Posts mit dem Label Cornelius werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Cornelius werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

August 06, 2026



Hundstage


( Sonett )



 – Verstreut liegt blondes Heu, gepresst zu Quadern,

wie Würfelspiel betrunkener Zyklopen.

Der Wind, ein Gruß aus fern gewünschten Tropen,

strömt heißer als das Blut in meinen Adern.


Was hilft es, mit der Jahreszeit zu hadern?

Wer kann, der flüchtet in die West-Rhodopen.

- Die Grille singt in schwebenden Synkopen,

von  «schöner Zeit» mag mancher Narr salbadern.


Am Badesee, der täglich mehr verlandet,

ist pünktlich, um das Sommerloch zu stopfen,

ein kapitaler Riesenwels gestrandet.


Ein Trost ergrünt: Wie Unkraut rankt der Hopfen,

und bald schon wartet, farbenfroh gewandet,

der Herbst vor unsrer Tür, um anzuklopfen.



– Cornelius –



August 02, 2026



Hummelflug



 – Melodisch grüßt ein Finkenschlag

im Zoo Berlin den jungen Tag.

Am Eingang, unweit vom Gorilla,

steht stolz die Direktorenvilla.


Der Hausherr, noch im Morgenrock,

greift wohlgemut zum Wanderstock,

um seine Runde zu beginnen

und über Manches nachzusinnen.


Auf lichten dreiunddreißig Hektar

enthält die Flora reichlich Nektar.

Auch eine Hummel sieht man rasten,

um diesen Vorrat anzutasten.


«Du bist», doziert Professor Klös*,

«wohl mit Verlaub zu adipös,

um in die Lüfte zu entschweben.

Rein physikalisch …» Doch soeben


lässt ein sonores, tiefes Brummen

den Emeriten jäh verstummen.

Das Kerbtier summt an ihm vorüber,

versetzt ihm einen Nasenstüber


und landet sanft und elegant

schon auf dem nächsten Blütenstand.

Der Weise will nun weiterstreben –

zu Tieren, die nach Lehrbuch leben …


* (Heinz-Georg Klös, langjähriger Direktor 
des Berliner Zoologischen Gartens.)



– Cornelius –



Juli 25, 2026



Bergpredigt (Kurzfassung)



«Wer Weisheit sucht, der muss die Schlauen fragen»,

spricht Jesus. «Saht ihr jemals Meisen prahlen?

Ein guter Christ darf niemals Frauen schlagen!

Die Mühle wird zu Wucherpreisen mahlen.


Zum Abgrund muss der Reiche schmählich sausen.

Jehova wird dem Stolz sein Zelt verwehren.

Die Hungernden, sie werden selig schmausen,

die sich nach Recht in dieser Welt verzehren.


Der Teufel mag des Nachts nach Fliegen suchen,

doch schlecht soll es dem Bösen flott ergehen.

Ihr dürft nicht nach verpassten Siegen fluchen.

Das Heil lässt sich allein von Gott erflehen.


Ich sage: Mensch, du wirst vom Saufen toll!

Nur Wasser ist's, womit man taufen soll.»



– Cornelius –



Juli 23, 2026



Aufklärung



 – Familientag im Saunabad.

Die Luft stagniert bei achtzig Grad.

Ein Fliederblütenaufguss dampft,

man plaudert, transpiriert, entkrampft.


Da wundert sich der kleine Fritz

auf seinem warmen Erlensitz:

«Wer mag der Herr dort drüben sein?

Er streckt nur sein Gesäß herein …»


Die Tante sagt, im Blick die Tür,

mit pädagogischem Gespür:

«So merke, dass du's nicht vergisst:

Der Herr dort ist ein Posaunist!»



– Cornelius –



Juli 17, 2026



Den Bach hinunter



 – Ein Fischer sitzt vergnügt im Kahn

und wähnt, er reise auf der Lahn.

Das Ruder schwingt er frisch und munter,

doch plötzlich zieht es ihn hinunter.


Zum Staunen einer Handvoll Lachse

rotiert er um die eigne Achse

und sieht durchnässt und frierend ein:

«So stürmisch kann die Lahn nicht sein.»


Die Wassermassen wogen wild.

