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Mai 01, 2026



Weltraumintoleranz



 – nur zeitwurm

wurm und machtgedanke

immerzu ein

schrankenwart und achte

wurmzeit

wanke


Im Kopf tobt Leib

im Zeitvertreib erlischt

ein kleines Schlängeln

zerdreht sich frei

in Einverleib aus

Spiralenwurmlaibgängen



– ubertas –



👉  Interpretationsversuch:

 

Das Gedicht «Weltraumintoleranz» wirkt stark verdichtet, fragmentarisch und experimentell – typisch für moderne Lyrik, die weniger eine klare Geschichte erzählt als vielmehr Zustände, Spannungen und Assoziationen erzeugt. Eine eindeutige «richtige» Interpretation gibt es hier nicht, aber man kann einige zentrale Motive herausarbeiten.


Gleich zu Beginn fällt die Wortkombination «Zeitwurm» auf. Das erinnert an die Idee, dass Zeit nicht linear ist, sondern sich windet, krümmt oder «frisst». Der Wurm kann mehrere Bedeutungen haben: etwas Zersetzendes (wie ein Verfall der Zeit oder des Denkens), etwas sich Schlängelndes (eine nicht-lineare Zeitstruktur – ein Bild für das Innere, vielleicht auch das Unbewusste).

Der «Machtgedanke» daneben deutet darauf hin, dass Zeit und Kontrolle zusammenhängen könnten – vielleicht der Versuch, Zeit zu beherrschen oder ihr ausgeliefert zu sein.


Begriffe wie «Schrankenwart» und «wanke» bringen ein Gefühl von Kontrolle vs. Unsicherheit: Ein Schrankenwart überwacht Grenzen (Ordnung, Kontrolle) – «wanke» signalisiert Instabilität, Unsicherheit. Das Gedicht bewegt sich also zwischen dem Wunsch nach Struktur und einem Zustand des Schwankens oder Zerfalls.


«Im Kopf tobt Leib» ist eine starke Umkehrung. Normalerweise denkt man: Der Kopf kontrolliert den Körper – hier «tobt» der Leib im Kopf – körperliche Impulse, Emotionen oder Triebe übernehmen das Denken; das deutet auf einen inneren Konflikt hin, vielleicht zwischen Rationalität und Körperlichkeit.


Im zweiten Teil wird die Sprache noch dichter: «Schlängeln», «Spiralen», «Wurmlaibgänge» – alles kreisende, sich windende Bewegungen «zerdreht sich frei» – Zerstörung führt zu einer Art Befreiung, das könnte bedeuten: Identität oder Bewusstsein löst sich auf – Ordnung wird aufgebrochen und verwandelt sich in etwas Neues.


Der Titel «Weltraumintoleranz» wirkt fast wissenschaftlich oder ironisch. «Weltraum»: Unendlichkeit, Leere, Orientierungslosigkeit – «Intoleranz»: Unfähigkeit, damit umzugehen; zusammen könnte das heißen: Das lyrische Ich ist überfordert von Weite, Zeit oder Existenz selbst – oder unfähig, die Komplexität der Welt (oder des eigenen Inneren) zu «ertragen».


Gesamtdeutung

Das Gedicht scheint einen Zustand von innerer Zerrissenheit und Desorientierung darzustellen. Zeit, Körper und Bewusstsein vermischen sich, verlieren klare Grenzen und geraten in Bewegung. Es geht weniger um eine konkrete Handlung als um ein Gefühl: Kontrollverlust, Auflösung von Ordnung, gleichzeitige Suche nach Struktur. Die zahlreichen Wortneuschöpfungen verstärken das: Sprache selbst wird «instabil», so wie die Welt, die sie beschreibt.

 

 

April 10, 2026



Mondsatzbibliothek/Exosphäre 
im Rucksack (für w.)



 – Ein Leben fliegt


Als Leichtgewicht


Mit luftgestimmten Saiten

Trifft es den Erdbegleiter



– Ubertas –



April 06, 2026



subtraktion der engel



 – es weht dich

durch die kirchenschiffe


voraus

geht dir mondgeleit


um hörner der altäre

schlängelnd

ein abziehbild


legst du dich

ins blumenweiß


ein licht

geht an

ein licht

verlischt dich


ein falter

noch

im flügelschlag



– ubertas –



👉  Interpretationsversuch:

Das Gedicht beschreibt einen Menschen, der sich wie in einem Traum oder in einer anderen Welt bewegt. Er wird nicht selbst aktiv, sondern «wird geweht» – also von etwas Unsichtbarem geführt. Der Ort wirkt wie eine Kirche, was auf etwas Religiöses oder auf den Tod hinweisen kann. Der Mond begleitet den Weg. Das Licht des Mondes ist aber kein echtes Licht, sondern nur ein Spiegelbild. Das zeigt: Alles wirkt etwas unwirklich oder wie eine Illusion.

