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Auktion



 – Ich biete mit, mir läuft der Schweiß

Es bietet laut mein Nebenmann

Der Auktionator nennt den Preis

Den ich noch grad so zahlen kann

 

Der Küchentisch von Pastor Luther

Verschollen war er lang gewesen

Auf diesem strich der Martin Butter

Und schrieb die 95 Thesen

 

Ansonsten war das Ding wohl echt

Und mein Gebot, das reichte glatt

Man nennt mich auch mit Fug und Recht

Den Fachmann, der den Durchblick hat

 

Ich schaut‘ ihn mir von unten an

Dann nahm das Drama seinen Lauf

Da klebte fest ein Zettel dran

«Bei Möbel Schulz ist Schlussverkauf»

 


 – Volker Teodorczyk – 





Bares für Rares



 – Nun kommen Sie, nur keine Scheu!

Wir prüfen ihre Kostbarkeiten

Schrott darf es sein, nur bloß nicht neu

Gerümpel aus den alten Zeiten

 

Ne, ist der schön, der Wormspanit

Welch ein Form, ach welch Gestalt!

Das Unterteil aus Grönlandsplit

Und wenn man reinspricht, wie das hallt!

 

Am Schnorf, jedoch am zweiten nur

Verwindet sich die Applisante

Von Abnutzung noch keine Spur

Das hebt den Preis ins Unbekannte

 

So, so, es ist aus Kurdistan

Vermutlich schon mal sandgestrahlt

Dem Drömmel fehlt ein Zahnradzahn

Die Wumpfe ist antik bemalt

 

Der Knörpel links ist angeklebt

Die Sickennut scheint perforiert

Ja, da hat Goethe noch gelebt

Seit damals nicht mehr glanzpoliert

 

Und die Kartusche scheint aus Lehm

Der Umpf aus Holz ist falsch montiert

Jedoch, es trägt sich sehr bequem

An Griffen, hölzern emailliert

 

Zum Preis, nun ja, da muss ich raten

Doch möchte ich nun ehrlich sein

Am besten nehmen Sie `nen Spaten

Und graben diesen Schrott tief ein!



 – Volker Teodorczyk –



 


Damals, im Ennigloher Dom


( Sonett )


Ich freute mich auf seine Krönungsfeier  

Der Chor, er pumpte rhythmisch Backen auf

Ließ dann den Tönen deformiert den Lauf

Auf der Empore grinsten Friedensgeier

 

Die Krone kam aus Blech und Silberdrähten

Hereingebracht von Pfarrers Haushaltsmagd

Und wie sie dann: „Hier is dat Dingen“, sagt

Hört man mich leise herzzerreißend beten

 

Kniescheiben schabten über kalte Stufen

Und Weihrauch küsste wärmend mein Gesicht

Ich fühlte Eisbefall an meinen Hufen

 

Das Krönchen strahlte frech im Sonnenlicht

Man schob ihn aus dem Dom, auf gold‘nen Kufen

Ihm war es recht, schon wegen seiner Gicht



 – Volker Teodorczyk –

 


 


Fremdenfeindlich?



 – Bin weder Schmied noch Leichtathlet

Bei jedem Lauf komm ich zu spät

Und Luftballons kann ich kaum tragen

Du darfst gern Schlappschwanz zu mir sagen

 

Und schäm‘ mich trotzdem nicht und esse

Nur fleischlos und am liebsten Kresse

Ich stochre gerne im Salat

Mit roter Beete, bissfest, zart

 

Wie liebe ich den Löwenzahn!

Schön angemacht, im Hungerwahn

Dazu noch Möhren, nur die schlanken

Das ist gesundes Kräftetanken

 

Was meine Lust noch mehr erregt

Ist frischer Spargel, selbst erlegt

Ach, wie’s beim Schälen lustig flutscht!

Als Nachtisch wird er nur gelutscht

 

Doch Steak vom Rind nach Gaucho Art

Bulgur Gerichte, fluffig zart

Cevapcici? Da geh ich laufen!

Doch Baklava, die würd‘ ich kaufen

 

Auch hass‘ ich Döner und auch Sushi

Couscous Salat von Nachbars Uschi

Zigeunerschnitzel, all den Mist

Doch bin ich deshalb ein Rassist?



 – Volker Teodorczyk –





Klare Anweisung



 – Der kleine Kerl, ach ist der nett!

Er kuschelt eng, herzallerliebst

Ein Söhnchen, was man gerne hätt‘

Wie lustig seine Stimme piepst

 

Er schmiegt sich an den großen Herrn

Zu ihm hat er wohl echt Bezug

Und ihn auch offensichtlich gern

Doch der hat erst einmal genug

 

«Ich mag dich sehr, ach Vati, du!»

Doch der spricht ernst, es ist kein Witz:

«Bis zu dem Gentest, hör gut zu

Nennst du mich weiterhin Herr Schmitz!»



 – Volker Teodorczyk –



 


Berühmt



 – Es balgen sich die Dichteliten

Im Forum um die Sternensaat

Doch das Erlagen von Meriten

Verhindert meist ein Wortsalat

 

Es gibt sie noch, die Edelgilde

Der talentierten Architekten

Der akkuraten Satzgebilde

Und auch des Witzes, des versteckten

 

Doch welch Poet kann von sich sagen

Ich bin im Lande wohl bekannt

Der Künstler wird an trüben Tagen

Nur Dichter Frühnebel genannt



 – Volker Teodorczyk –



 


Christgeburt



 – Könige sind auf dem Wege

Mit Kamelen, zu dem Kind

Raus aus diesem Tiergehege

Wo sie sonst zu Hause sind

 

Schleppen Gold und edle Pflanzen

Denn Geschenke sind ja Pflicht

Ach, man könnt vor Freude tanzen!

Die Kamele jedoch nicht

 

Die Gesäße der drei Herren

Sind vom Reiten schmerzhaft wund

Dass sie singen und nicht plärren

Liegt wohl an der heilgen Stund‘

 

Endlich da, nach langer Reise

Und ein Stern hat sie gelenkt

Schlichter Stall in Altbauweise

Doch hier wird die Welt beschenkt!

 

Alle Gäste jubilieren

Denn die Menschenschuld erlischt

Schuhe aus und gratulieren

Josefs Frau hat durchgewischt

 

Und dann steh’n sie vor der Krippe

Von dem zarten Christuskind

Schafe, Esel, auch die Hippe

Ach, wie alle glücklich sind!

 

Ja, es wird die Welt erlösen

Sünden tilgen, als wär’s Pflicht

Auch von diesen denkbar Bösen

Ich bin ehrlich, ich würd’s nicht!

 


 – Volker Teodorczyk –