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August 19, 2026



Meeresschildkröte



 – Wie ein Gespenst aus alten Zeiten

taucht sie plötzlich vor mir auf.

Lag unbeweglich auf dem Grund,

als ich über sie hinwegschwamm.

Ihre klugen Augen folgen mir,

und gelassen dreht sich der Kopf

in meine Richtung,

beobachtet den Störenfried.

Welche geheimnisvolle Ruhe

strömt vom riesig großen Panzer

auf mich zu.


Aus Jahrtausenden erwacht,

den Traum nicht abgeschüttelt,

weigert sie sich, durch die Bewegung

in der Gegenwart zu sein.

Sie erscheint mir wie ein Wunder,

wie ein Besuch aus anderen Zeiten,

wie die Begegnung mit lebendiger Geschichte.


Es fiel mir schwer,

sie ihrer Einsamkeit zu überlassen

und meine eigene

am Strand zurückzuholen. 



– Karl Günther Schultze –



Juli 27, 2026



Taverne



– Koriatiki und Kokoretsi,

ein frisches Brot und roter Wein,

vom Fass gezapft ist die Karaffe,

sie will ganz ausgetrunken sein.


Die Nacht schickt langsam ihre Boten,

die Fledermäuse schwirren stumm

mit aufgeregten Flügelschlägen

um das Tavernenlicht herum.


Das Knattern alter Dreiradkarren

stört die Besinnlichkeit der Nacht,

auch einen Hund, der müde anschlägt,

aus hundertjährigem Schlaf erwacht.


Der Leuchtturm setzt die roten Lichter,

Nachtfalter taumeln in das Licht,

fallen zu Boden, flattern weiter,

finden die neue Richtung nicht.


Die ersten Sterne werden sichtbar,

die Dunkelheit gewinnt Gewalt

über die Hügel, über die Felder,

schwärzt jetzt die Insel, macht sie alt.



– Karl Günther Schultze –