Später legt sich die Person «ins Blumenweiß». Das kann an Blumen bei einer Beerdigung erinnern. Es könnte also bedeuten, dass die Person stirbt oder sich dem Tod nähert.

Dann kommt ein wichtiges Bild: Ein Licht geht an, aber dieses Licht «löscht» den Menschen aus. Das heißt, das Licht steht hier nicht für Leben, sondern eher dafür, dass das Ich verschwindet.

Am Ende bleibt nur noch ein «Falter im Flügelschlag». Der Falter (Schmetterling) ist ein Symbol für die Seele und für Vergänglichkeit. Das «noch» zeigt, dass nur ein letzter Rest von Leben oder Bewegung da ist.

 «Subtraktion der Engel» handelt wahrscheinlich vom Sterben oder vom Verschwinden des eigenen Ichs. Es zeigt diesen Moment ruhig und in schönen, aber auch etwas unheimlichen Bildern.


März 22, 2026

 


regenspiel



 – du bist mir regen

regen war ich

dort ein name

doch ich höre dich


du bist mir regen

wolke war ich

dort ein name trüben

doch ich sehe dich


du bist mir regen

war ich

dort name bogen

doch ich scheine mich


an mir

prasselnd

pochend

fallend


bin ich dir regen

bist du

hier ein rauschen

mich noch hörend mich


bin ich dir regen

unverstellt

hier name siegen

mir nach


bin ich dir regen

log ich fort

dort dein name

bin ich dich


im nacken wirft sich

regen

du streckst mich

leicht nach hinten


im fallen

küsst du



 – ubertas –




👉  Interpretationsversuch:

«regenspiel» beschreibt eine intensive Beziehung zwischen zwei Personen, in der sich beide gegenseitig beeinflussen und verändern. Der immer wiederkehrende Begriff «Regen» dient als zentrales Symbol für Gefühle, Nähe und Vergänglichkeit.
Das lyrische Ich erlebt sich selbst nicht als fest, sondern als wandelbar (regen war ichwolke war ich). Diese Veränderungen zeigen, dass die eigene Identität stark von der Beziehung zur anderen Person abhängt. Gleichzeitig wird deutlich, dass Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielt (ich höre dich, ich sehe dich): Beide versuchen, sich gegenseitig zu erfassen und zu verstehen. Die Sprache ist dabei fragmentarisch und teilweise unvollständig, was die Unsicherheit und emotionale Bewegung innerhalb der Beziehung widerspiegelt. Gegen Ende wird die Darstellung körperlicher und intensiver (prasselnd, pochend), bis sie in einer intimen Szene (im fallen / küsst du) ihren Höhepunkt findet.

Insgesamt zeigt das Gedicht eine Beziehung, die von Nähe, Wandel und einem teilweisen Verlust klarer Grenzen zwischen Ich und Du geprägt ist.



März 02, 2026



Rauch



 – Im Keller sitzen

Geister.


Im Kamin

steigen sie auf.


Tapeten halten sie verdeckt.


Im Windfang

faulen sie

zur Begrüßung.


Im letzten Stock

weinen sie

aus grünen Wänden.


Auf dem Dach

brennen

ungetragene Flügel.



– ubertas –



Februar 24, 2026



Girlanden



 – So sind wir noch in Teilen

In Lichtern dieser Stadt

Wo einst wir noch verweilen

Hinaus

Trägt uns ein Wunder

Unbekannt und matt

Wie auf wie auf 

Wenn nichts mehr lüge

Als füge

Unser einer statt

So sind wir nicht mehr Teile


Nur lichternd in der Stadt



– ubertas –



Februar 07, 2026



Volk im Wind



 – Ich trage dich aus,

Sturm.


Kein Blatt von mir

will weiter fallen.


Ich zähle dich an,

Sturm.


Keine Ader von mir

schlägt in deinen Schneisen nach.


Ich fege dich ein,

Sturm.


In mir

wirst du

Kronen.



– ubertas –