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Februar 14, 2026



Wo die Liebe hinfällt



 – Die Liebe wollte durch den Magen,

doch sie verlor sich im Gewühl

der vielen Dinge, die dort lagen

und blieb ein bloßes Bauchgefühl.


Drauf wollte sie im Herzen wohnen.

Das brannte plötzlich lichterloh,

worauf sie, statt dort lang zu thronen,

aus dieser Mördergrube floh.


Nun schleicht sie zwischen grauen Zellen,

in die sie ganz verstohlen linst,

und bleibt, im Dunkeln wie im Hellen,

nichts weiter als – ein Hirngespinst.



– Cornelius –



Januar 30, 2026



Dies irae



 – Es donnert, die Posaunen schallen.

Ein Schweifstern fällt vom Firmament.

In Flammen stehn des Himmels Hallen.

Es blitzt, die Atmosphäre brennt.


Der Lauf der Zeit ist abgeschlossen.

Das Weltmeer siedet, braust und zischt.

Zum Mond, vom Blutstrom überflossen,

hinauf zur Sonne sprüht die Gischt.


Beim Toben der Naturgewalten,

im Glanz des kalten Himmelslichts,

wird heute Weltgericht gehalten.

Danach versinkt das All ins Nichts.


Die Gräber jeder Erdenzone

beginnen Tote auszuspein.

Gleich wie Milliarden Xylophone,

so klappert schaurig ihr Gebein.


Die Seele wirft man in die Waage,

und fehlt auch nur das letzte Gramm:

Schon stürzt sie mit gedehnter Klage

in bodenlose Höllenklamm.


Im Norden, Süden, Westen, Osten,

da brodelt heute das Gericht.

Ein jeder Mensch muss davon kosten,

es mundet manchem Gaumen nicht.


Der Wind weht schweflige Gerüche.

Die Welt hat sich ins Ziel geschleppt.

Wers glaubt, der kommt in Teufels Küche

und steht dort ohne Kochrezept ...



– Cornelius (aus der Schublade) –



Januar 02, 2026



Warum der Elefant 

einen Rüssel hat 


(Märchen aus Botswana)



 – Der Elefant betrat die Bühne

der Schöpfung schon als grauer Hüne,

allein: Sein wohlbekannter Rüssel,

der stets bereite Allzweckschlüssel

für alles unterm Brotbaumwipfel,

war anfangs nur ein kurzer Zipfel.


Einst streifte eine kleine Herde

auf der noch jugendfrischen Erde

durch staubiges Savannenland,

wo sich zum Glück ein Tümpel fand.

Sie knieten tief, um mit den Lippen

vom heiß ersehnten Nass zu nippen.


Ein Bulle in den Flegeljahren,

verträumt und etwas unerfahren,

sah sich zu Rast und Ruh bewogen,

als schon die Alten weiterzogen.

Der Kleine ist im Sonnenschein

an diesem Tümpel nicht allein.


Ein eingetauchtes Krokodil

erwählt sich diesen Gast zum Ziel.

Es schnellt hervor wie von der Wippe,

verbeißt sich in erwähnte Lippe,

lässt ihren Träger nicht entfliehen

und will ihn unter Wasser ziehen.


Die Panzerechse zurrt und zerrt,

jedoch: Der junge Streuner sperrt

sich tapfer und behält die Stellung.

Wohl spürt er schon den Schmerz der Schwellung -

da löst die Echse ihre Kiefer.

(Die Sonne steht schon deutlich tiefer.)


Was ihm der Wasserspiegel zeigt,

als er das Haupt erleichtert neigt,

das lässt ihn freilich jäh erschrecken

und sich im Dorngebüsch verstecken:

Sein Mundwerk baumelt bis zum Bauch

gleich einem alten Gartenschlauch.


So umgestaltet, will er heute,

nein: niemals wieder unter Leute.

Sein Anhang, Wurzel dieser Nöte,

erglüht in tiefer Schamesröte,

doch ist er keineswegs erschlafft:

Durch ihn strömt ungeahnte Kraft.


Im kleinen Dickkopf reift sogleich

der Plan zu einem kühnen Streich:

Mit diesem Werkzeug mag es glücken,

das Affenbrot vom Baum zu pflücken,

dort, wo der Webervogel singt.

Ein kurzer Schwung - der Griff gelingt.


Die süßen, hoch gehängten Früchte,

bislang für Jumbos nur Gerüchte,

sind mit dem Rüssel zu beschleichen

und ohne Mühe zu erreichen.

Selbst Leckereien in entfernten

Geästen weiß er so zu ernten.


Derart getröstet, wird die Nacht

in sanftem Schlummer zugebracht.

Sein Status bleibt am neuen Morgen

den Seinen freilich nicht verborgen.

Auch wenn man ihn fürs Erste meidet -

er wird doch insgeheim beneidet.


Darauf erzählt er ohne Scham,

wie er zu seinem Rüssel kam.

Der Abend naht, und zu den Teichen

sieht man die Elefanten schleichen,

um dort Geheimes zu verrichten.

Das Krokodil schiebt Sonderschichten …



– Cornelius –



Dezember 28, 2025


 

Tauwetter



 – Heimlich, kurz vor Mitternacht,

lud der Himmel weiße Fracht

auf frisierte Buchsbaumhecken,

küsste triste Straßenecken.


Heute lutscht man Weihnachtskrapfen,

muss durch braune Sülze stapfen,

und aus leeren Krähennestern

tröpfelt sacht der Schnee von gestern ...



 – Cornelius –



Dezember 25, 2025



Fachliteratur



 – An meine Pforte pocht, welch seltner Segen,

ein Handwerksmann, um Fliesen zu verlegen.

Trotz hageldichter Folge von Terminen

ist der Begehrte hier bei mir erschienen.


Ein knappes Stündchen weilt er nun im Hause,

da naht auch schon die Zeit der Mittagspause.

Er schiebt sich einen Burger in die Fresse

und blättert in der Regenbogenpresse.


Ein Rundblick lehrt mich: Seine Kompetenzen

bewegen sich in eng gesteckten Grenzen.

Ich sage, denn ich bin von sanftem Wesen:

«Sie sollten mal Die Kunst der Fuge lesen.»



– Cornelius –



Dezember 20, 2025



Auf Kollisionskurs



 – Ein Mensch, der sich Gedanken machte

und einmal um die Ecke dachte,

bekam fürs Leben einen Schreck,

denn sein Gedanke stieß ums Eck


mit einem anderen zusammen.

Es blieb zum Glück bei leichten Schrammen.

Der Denker dachte außer Haus

von da an stets geradeaus.



– Cornelius