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März 20, 2026



manchmal wünsche ich mir


 – manchmal wünsche ich mir

du sprichst meine Gedanken aus

während deine Stille

mich begleitet


und zwischen uns

nur der Raum bleibt

in dem alles verstanden wird


manchmal wünsche ich mir

den Regen zurück

der uns überraschte


und wir lachten

ohne zu wissen

dass dieser Moment

einmal fehlen würde



– Önder Özkan –



März 11, 2026



Das Wesen der Zeit



 – Die Zeit kommt nicht.

Sie ist schon da,

wie Licht in einem geschlossenen Raum,

das auch dann existiert,

wenn niemand es betrachtet.


Sie hat kein Gesicht

und trägt doch alle Züge.

In ihren unsichtbaren Händen

liegen die ersten Schreie

und die letzten Atemzüge

wie zwei Seiten derselben Bewegung.


Zeit ist kein Fluss.

Sie ist das Gefälle,

das uns zwingt zu fließen.

Kein Ticken,

sondern das leise Nachgeben der Dinge,

wenn sie sich verwandeln,

wenn sie vergehen.


Sie wohnt im Staub auf alten Büchern,

im warmen Geruch von Sommerregen,

in der kaum merklichen Veränderung

einer vertrauten Stimme.

Sie arbeitet ohne Eile

und ohne Unterlass.


Man kann sie nicht halten,

doch sie hält uns

in der Spannung zwischen

Erinnerung und Erwartung,

zwischen dem, was war,

und dem, was noch keinen Namen trägt.


Vielleicht ist sie nichts anderes

als die Art,

wie das Universum atmet.

Ein Ausdehnen.

Ein Zusammenziehen.

Ein Rhythmus ohne Absicht.


Und wir,

für einen Augenblick bewusst,

nennen diesen Rhythmus

Leben.



– Önder Özkan –



Februar 23, 2026



Stadtmomente



 – Dächer tragen

die kühle Nacht

und in den Häusern

wächst langsam Wärme,

als würde irgendwo jemand

zum ersten Mal

an Hoffnung denken.


Auf den Straßen

nur einzelne Schritte,

jedes Leben ein leiser Strom,

der nicht weiß, wohin er fließt,

und trotzdem weitergeht.


Ein Fenster öffnet sich,

und mit ihm

ein leiser Klang von Geschirr,

ein Husten, dann ein Lachen.

Der Mann pustet

den blauen Dunst

zu den neugeborenen Sternen,

die wie ein Versprechen

in die Dunkelheit leuchten.

Die Frau küsst seine Schulter.

Ihre Hand ruht,

gleich einer Feder,

auf seinem Nacken.


Die Luft trägt den Geruch

von etwas Unausgesprochenem,

das in den Gassen bleibt,

als wüsste es,

dass jeder Tag neu beginnt

und doch niemals

ganz von vorn.



– Önder Özkan –



Februar 11, 2026



Die stille Verschiebung der Welt



 – Ich trage den Morgen

wie eine Frage in den Händen.

Noch ist er kühl,

noch weiß er nicht,

welches Licht er werden will.


Die Zeit geht barfuß

durch meine Gedanken,

sie hinterlässt keine Spuren,

nur ein leises Verschieben

der Dinge, die ich sicher glaubte.


Ein Vogel hält inne

zwischen zwei Flügelschlägen.

In diesem Augenblick

passt die ganze Welt

in ein ungesagtes Wort.


Ich lerne,

dem Unfertigen zu vertrauen.

Dem Zittern vor dem Mut.

Dem Atem vor der Entscheidung.


Und irgendwo,

ohne Namen und ohne Ziel,

beginnt etwas in mir

zu bleiben.



– Önder Özkan –



Februar 04, 2026



An der Schwelle 

des Morgens



 – Du stehst an der Schwelle des Morgens,

das Licht kennt deinen Namen noch nicht.

Die Zeit atmet langsam

unter deinen Füßen.


In deinen Augen liegt ein fernes Meer,

wellenlos, aber tief.

Eine Stille,

die niemand berührt hat.


Dein Herz ist wie ein altes Haus,

dessen Fenster offen geblieben sind.

Der Wind tritt ein

und hebt die Vergangenheit

behutsam aus ihrer Ruhe.


Du sprichst ein Wort,

schwerer als seine Bedeutung.

Es bleibt in der Luft

und verschwindet dann,

ohne eine Spur zu hinterlassen.


Als der Abend näherkommt,

werden die Schatten länger,

Du bleibst an deinem Ort,

mit der bloßen Existenz.


Und die Welt,

selbst wenn sie dich nicht bemerkt,

wird durch dich

still vervollständigt.



– Önder Özkan –



Januar 27, 2026



etwas von dir



 – der Morgen tastet sich

über den Fluss

ein dünner Nebel

lernt das Licht


ein Vogel löst sich

aus dem Schweigen

sein Flügelschlag

schreibt Kreise

in die Luft


das neue Blatt erblickt

den ersten Tag

es weiß nichts

vom Ziel

nur vom Jetzt


das Wasser vergisst

seinen Namen

es trägt den Himmel

im Vorübergehen davon


in jeder Bewegung

finde ich etwas von dir



– Önder Özkan –