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Mai 18, 2026



Das Schnabeltier




(Bild Wikipedia)



– Was hat der liebe Gott gedacht

in seinem Schöpferwahn,

als er das Schnabeltier gemacht?

Es paddelt seine Bahn

 

in manchem trägen Dschungelfluss

im Antipodenland

und ist nach Gottes weisem Schluss

nur mit sich selbst verwandt,

 

entschlüpft der Ente gleich dem Ei,

bloß harmoniert nicht ganz

sein Entenschnabelkonterfei

mit seinem Biberschwanz.

 

Ein Fersensporn mit Kobragift

zählt auch zum Arsenal.

Ein Feind, den dieser Stachel trifft,

empfindet Todesqual.

 

Es nähme gern den Schnabel voll,

doch leider bleibt es stumm.

Das findet es so semitoll.

Es wüsste gern, warum.



– Cornelius –

Mai 02, 2026



Schwäbische R(h)apsodie




 – Aus einem Haus in Balderschwang

erscholl melodischer Gesang.


Dort tanzte eine Frau und lachte,

nachdem sie sich zur Witwe machte.


Es gibt ja häusliche Gewalten,

die leicht Persönlichkeiten spalten.


So ging es ihrem Herrn Gemahl:

Ihn traf die Axt aus Edelstahl.


Die Dame trank ein Gläschen Schnaps,

gebrannt aus selbst gepflücktem Raps


und las (ihr Herz schlug laut im Takt)

das Kleingedruckte im Kontrakt,


worauf sie das Ersparte zählte

und «Ehegattensplitting» wählte …



– Cornelius –



April 16, 2026

 


Kuckuck …



 – Ein Tagblatt titelt: «Liebe Leser

an Elbe, Mosel, Rhein und Weser!

Der Lenz beginnt nun seinen Lauf.

Wir fordern euch zum Dichten auf:


Vier Zeilen schickt uns, reimgebunden,

die schnörkellos und unumwunden

dem Kuckuck zugeeignet seien

und seinem heuer ersten Schreien.


Ergreift die Chance gleich beim Schopf!

Dem Sieger winkt ein Blumentopf.»

Die Resonanz, sie war gewaltig,

das Resultat recht vielgestaltig.


Nach angemessen kurzer Zeit

war jene Redaktion bereit

(obschon mit leichtem Wimpernzucken),

die folgenden «Top 5» zu drucken:


«Der Buntspecht lässt sein Ticktock hören,

die Meise singt ihr Zizidäh,

der Zeisig zwitschert in den Föhren,

doch ohne Kuckuck fehlt der Schmäh!»


*


«Ich blas auf meiner Klarinette

mit jedem Kuckuck um die Wette.

Wie hüpft beim Klang der kleinen Terz

mein altes Vogelfreunde-Herz!»


*


«So mancher kleinkarierte Motzer

beschimpft ihn wohl als Brutschmarotzer,

doch alle Schmähungen erlahmen,

ruft uns der Kuckuck seinen Namen!»


*


«Was treibt mich an, mich aufzurappeln

zum Wandern unter grünen Pappeln,

beschnürschuht und spazierbestockt?

Es ist der Kuckuck, der mich lockt!»


*


«Der Hund liegt träge hinterm Ofen.

Ihn lockt kein Frühlingslied zum Schwofen,

weil so ein Lied erst richtig groovt,

wenn mittendrin der Kuckuck ruft!»


*


Darunter, etwas eingerückt,

stand, durch kursive Schrift geschmückt:

«Wir danken allen für ihr Streben.

Es wird kein erster Preis vergeben.»



– Cornelius –



April 09, 2026

 


Träumerei



 – Leise rauschen Meereswellen

an den blütenweißen Strand

einer Insel der Seychellen,

wo ich meine Ruhe fand.


Schaukelnd in der Hängematte

liege ich, wie Gott mich schuf.

Aus der Ferne dringt durchs satte

Palmengrün ein Vogelruf,


scheint mich in den Wald zu locken,

wo die süße Feige reift.

Sorgen sind gleich Baumwollsocken

unauffindbar abgestreift.


Hoch vom Orchideenhügel

weht ein seidenweicher Hauch

sanft um meine Nasenflügel.

- Was ist das? Ein scharfer Rauch


beißt in meine Augenlider

und erstickt die Träumerei.

Unverhofft umgibt mich wieder

graues Großstadt-Einerlei


und ich sehe statt der Palmen

- ach, mein Wahn zerstob verfrüht -

nur den Ventilator qualmen,

welcher grüne Funken sprüht.


Weggerissen ist der Schleier,

Alltag nimmt mich in Besitz.

Nur der vogelwilde Schreier

bleibt im Bilde: Nachbars Fritz ...



– Cornelius –



März 31, 2026



Okapi auf Abwegen



 – Am Fuße des Merapi

steht einsam ein Okapi,

von Dschungelgrün umrahmt.

Sein rechter Schenkel lahmt


vom unentwegten Wandern.

«Wo sind denn nur die andern?

Wo steckt der scheue Bongo,

mein Kumpel aus dem Kongo?»


Es war auch, leicht benommen,

ein Stück durchs Meer geschwommen,

blickt nun auf kalte Lava.

«Willkommen hier auf Java!»


verkündet ihm ein Schild.

Da ist das Tier im Bild

und seufzt mit tiefem Bangen:

«Ich bin zu weit gegangen …»



– Cornelius –

März 23, 2026



Allerwelts-Limericks



Das Technikmuseum in Boston

vergab einen Nachtwächterposten.

Den Weg zur Toilette

versperrt eine Kette,

weshalb nun Metallteile rosten.

 

*

 

Ein Freizeitathlet aus Jaunde

verbrannte im Busch seine Pfunde.

Das Hemd frisch gebügelt,

so lief er, beflügelt

von Löwengebrüll, eine Runde.

 

*

 

Ein zweifelnder Mönch aus Mombasa

befand: «Ich mach Tabula Rasa!»

Er schloss sein Brevier,

trank rasch noch ein Bier

und arbeitet jetzt für die NASA.

 

*

 

Geflüster im Beichtstuhl in Lüttich:

«Vergebung für Sünden erbütt ich!

Doch trink ich mit Stil

und niemals zu viel.

Das meiste, Hochwürden, verschütt ich.»

 

*

 

Ein Goldkehlchen aus Okinawa

spuckt Töne wie flüssige Lava.

Meist schafft die Verehrte

nur Näherungswerte,

doch trifft sie mal, jubelt man: «Brava!»

 

*

 

Ein Bastler aus Nuku'alofa

frisierte sein klappriges Mofa.

Zuerst ritt er cool

den feurigen Stuhl.

Nun liegt er lädiert auf dem Sofa.

 

*

 

Ein Forscher am südlichen Pol

isst täglich gedünsteten Kohl.

Er sagt mit Genuss:

«Das hält mich in Schuss!»

Doch klopft er ans Stirnbein, klingts hohl.



– Cornelius –