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Januar 02, 2026



Warum der Elefant 

einen Rüssel hat 


(Märchen aus Botswana)



 – Der Elefant betrat die Bühne

der Schöpfung schon als grauer Hüne,

allein: Sein wohlbekannter Rüssel,

der stets bereite Allzweckschlüssel

für alles unterm Brotbaumwipfel,

war anfangs nur ein kurzer Zipfel.


Einst streifte eine kleine Herde

auf der noch jugendfrischen Erde

durch staubiges Savannenland,

wo sich zum Glück ein Tümpel fand.

Sie knieten tief, um mit den Lippen

vom heiß ersehnten Nass zu nippen.


Ein Bulle in den Flegeljahren,

verträumt und etwas unerfahren,

sah sich zu Rast und Ruh bewogen,

als schon die Alten weiterzogen.

Der Kleine ist im Sonnenschein

an diesem Tümpel nicht allein.


Ein eingetauchtes Krokodil

erwählt sich diesen Gast zum Ziel.

Es schnellt hervor wie von der Wippe,

verbeißt sich in erwähnte Lippe,

lässt ihren Träger nicht entfliehen

und will ihn unter Wasser ziehen.


Die Panzerechse zurrt und zerrt,

jedoch: Der junge Streuner sperrt

sich tapfer und behält die Stellung.

Wohl spürt er schon den Schmerz der Schwellung -

da löst die Echse ihre Kiefer.

(Die Sonne steht schon deutlich tiefer.)


Was ihm der Wasserspiegel zeigt,

als er das Haupt erleichtert neigt,

das lässt ihn freilich jäh erschrecken

und sich im Dorngebüsch verstecken:

Sein Mundwerk baumelt bis zum Bauch

gleich einem alten Gartenschlauch.


So umgestaltet, will er heute,

nein: niemals wieder unter Leute.

Sein Anhang, Wurzel dieser Nöte,

erglüht in tiefer Schamesröte,

doch ist er keineswegs erschlafft:

Durch ihn strömt ungeahnte Kraft.


Im kleinen Dickkopf reift sogleich

der Plan zu einem kühnen Streich:

Mit diesem Werkzeug mag es glücken,

das Affenbrot vom Baum zu pflücken,

dort, wo der Webervogel singt.

Ein kurzer Schwung - der Griff gelingt.


Die süßen, hoch gehängten Früchte,

bislang für Jumbos nur Gerüchte,

sind mit dem Rüssel zu beschleichen

und ohne Mühe zu erreichen.

Selbst Leckereien in entfernten

Geästen weiß er so zu ernten.


Derart getröstet, wird die Nacht

in sanftem Schlummer zugebracht.

Sein Status bleibt am neuen Morgen

den Seinen freilich nicht verborgen.

Auch wenn man ihn fürs Erste meidet -

er wird doch insgeheim beneidet.


Darauf erzählt er ohne Scham,

wie er zu seinem Rüssel kam.

Der Abend naht, und zu den Teichen

sieht man die Elefanten schleichen,

um dort Geheimes zu verrichten.

Das Krokodil schiebt Sonderschichten …



– Cornelius –



Dezember 28, 2025


 

Tauwetter



 – Heimlich, kurz vor Mitternacht,

lud der Himmel weiße Fracht

auf frisierte Buchsbaumhecken,

küsste triste Straßenecken.


Heute lutscht man Weihnachtskrapfen,

muss durch braune Sülze stapfen,

und aus leeren Krähennestern

tröpfelt sacht der Schnee von gestern ...



 – Cornelius –



Dezember 25, 2025



Fachliteratur



 – An meine Pforte pocht, welch seltner Segen,

ein Handwerksmann, um Fliesen zu verlegen.

Trotz hageldichter Folge von Terminen

ist der Begehrte hier bei mir erschienen.


Ein knappes Stündchen weilt er nun im Hause,

da naht auch schon die Zeit der Mittagspause.

Er schiebt sich einen Burger in die Fresse

und blättert in der Regenbogenpresse.


Ein Rundblick lehrt mich: Seine Kompetenzen

bewegen sich in eng gesteckten Grenzen.

Ich sage, denn ich bin von sanftem Wesen:

«Sie sollten mal Die Kunst der Fuge lesen.»



– Cornelius –



Dezember 20, 2025



Auf Kollisionskurs



 – Ein Mensch, der sich Gedanken machte

und einmal um die Ecke dachte,

bekam fürs Leben einen Schreck,

denn sein Gedanke stieß ums Eck


mit einem anderen zusammen.

Es blieb zum Glück bei leichten Schrammen.

Der Denker dachte außer Haus

von da an stets geradeaus.



– Cornelius  



Dezember 07, 2025



Gelegenheitskomposition



 – Still vergnügt entnahm ein Mensch

einer Truhe Lam und Pensch,

fügte hintendran ein Irm –

fertig war der Lampenschirm.



– Cornelius –



Dezember 06, 2025





Der Wombat


 – Vom Wind gestreichelt liegt die Myrtenheide.

Ein Wombat müht sich, den Bewuchs an Halmen

mit muskulösen Kiefern zu zermalmen.

Ein Kerbtier summt. Die Luft ist weich wie Seide.


So weidet er versonnen, rupft und mümmelt.

Sodann beginnt im dunklen Darmgetriebe

versteckt das peristaltische Geschiebe,

wobei er scheinbar faul im Grase lümmelt.


Es geht hier freilich nicht allein ums Fressen.

Das Eingebrachte gilt es zu verwerten

und in ein praktisches Quadrat zu pressen.


Der Leierschwanz lässt fern sein Lied erschallen.

Wo wären jene, die noch mehr begehrten?

Ein kurzer Druck. Die Würfel sind gefallen.



– Cornelius –



November 20, 2025



Ein Tag 

wie viele andere



 – Ich prüfe mich auf Herz und Nieren:

Was treibe ich (die Wahl fällt schwer),

um diesen Tag zu zelebrieren,

als graute mir kein Morgen mehr?


Den Pulli mit dem Frack vertauschen

zwecks Eintritt in den Musensaal

und weihevollen Klängen lauschen,

fünf Stunden lang im "Parsifal"?


Man könnte freilich beim Spazieren

im feierlichen Fichtendom

die Stunden mit Gewinn verlieren.

Ein Trampelpfad führt auch nach Rom.


Mir schwant: Am Ende dieses Tages

verweile ich in meinem Bau

als Stammgast des Ein-Mann-Gelages

im Flimmerschein der Tagesschau.


Und schleicht ein Schatten durch die Gassen,

so ist es wohl Gevatter Hein.

Ich will mich gerne finden lassen,

nur schaut er nicht bei mir herein.



– Cornelius –