Am Ufer grüßt ein Hinweisschild.

Der Strom bestätigt es mit Brausen:

«Das war der R(h)einfall von Schaffhausen!»



– Cornelius –



Juli 10, 2026



Waldgeflüster



 – Zwei Schritte von der Dorfkapelle

verführt den Blick ein stiller Hain.

Ich lass mir Zeit an dieser Stelle

und tauch ins grüne Zwielicht ein.

 

Hier schweigen alle lauten Rufer.

Die Quelle gluckst im weichen Moos.

Ein Käfer will ans andre Ufer,

ein Ahornblatt dient ihm als Floß.

 

Der Grünspecht lacht, die Amseln singen,

die Turteltaube gurrt und klagt.

Mir ist, als ob aus all dem Klingen

mir deutlich eine Stimme sagt:

 

«Du findest, wenn die Sorgen lauern,

dein müdes Herz nach Ruhe schreit,

mich niemals hinter Kirchenmauern,

doch hier im Walde jederzeit.»



– Cornelius –



Juni 28, 2026



Mitte des Jahres



 – Verstummt sind Nachtigall und Kuckucksrufe.

Das weiße Gold des Spargels glänzt nicht länger.

Ein letztes Erdbeerköpfchen rollt vom Hänger.

Der Jahreslauf erklimmt die nächste Stufe.


Nun schwingt das Heupferd wieder seine Hufe.

Im Roggen schleichen heimlich Rattenfänger

und unterm Mond brillieren neue Sänger.

Ein feiner Staub bedeckt die Schlittschuhkufe.


Sobald es dunkelt, glimmen Glühwurmfunken.

Kein Feuerwerk, das dieses überböte,

begleitet vom Geläut der Rotbauchunken.


Die junge Nacht weicht bald der Morgenröte.

Der Schleier hebt sich, kaum herabgesunken,

und wieder spielt die Amsel auf der Flöte …



– Cornelius –



Juni 08, 2026



Die Zwillinge



 – Geschniegelt und behütet liegen

zwei neue Bürger dieser Welt

in parallel drapierten Wiegen,

wie aus demselben Ei gepellt.


Zwei allerliebste Nervensägen,

so hübsch, dass die Natur befand:

«Dies Bildnis muss ich zweimal prägen,

mit blauem und mit rotem Band.»


Doch scheint es bei genauem Schauen

auf dieses eingespielte Team,

er sehe (ganz speziell die Brauen)

ihr stärker ähnlich als sie ihm ...



– Cornelius –

Juni 03, 2026



Dichtung und Wahrheit



 – Frau Nachtigall, du Holde, dir zu danken 

hat meine Feder niemals ausgeruht.

Doch jüngst geriet mein Überschwang ins Wanken.

Ein Tropfen Wermut mischt sich in mein Blut:


Du seist mit «Herr», nicht «Frau» zu titulieren,

im Grzimek steht es (neunter Band) gedruckt,

weil schon seit alters bei euch Federtieren

allein das Männchen solche Töne spuckt.


Es schmettert nächtlich seine Serenaden,

gleich Orpheus feiert es sein Sängerfest.

Das Publikum ist gerne eingeladen -

Frau Nachtigall sitzt schweigend auf dem Nest.


Die Lehre: Singt ein Vöglein in den Haseln,

dann glaube nicht, was ein paar Dichter faseln.



– Cornelius – 



Mai 30, 2026



Warum ich keine Sonette schreibe



 – Sonette, heißt es, müssen stets belehren,

sich jambisch aus dem Sumpf des Alltags heben,

kristallklar dialektisch auch verqueren

Gedankengängen eine Richtung geben.


Zu diesem Zwecke sollen vierzehn Zeilen,

wobei auf reinen Reim zu achten wäre,

beim selben hohen Gegenstand verweilen.

Die Luft wird dünn in solcher lichten Sphäre.


Zu meiden seien alle balladesken

Begebenheiten. Zweckfrei schmucke Schnörkel

verbanne man aus solchen Wörterfresken.

Wer hier versagt, zählt nicht zum «Inner Circle»


der Koryphäen, die Gedichte schreiben,

und deshalb lasse ich es lieber bleiben.



– Cornelius