos erscheint, steckt so viel für dich drin.

Sein Dasein ist ein flüchtiges, und dennoch ein Gewinn:

In seinem steten Schwinden schenkt sein Schimmern dir den Sinn

für jedes Tages oder jedes Jahres Neubeginn.


– Marcus Sommerstange –



November 27, 2025



paralyse



 – in dir legt sich dunkel auf das

an halt ende ein aus

und wieder die suche nach der frage


ja. atme. immer noch!


findest sie nicht

hast mit ihr gerungen, zu lange

glaubtest sie besiegt, endgültig


doch dieser schatten

ein ... blick ... fällst hinab in ihre asche

und diese trübe

aus ... halten ... driftest durch ihren vampiratem

und dieses echo

ein ... brechen ... verdorrst in ihrem sirenengesang

und dieses erinnern

aus ... weg ... fühlst ihr keusches gewicht


immer noch. ja. atme!


ein ... sie war sie ist sie bleibt

aus ... vermächtnis jedes tages

ein ... geißel jeder emotion

aus ... provokation jeder nacht

ein ... tränen jedes kusses

aus ... das wimmern vor dem augenaufschlag

ein ... die unendliche leere in deiner brust

aus ...


die frage? vielleicht gibt es sie wirklich nicht mehr

nur die zeit. so verdammt viel zeit


atme. immer noch. ja!



– Marcus Sommerstange –



November 09, 2025



Und wenn es schließlich



 – Und wenn es schließlich kalt und leis im Dunkeln,

ein schützend Flackern zünd ich in dir an.

Erblühen lass ich’s, bringe es zum Funkeln,

so stark, so kraftvoll wie nur ich es kann.


Ein Jahr lang warte ich auf diese Zeit,

wart ich darauf, dir dieses Licht zu schenken,

um Glück und Zuversicht und Heiterkeit

mit guten Wünschen in dein Herz zu lenken.


Lass mich dich sanft nun wärmen im Erhellen.

Verspür das Gute, was still in uns wohnt.

All finstres Denken soll daran zerschellen.

Zurück bleibt, wofür sich das Leben lohnt.


Nur kurz scheine ich stark und voll in dir.

Verweilen wird ein Glühen, ein Erinnern,

das anderntags dir zeigt: Ich bin noch hier.

Lass stetig meine Quelle in dir schimmern.



– Marcus Sommerstange –



Oktober 07, 2025



paradies



heilen will ich dich

von dem unsterblichen leiden

das du Sein nennst


schützen werde ich dich

vor den augen irgendeines gottes

wenn er das netz auswirft

verlässt du deinen schwarm

und gleitest in mein revier


blind und solitär

schmecke ich den öligen glanz

der uralten lüge

in deiner spur

so finde ich dich


empfangen will ich dich

in meinem leib

und kosten von

der selbstgerechten arroganz

die dich auserwählt hat

zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben


ich trinke die abgründe

deiner ängste

verdaue dein flehen

um erlösung

und du erfährst die gnade

des vergessens


endet es so?


wo die endlichkeit nichts weiter ist

als ein gerücht

verliere ich dich schließlich

rein und nackt

und wieder, immer wieder

an den schwarm


doch irgendwann

in dieser ewigkeit

vielleicht erst in der nächsten

erkennst du

mich 



 – Marcus Sommerstange – 





website von Marcus Sommerstange:

https://vertextlicht.wordpresss.com



August 06, 2025

 


meerzeit



 – wellen schwingen licht

winde branden wolken stranden

sinn sucht sonne sticht

blicke spiegeln ferne welten

bis die nacht sie bricht

schatten streben meerwärts heben

mich dich außer sicht

weiten ebben formen schmelzen

mondes schein gedicht



 – Marcus Sommerstange –




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https://vertextlicht.wordpresss.com


Juli 28, 2025

 


nicht heute?



 – ein falsches lächeln, dunkel und vertraut

zieht dich hinunter in das nichtgesicht

wo jenes hoffnungslos sterile licht

dich nicht mehr deiner traurigkeit beraubt


ein leerer raum, ein nichtverstehen schaut

mit sanftem warmem hauchen hoch zu dir

ein raunen rauschen fauchen: komm zu mir

ein feuchter ton, vor dem dir plötzlich graut


du zitterst, drückst dich nieder in das jetzt

versagst den kühlen lippen ihren kuss

das nichtgeschehen trifft sie wie ein schuss

der alles nichtbegehren dumpf zerfetzt


in das zerrissne bild blickst du zurück

das nichtich ächtet dich und den verrat

die frage gibt die antwort, nicht die tat

doch lächelt es erneut, dann, stück für stück ...



 – Marcus Sommerstange –



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https://vertextlicht.wordpresss.com