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Januar 21, 2026



eine auferstehung



 – wir sitzen auf der schlachtbank

und schauen gen osten

wo das echo großer ideen immer noch

sein mausoleum sucht


du fragst mich, ob ich gott spielen will

wenn ich bloß wüsste, wie napalm riecht

doch ich schmecke nur die filterlosen

diese kriegsberichterstattungsschlager

ihre kippen hebe ich auf

für die wirklich schlechten zeiten


du fragst mich, ob sie bald kommen

wenn ich bloß wüsste, aus welcher richtung

dennoch habe ich begonnen zu beten

und stelle mir dabei vor, wie sie ist

die ewigkeit

ich bete ihre farbe in mein blut

ich bete ihr aroma in die form

eines verbrannten satzzeichens

ich bete sie als vorschlag in ein amen

aber wer hört mir schon zu?


wenn ich auf die knie falle

sehnt sich mein herz zugleich

nach einem neuen deal

mit meinem verstand

doch auch ihn zog es fort

auf einen kreuzzug unter der flagge

eines woken tinnitus

ich wüsste zu gern

ob er tatsächlich kämpfen wird


vielleicht spiele ich ja doch

ich spiele mit dir

denke dich morgen-rot

und erkläre dir den reim

dann ziehen wir gemeinsam los

ihn zu suchen

irgendwo in jener hölle

dort im osten



 – Marcus Sommerstange – 



Dezember 04, 2025



Ein kleines Tröpfchen Staunen



 – Ein kleines Tröpfchen Staunen senkt sich sanft ins Kerzenlicht.

Es hört das Singen heller Stimmen durch die Scheibe nicht,

noch ahnt es von den Worten, die der Prediger dort spricht.

Sacht streichelt es das Spiegeln auf dem gläsernen Gesicht

und schreibt mit seiner Seidenspur für dich dieses Gedicht.


Das kleine Tröpfchen Staunen spricht die Sprache, die entsteht,

wenn eines langen Tages Leuchten schwach wird und vergeht.

Es braucht den Ton nicht, keinen Spruch, kein Kreuz und kein Gebet,

nur Achtsamkeit benötigt es. Denn sie ist’s, die versteht:

Im Unscheinbaren wird der Welt Beschaffenheit konkret.


Siehst Du ein kleines Tröpfchen Staunen, schau genauer hin.

Auch wenn es wesenlos erscheint, steckt so viel für dich drin.

Sein Dasein ist ein flüchtiges, und dennoch ein Gewinn:

In seinem steten Schwinden schenkt sein Schimmern dir den Sinn

für jedes Tages oder jedes Jahres Neubeginn.


– Marcus Sommerstange –



November 27, 2025



paralyse



 – in dir legt sich dunkel auf das

an halt ende ein aus

und wieder die suche nach der frage


ja. atme. immer noch!


findest sie nicht

hast mit ihr gerungen, zu lange

glaubtest sie besiegt, endgültig


doch dieser schatten

ein ... blick ... fällst hinab in ihre asche

und diese trübe

aus ... halten ... driftest durch ihren vampiratem

und dieses echo

ein ... brechen ... verdorrst in ihrem sirenengesang

und dieses erinnern

aus ... weg ... fühlst ihr keusches gewicht


immer noch. ja. atme!


ein ... sie war sie ist sie bleibt

aus ... vermächtnis jedes tages

ein ... geißel jeder emotion

aus ... provokation jeder nacht

ein ... tränen jedes kusses

aus ... das wimmern vor dem augenaufschlag

ein ... die unendliche leere in deiner brust

aus ...


die frage? vielleicht gibt es sie wirklich nicht mehr

nur die zeit. so verdammt viel zeit


atme. immer noch. ja!



– Marcus Sommerstange –



November 09, 2025



Und wenn es schließlich



 – Und wenn es schließlich kalt und leis im Dunkeln,

ein schützend Flackern zünd ich in dir an.

Erblühen lass ich’s, bringe es zum Funkeln,

so stark, so kraftvoll wie nur ich es kann.


Ein Jahr lang warte ich auf diese Zeit,

wart ich darauf, dir dieses Licht zu schenken,

um Glück und Zuversicht und Heiterkeit

mit guten Wünschen in dein Herz zu lenken.


Lass mich dich sanft nun wärmen im Erhellen.

Verspür das Gute, was still in uns wohnt.

All finstres Denken soll daran zerschellen.

Zurück bleibt, wofür sich das Leben lohnt.


Nur kurz scheine ich stark und voll in dir.

Verweilen wird ein Glühen, ein Erinnern,

das anderntags dir zeigt: Ich bin noch hier.

Lass stetig meine Quelle in dir schimmern.



– Marcus Sommerstange –



Oktober 07, 2025



paradies



heilen will ich dich

von dem unsterblichen leiden

das du Sein nennst


schützen werde ich dich

vor den augen irgendeines gottes

wenn er das netz auswirft

verlässt du deinen schwarm

und gleitest in mein revier


blind und solitär

schmecke ich den öligen glanz

der uralten lüge

in deiner spur

so finde ich dich


empfangen will ich dich

in meinem leib

und kosten von

der selbstgerechten arroganz

die dich auserwählt hat

zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben


ich trinke die abgründe

deiner ängste

verdaue dein flehen

um erlösung

und du erfährst die gnade

des vergessens


endet es so?


wo die endlichkeit nichts weiter ist

als ein gerücht

verliere ich dich schließlich

rein und nackt

und wieder, immer wieder

an den schwarm


doch irgendwann

in dieser ewigkeit

vielleicht erst in der nächsten

erkennst du

mich 



 – Marcus Sommerstange – 





website von Marcus Sommerstange:

https://vertextlicht.wordpresss.com