März 07, 2026
Februar 01, 2026
Poesie
– Es ist gedankliches Entrücken,
Verlust an Haftung und an Halt.
Gleich einer bunten Traumkaskade
wird Wunsch zur festen Wirklichkeit,
gewinnt an Form und an Gestalt.
Welch wunderschöne Maskerade!
Und so wird man hineingezogen
in eine dichte Wörterwelt,
um wie betäubt dann zu verweilen,
gibt sich den Sätzen haltlos hin.
Dann fällt fast jeder wie bestellt
herein auf diese Macht der Zeilen.
Welch Poesie, welch sanfte Worte!
Und letzte Zweifel sind versiebt.
Ein Lebensborn statt einer Brache.
Kritik ist ihrer Macht beraubt.
Was sich noch vor die Sonne schiebt
verschwindet mit der Kraft der Sprache.
Doch wenn sie platzt, die zarte Blase,
Die schnell zur Träumerei verführt.
Dann schließen Wolkenkuckucksheime.
Sie ist enttarnt, die Illusion.
Der Leser wach, denkt irritiert:
Sie waren täuschend schön, die Reime!
– Volker Teodorczyk –
Januar 15, 2026
Anders
– Es hilft kein Leugnen und kein Lügen.
Ich muss mich der Bestimmung fügen.
Ja, ich mag Blut und selten Bier.
Ich bin ein einsamer Vampir.
Bei Kurzen sag ich selten nein.
Einsfünfzig sollten sie schon sein.
Und auch mein Sohn ist gut geraten.
Er übt schon mal an Fleischtomaten.
Und wirft sich dann in Beißerpose
Beim Lochen der Kondensmilchdose.
– Volker Teodorczyk –
Dezember 03, 2025
Moderne Beziehung
– Ein flaches Kästchen, schwarz lackiert
Das Vorderteil glänzt prächtig
Sie streicht es schnell, ganz ungeniert
Und manchmal auch bedächtig
Dann spricht sie in ein kleines Feld
Am Rande der Umrahmung
Wie zärtlich sie den Kasten hält
Ganz nah an der Umarmung
Aus einem unscheinbaren Schacht
Ertönen Liebesschwüre
Erstaunlich, was es mit ihr macht
Beziehungskuvertüre
Und auch das Auge wird beglückt
Ein Bild durchdringt den Äther
Es folgt der Sprache, wie verzückt!
Sofort und nicht erst später
Dann endet dieses Tête-à-Tête
Das körperlose Schmusen
Sie drückt das kleine Sprachgerät
Verliebt an ihren Busen …
– Volker Teodorczyk –
November 28, 2025
Winter
Oktober 27, 2025
Currywurstfinale
– Zwei, die noch im Rennen sind
Von der Schar der Masochisten
Zwei, von Tränenströmen blind
Gut betreut von Spezialisten
Das Finale zeigt brutal
Wer wird von den Feuerspeiern
Trotz des Brennens und der Qual
Letztlich seinen Sieg befeiern?
Für die letzte Hürde wird
Nochmals Würze nachgeladen
Und der erste Kämpfer spürt
Hinten einen Dichtungsschaden
Auch der zweite Held bemerkt
Nach den ersten kleinen Happen
Atemnot, die sich verstärkt
Fehlfunktion der Vorhofklappen
Hitzestau im Endkanal
Rote Flämmchen schlagen helle
Und in großer lauter Zahl
Über die Entsorgungsschwelle
Und das Ende nimmt Gestalt
Leiber, die sich schmerzvoll winden
Trotzdem wird der Sieger bald
Den Verdauungsrhythmus finden
– Volker Teodorczyk –
August 25, 2025
Hierarchie
– Noch liegt er auf der Ledercouch
wie Cäsar einst auf weichen Kissen
und auch sein Blick erinnert vage
an Saus und Braus in Rückenlage
die Dekadenz im müden Blick
gepaart mit träger Ignoranz
sorgt für die nötige Distanz
Doch plötzlich wird sie überbrückt
und mit geschmeidig glatten Gesten
gut einstudiert und Nähe suchend
schon fest ein Streichelmaß verbuchend
ist er mit Sprung und kurzem Satz
an seinem zweiten Lieblingsplatz
Es ist der Hausfrau Domizil
sie zelebriert mit großer Ruhe
das Öffnungsritual von Dosen
befüllt sein Schälchen, kurz liebkosen
das Fragen wird nun eingestellt
warum er sich ein Frauchen hält
– Volker Teodorczyk –
August 14, 2025
Verlässlich
– Ein Mann in Schwarz sitzt leicht versetzt
Zu einer Liegestätte
Letztendlich von ihr abgerückt
Verhält sich still wie es sich schickt
Gemäß der Etikette
Der Herr von magerer Gestalt
Macht sich verdeckt Notizen
Nimmt jede Regung merklich wahr
Streicht sich dezent durchs weiße Haar
Und seine Augen blitzen
Es wirkt, als warte er gezielt
Auf einen Wegbegleiter
Mit stoischer Gelassenheit
Für ihn gilt weder Raum noch Zeit
Sein Mienenspiel, fast heiter
Und mit dem letzten Atemzug
Erhebt sich auch der fremde Gast
Er sammelt sich, macht sich bereit
So stehen sie nun Seit‘ an Seit‘
Entfernen sich ganz ohne Hast
Wo geht es hin, wer kennt den Weg?
Wie lange geht die Reise?
Der dunkle Herr, er schweigt diskret
Nur er weiß, was im Fahrplan steht
Er lächelt mild und weise
Verlässlichkeit geht ihm voraus
Er kommt und geht in Stille
Ob unscheinbar, ob hoher Rang
Er geht mit dir den letzten Gang
Es bleibt nur deine Hülle
– Volker Teodorczyk –