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Mai 30, 2026



Warum ich keine Sonette schreibe



 – Sonette, heißt es, müssen stets belehren,

sich jambisch aus dem Sumpf des Alltags heben,

kristallklar dialektisch auch verqueren

Gedankengängen eine Richtung geben.


Zu diesem Zwecke sollen vierzehn Zeilen,

wobei auf reinen Reim zu achten wäre,

beim selben hohen Gegenstand verweilen.

Die Luft wird dünn in solcher lichten Sphäre.


Zu meiden seien alle balladesken

Begebenheiten. Zweckfrei schmucke Schnörkel

verbanne man aus solchen Wörterfresken.

Wer hier versagt, zählt nicht zum «Inner Circle»


der Koryphäen, die Gedichte schreiben,

und deshalb lasse ich es lieber bleiben.



– Cornelius