Stille
– Andrea M. Fruehauf –
– Andrea M. Fruehauf –
– Wären wir wahrhaft frei,
wir würden springen.
Dies zu greifen macht aus dem Unmöglichen nur eine Möglichkeit
einer unmöglichen Erfüllung:
ein Streben immerfort ins gestrige Morgen.
Nur ein Gott kann uns noch helfen;
er ist Schmerz – die Furcht
vor einer Freiheit.
Ohne Grund,
unentschieden,
zu leicht gefangen
zwischen unseren Händen.
Bewahren wir ihn,
manchmal
zu nah am Herzen.
Liebe,
eine geschmiedete
Notwendigkeit
Wie die Angst,
dass nur die Angst uns hält.
Wer hielte ihn –
ließ ich ihn gehen?
Vielleicht:
ein Verlangen, ein Wollen,
ein Wille im Werden –
im Fallen sein,
kollidieren und
Zerschmettern?
Die Welt ist alles,
wenn sie fällt.
Jeder Grund,
unhaltbare Notwendigkeit –
sie zerbricht
an unserem Wesen.
Mit verdrehten Köpfen
schöpfen wir ein Gestern
im Morgen,
als gäbe es eine Kraft,
die uns zu Schöpfern heißt.
Ich frage dich,
und dein Ende
beginnt.
– Rufus –
Die Liebe ist am Donnerstag erloschen.
Sie – hat sich einen neuen Hut gekauft,
Ihm – blieb das Herz stehn. Durchgeschnauft
Hat er am Freitagmorgen und verdroschen
Hätt‘ er am liebsten erst einmal sich selber,
Wie kann ein Mann so dämlich sein und stellt
Das Glück, das er in festen Händen hält,
Um zweier rotlackierter Kicherkälber …
Setzt es aufs Spiel? Stellt es in Frage? Ginge
Er jetzt zu ihr und nähm‘ sie in den Arm …
(er denkt) … ich steh an ihrem Fenster … singe
(er ist Tenor, trainierter Frauenschwarm) …
Ich singe ihr vom unglücklichen Dieter …
Er tuts. Sie hörts – und küsst den Untermieter.
– ogolo –
Körbchen in den Wald.
ungehört und ignoriert.
Er saß auf einer Parkbank,
fragte Rotkäppchen.
Nebel umschlang seine Gedanken,
Ein geheimnisvolles Lächeln,
«Ernsthaft? Im Jahr 2026?
Du willst immer noch Menschen fressen?
Die Wendung der Geschichte
Ich war drei Wochen Pflanzenfresser.»
sind der Antrieb für Handlungen,
Sie trug Kopfhörer,
«du bist wirklich noch auf dem alten Stand.»
Das dauerte ungefähr fünf Minuten.
«Okay. Ich eröffne einen YouTube-Kanal.»
war der Wolf nicht mehr der Schrecken des Waldes.
der jeden Montag ein Video hochlud:
und warum ich heute lieber darüber rede.»
G'schpian.
Österreichische Verlobung
I mog di, weil i g'schpia, dass du mi mogst.
I mog des, dass du g'schpiast, dass i di mog.
Des g'freit mi, weil i g'schpia, dass du a G'schpia host fia mi.
Und de Freid mog i.
Des g'freit mi, weil wann du di g'freist üba des, dass i a G'schpia hob fia di, dann g'schpia i des.
G'schpiast da's ?
Wos ?
I mecht di heiratn!
Na sowos! I di aa!
– Scal –
– Ein Fischer sitzt vergnügt im Kahn
und wähnt, er reise auf der Lahn.
Das Ruder schwingt er frisch und munter,
doch plötzlich zieht es ihn hinunter.
Zum Staunen einer Handvoll Lachse
rotiert er um die eigne Achse
und sieht durchnässt und frierend ein:
«So stürmisch kann die Lahn nicht sein.»
Die Wassermassen wogen wild.
Am Ufer grüßt ein Hinweisschild.
Der Strom bestätigt es mit Brausen:
«Das war der R(h)einfall von Schaffhausen!»
– Cornelius –
– Er hat den Hals gestrichen voll,
von dieser Menge, dieser Brut.
Da wird ihm klar, es täte gut,
sich endlich auf den Weg zu machen –
schnürt sieben Sachen, packt den Mut
und zieht in einen Riesenwald.
Hier mach ich halt, will lang verweilen –
ich brauch nicht viel, nicht einmal Schuhe.
Will meine Einsamkeit und Ruhe
mit keinem, nur der Eiche, teilen!
Bald geht zum Himmel ein Gebet:
Hab tausend Dank für diese Stätte!
Mein Sohn, ruft ihm der Herr, ich wette,
du wirst bald aus dem Forst enteilen!
Mein Herr, bin doch kein Horst, nicht dumm …
werd ich von dir hier nicht gelitten?
Da lacht der Herr: Schau dich mal um –
hier wimmelt es vor Eremiten!
– niemand –