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Juni 04, 2026



Überlistet euch!



 – Ihr müsst euch überraschen:

Springt!

Maskiert

Hinter einem Busch hervor

Und haltet euch etwas vor

Die Brust

Bebt

Etwas in euch?

Leben

Genannt

Wird immer etwas

Anderes

Wird andersartig

Behandelt

Euch

Mit Empörung

Nennt

Was euch hindert

Zu leben

Ist immer

Genug

Mai 31, 2026



Kapillargefüge 


(Und sie müssen gar nichts mehr tun)



Alles bleibt im Innern,

verborgen und doch wohlbekannt.

Wer schon eine Reise tat,

will hier nicht leben müssen.


Jeder Punkt ein Hebel,

jede Bewegung eine Letter.

Wir stellen Bilder auf den Kopf

und werden doch nicht besser.

Im besten Fall

kursiv beschrieben.


Ein leiser Rest,

eine Linie, die sich in uns sucht.

Nicht die Egge,

auch wenn der Name passt.


Der Apparat.

Ein Gefüge aus Bewegung.

Nicht sichtbar,

nur wirksam.


Nichts bleibt allein,

verschränkt,

keine Linie für sich.


Weil wir nicht anders können,

richten wir uns nicht ein.

Wir nennen es nicht Widerstand,

nur Zweifel,

nur Restmenschlichkeit,

die sich verweigert.

Darin. Nie allein.



– Philip Radke –



Mai 11, 2026



Der Punkt, an dem wir 

uns gute Nacht sagen



 – Am Morgen,

du sitzt am Küchentisch,

fühl ich mich noch zerzaust.

Ich stelle die Tassen ab,

ein wenig zu leise.

Vielleicht auch zu laut.


Du sitzt und blätterst durch Nachrichten,

ich durch deinen Gesichtsausdruck,

der sich kaum verändert,

wenn ich mich setze.


Im Flur

streift deine Hand meine,

nur im Vorbeigehen.

Ich bleibe kurz stehen.


Auf dem Weg zur Bahn

reden wir über die neue Ampelschaltung,

über den Laden, der zugemacht hat,

über die Kälte,

die heute früher kam.

Deine Stimme ist nah,

mein Schritt ein wenig schneller.


Eine Mitte,

zu klein für uns,

ein Punkt ohne Spielraum,

zwei Nadeln in verschied’nen Rillen,

im selben Raum, doch nie im selben Moment.


Deine Nähe bleibt,

meine reicht weiter.

Du bleibst bei dir,

ich bleibe wach.


Die Wolken fassen uns nicht an,

zu fern zum Fallen, zu weich zum Sitzen,

und ich bewege mich weiter

im Takt,

während ich auf Regen hoffe.


Durch das Fenster fällt das Licht der Reklametafel,

wechselt alle paar Sekunden die Farbe.

Du schläfst schnell ein.

Ich nicht.



– Philip Radke –