April 29, 2025






Eselei



– Ein Esel stört ein Straßenbild
Und zwar, indem er mittendrin
Herumsteht und sich Esel schilt,
Der störend auf ein Straßenbild
Zu wirken nicht umhin
Und -her kann mittendrin.


 – tordilo –


April 28, 2025


 

Elizabeth II. auf Besuch


 – Fliederstein verlor sich jüngst in einem

Wundervoll entworfnen Zeitungsbild:

Eine Frau mit Schüsselhut und kleinem

Lächeln ging durch dieses Bild, und wild


Guckte ihr ein – Fliederstein verstand es,

Was da guckte, wie und auch wohin,

Auszuloten als ein wahlverwandtes

Männergucken mit Bedeutung drin.


Ach, wie hatte er mit solchem Gucken

Selbst schon Frauen auf den Hut geguckt!

Ach, wie war ihm jetzt nach Händespucken,

Und wie hat es hinterm Ohr gejuckt,


Etwas zog ihn, etwas ließ ihn gleiten

Weg vom Sofa, mittenrein ins Bild,

Und er fand sich zwischen Zeitungsseiten

Und in Damendüfte eingehüllt,


Und er guckte! Hin zum Hut! Und träumte

Sich ganz langsam an den Hut heran,

Und das kleingeratne Lächeln räumte

Seinen Platz, ein Traumbild schäumte

Auf – und plötzlich traf es ihn:

Bums! das Lächeln einer Königin



 – Peter Welk –



April 27, 2025

 


Gewiss



 – Wenn die Anne

volle Kanne

angestaubte Schlager pfeift

und der Werner

noch viel gerner

mopsfidel in Popos kneift,

dann ist eines ganz gewiss,

dass mal wieder Frühling is.



– Andrea M. Fruehauf –



April 25, 2025



Wachablösung


 – (Nachbar Schlankesel macht seine Aussage)



Allnächtlich nervt mich diese Dame

Und zwar, indem sie nebenan

Vertrauliche Bestandsaufnahme

Zu machen scheint mit ihrem Mann.

«Du musst es deiner Puppi glauben»,

Vernehme ich so gegen drei,

«Bei dem war gar nix abzustauben,

Das war halt so’n Kuckucksei

Mit Ehefrau und Taschengeld.»

Dann macht die Dame eine Pause.

«Der hat sich gar nicht ausgepellt,

Der schnieft, dreht ab und schiebt 

Nach Hause!»

Der Gatte, scheint‘s, bezweifelt dieses,

Denn auf «Nach Hause» folgt ein Schrei

Und Folgendes: «Du, Aas, du mieses!»

Und endlich eine Prügelei.

Der Gatte kämpft mit bloßen Händen,

Die Dame mit, ich weiß nicht was,

Doch immerhin mit bloßen Lenden,

Auf meine Ohren ist Verlass.

Und plötzlich Stille. 

Totenstille.

Ich schlucke eine Schlummerpille,

Ich bete und empfehle mich

Und denke: Herr, es war dein Wille,

Die Dame nervt von nun an dich.



(Die Aussage wird zu Protokoll genommen.)



 – Peter Welk –



April 24, 2025



 Egodämmerung



 – Bin auf Ehrlichkeit versessen,

und läuft irgendwo was schief,

wirds von mir geprüft, vermessen,

korrigiert -


auch objektiv?


Nein, das kann mir nicht gelingen,

denn ich bin ja ein Subjekt,

das in allgemeinen Dingen

seine eigne Wahrheit checkt.


Manchmal legt man mir zu Lasten

die Bezeichnung, ich sei stur,

und mein Raum im Oberkasten

reicht für nichts als Korrektur.


Alles was ich so bemängel,

ist umweht vom eignen Mief -

deprimiert von solch Gequengel

fall ich in ein


Korrektief.



 – niemand –



April 23, 2025



Zurück zu 

Adam und Eva



– Man kann die Umkehr kaum erwarten.

Die Wissenschaft hat Rückenwind,

entkernt die Eiszeit und schafft Arten,

die lange ausgestorben sind.


