befreiung
– winzige tode liebkosen den himmel
sie singen in silbernen zungen
stoßen in wolkiges menschengewimmel
und ist ihr lied schließlich verklungen
greift ein gesäusel nach dampfenden herzen
bevor sie zu traumstaub gerinnen
führt ihren glauben weit hinter die schmerzen
und faltet das diesseits nach innen
unbeirrt predigen untote wächter
seid folgsam und betet sie nieder
doch nur das echo der lachenden schlächter
hallt von ihren hoffnungen wider
endlich betritt eine stille den tatort
und nimmt sich der heiligen schein
brennt dann ein einsames amen als schlusswort
in jedes erlöste gebein
– Marcus Sommerstange –
👉 Interpretationsversuch:
Die «Befreiung» im Titel ist bewusst ambivalent. Es geht nicht um eine eindeutig positive Erlösung, sondern eher um ein Entkommen aus Schmerz, Illusionen und vielleicht auch religiöser Bevormundung – allerdings um den Preis des Todes oder der völligen Auflösung.
Das Gedicht beschreibt eine Welt voller Leid und trügerischer Heilsversprechen. Die eigentliche Befreiung liegt nicht im Glauben oder in äußeren Autoritäten, sondern in einer stillen, endgültigen Auflösung – die gleichzeitig Frieden und Leere bedeutet.