Posts mit dem Label Önder Özkan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Önder Özkan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Februar 23, 2026



Stadtmomente



 – Dächer tragen

die kühle Nacht

und in den Häusern

wächst langsam Wärme,

als würde irgendwo jemand

zum ersten Mal

an Hoffnung denken.


Auf den Straßen

nur einzelne Schritte,

jedes Leben ein leiser Strom,

der nicht weiß, wohin er fließt,

und trotzdem weitergeht.


Ein Fenster öffnet sich,

und mit ihm

ein leiser Klang von Geschirr,

ein Husten, dann ein Lachen.

Der Mann pustet

den blauen Dunst

zu den neugeborenen Sternen,

die wie ein Versprechen

in die Dunkelheit leuchten.

Die Frau küsst seine Schulter.

Ihre Hand ruht,

gleich einer Feder,

auf seinem Nacken.


Die Luft trägt den Geruch

von etwas Unausgesprochenem,

das in den Gassen bleibt,

als wüsste es,

dass jeder Tag neu beginnt

und doch niemals

ganz von vorn.



– Önder Özkan –



Februar 11, 2026



Die stille Verschiebung der Welt



 – Ich trage den Morgen

wie eine Frage in den Händen.

Noch ist er kühl,

noch weiß er nicht,

welches Licht er werden will.


Die Zeit geht barfuß

durch meine Gedanken,

sie hinterlässt keine Spuren,

nur ein leises Verschieben

der Dinge, die ich sicher glaubte.


Ein Vogel hält inne

zwischen zwei Flügelschlägen.

In diesem Augenblick

passt die ganze Welt

in ein ungesagtes Wort.


Ich lerne,

dem Unfertigen zu vertrauen.

Dem Zittern vor dem Mut.

Dem Atem vor der Entscheidung.


Und irgendwo,

ohne Namen und ohne Ziel,

beginnt etwas in mir

zu bleiben.



– Önder Özkan –



Februar 04, 2026



An der Schwelle 

des Morgens



 – Du stehst an der Schwelle des Morgens,

das Licht kennt deinen Namen noch nicht.

Die Zeit atmet langsam

unter deinen Füßen.


In deinen Augen liegt ein fernes Meer,

wellenlos, aber tief.

Eine Stille,

die niemand berührt hat.


Dein Herz ist wie ein altes Haus,

dessen Fenster offen geblieben sind.

Der Wind tritt ein

und hebt die Vergangenheit

behutsam aus ihrer Ruhe.


Du sprichst ein Wort,

schwerer als seine Bedeutung.

Es bleibt in der Luft

und verschwindet dann,

ohne eine Spur zu hinterlassen.


Als der Abend näherkommt,

werden die Schatten länger,

Du bleibst an deinem Ort,

mit der bloßen Existenz.


Und die Welt,

selbst wenn sie dich nicht bemerkt,

wird durch dich

still vervollständigt.



– Önder Özkan –



Januar 27, 2026



etwas von dir



 – der Morgen tastet sich

über den Fluss

ein dünner Nebel

lernt das Licht


ein Vogel löst sich

aus dem Schweigen

sein Flügelschlag

schreibt Kreise

in die Luft


das neue Blatt erblickt

den ersten Tag

es weiß nichts

vom Ziel

nur vom Jetzt


das Wasser vergisst

seinen Namen

es trägt den Himmel

im Vorübergehen davon


in jeder Bewegung

finde ich etwas von dir



– Önder Özkan –



Januar 12, 2026



in jedem Kristall



 schau

ich stehe wieder

auf unserer Brücke

Enten in den eisigen Fluten


eine Schneeflocke

verirrt sich auf meine Hand

sie hinterlässt

drei winzige Wassertropfen

in jedem

ist die Sonne versteckt


schau

an manchen Stellen

hält sich der Schnee

nicht auf den Ästen

schwache Böen

stoßen ihn in die Tiefe

er zerfällt zu Staub


in jedem Kristall

ist dein Name



– Önder Özkan –



Oktober 11, 2025



Dokunuş / Berührung



Gökyüzü ağır bir sessizlikle

iner dağların üzerine.


Rüzgâr unuttuğum bir şarkının

izlerini taşır.


Hiçbir şiir

akşamın kızıllığını

anlatamaz.


Bir çocuğun bakışı kadar berrak

ve bir annenin kolları kadar

yorgundur zaman.


Sana dokununca

sanki hayat bütün sırlarını

ellerimde açıklar.





Der Himmel sinkt

mit einer schweren Stille

auf die Berge.


Wind trägt

die Spuren eines Liedes,

das ich vergessen hatte.


Kein Gedicht wird

dem Rot des Abends

gerecht.


So klar

wie der Blick eines Kindes

und so müde

wie die Arme einer Mutter

ist die Zeit.


Wenn ich dich berühre

entblättert sich

das Geheimnis des Lebens

in meinen Händen.



– Önder Özkan –