Der Schattenwolf, das Mammut kehren

verwundert in die Welt zurück,

und wecken in uns das Begehren

nach einem Höhlenmalerglück.


Und wirklich kommt die Steinzeit wieder.

Der dritte Weltkrieg macht sie wahr.

Verstrahlt liegt aller Fortschritt nieder.

Von unsrer Art bleibt nur ein Paar …



 – gummibaum –



April 22, 2025



die Fensterputzerin



die Fensterputzerin

im ersten Stock gegenüber

vollführt kleine

flinke

kreisende Bewegungen

mit einem hellgelben Tuch

unaufhörlich

und bei längerem Hingucken so

als winkte sie

eifrig

oder verzweifelt

jedem

der unten vorbeigeht


und zufällig nach oben blickt 



 – Christian Fechtner –


April 21, 2025



 Alles nur 

Einbildung



 – ich bilde mir ein

du bildest dir ein

er bildet sich ein

sie bildet sich ein

es bildet sich ein

Gedicht



 – Stefan Pölt –



April 20, 2025



Etwas


Etwas geht durch grüne Fluren

unter einem weiten Blau,

küsst das Blühen, lähmt Lemuren,

löst die Pendel aus den Uhren

und macht Takte ungenau.


Etwas furcht mit seinen Spuren 

auch mein Zeittaktseelengrau.

Plötzlich fliehen die Lemuren,

bricht ein Grün aus brachen Fluren,

streckt mein Blühen sich ins Blau …



– gummibaum –



April 19, 2025



Von einem Hasen



 – der Dichterin zuhören >>



Morgens, lange vor halb sieben,

rennt er wie vom Fuchs getrieben
in den warmen Hühnerstall,
wo die fleißigen und braven
Lakenfelder Mädels schlafen,

kriecht mit langen hängebangen
Ohren unter Kleckerstangen
hin zu jenem Separé,
um sich dorten bei den Glucken,
die da schon seit Tagen hucken,

vorsichtiglich anzuschleichen,
schnellstens Beute einzustreichen
und behänd vom Hof zu fliehn.
Doch die Berta, halb benommen,
sieht das braune Etwas kommen,

und schon schreit sie: «Stillgestanden!
Nie kam mir ein Ei abhanden!
Auch zu Ostern nicht, du Aas!»
Puterrot und sehr erschrocken
dreht der Dieb sich auf den Socken

um, rennt los; er beugt den Nacken
vor den Schnabelspitzattacken
der erbosten Weiberschar,
schafft die Spieß- und Rutengasse
endlich, flieht dann in die Sasse,

wo er sich von ganzem Herzen,
ohne Eier, doch mit Schmerzen,
fluchend in den Schlummer weint.
So geläutert kniet er bieder
später vor dem Weibe nieder:

«Niemals wieder werd ich Hennen
Eier klauen, wenn sie pennen!
Ich seh ein: Das macht man nicht.
Ostern und das ganze Treiben
können mir gestohlen bleiben!
Ja! Ich hab gekündiglicht!»



 – Andrea M. Fruehauf – 


April 18, 2025



Osterwunsch



Lieber Jesus,


wenn du nächstens, wie alljährlich,

neu erscheinst zur großen Feier

der Gebete, falsch und ehrlich,

Völlerei und bunter Eier,

der Erneuerung der Säfte

und des Lichts in Herzbereichen,

dann vergeude deine Kräfte

statt an uns – an deinesgleichen!


Ja, an einem wie den einen

mit der blonden Endzeit-Tolle,

den Jongleur (mit kurzen Beinen)

in der Action-Dauerrolle,

jenen ich-weiß-alles-Brüller,

Spieglein-an-der-Wand-Versteher,

Bärenbinder, Taschenfüller,

Edeldieb und Nebelkräher.


Preise ihn und seine Rache

an den nimmersatten Maden,

dass er alles(!) besser mache

als du selbst, von Gottes Gnaden.

Will er dann mit dir verhandeln,

um die Jünger auszurauben,

lass ihn übers Wasser wandeln

und ganz fest in seinem Glauben.


Wenn er endlich aufsteigt – bitte

bitte in Gewittermitte …



 – Dirk Tilsner –