Februar 27, 2026



Aus dem Tagebuch 

eines Quastenflossers



 – Wie schön, am Sockel der Komoren

verträumt ins tiefe Blau zu blicken,

wo alle Uhren langsam ticken.

Hier lässt die Welt mich ungeschoren.


Welch Hochgenuss, herum zu dümpeln

und mich mit schicken Flossenquasten

am Meeresgrund entlang zu tasten.

Was soll ich in Gezeitentümpeln?


***


Ein Oktopus hat mir geschrieben

(noch tintenfeucht ist sein Gekrakel):

«Mein Lieber, Kiemen sind ein Makel.

Wir sind schon weit zurückgeblieben.


Die Kunde ist zu mir gedrungen:

An Land, da wimmelt es von Lurchen,

die träge durch die Sümpfe schlurchen.

Wer auf sich hält, der hat jetzt Lungen!»


***


Die Meldung heute: «Es wird hektisch.

Der Himmel braust von Fittichen

von Adlern, Tauben, Sittichen.

Ein Dodo gilt schon als eklektisch.»


***


Der Krake depeschiert mir eben

mit sehnigem Tentakelpinsel:

«Nicht weit von hier auf einer Insel,

da soll es jetzt Lemuren geben.»


***


Und heut beeilt er sich zu schreiben:

«Ein Klumpen Lehm ist Mensch geworden

und schon beginnt das große Morden.

Wir sollten wohl hier unten bleiben …»



– Cornelius –



Februar 26, 2026



Titel einfach nur Titel 

nein wie kreativ



 – Oh


ich wackerer,

vom Sande unverstandener

Wüstenprediger!


Warum möchte bloß niemand

die herrlichen Symphonien hören,


die ich so zärtlich

in den Wind furze?


Oh


und warum


- wo wir schon mal dabei sind -


wundere ich mich überhaupt darüber,

dass keiner mehr Lyrik liest,


wenn sogar das hier

als „Gedicht“ durchgeht …?


Oh


wann höre ich endlich

mit diesen peinlichen Texten auf!?


Ist ja wirklich

zum Fremdschämen

mit mir.


Zum Glück

liest das hier keiner.




--- Dieses Gedicht steht zum Verkauf.

Leichte Gebrauchsspuren, nur ein paar mal gelesen.

Inklusive Extra-Satzzeichen: ,;,:-?-#!!“()&/%´;.;.-!?

In liebevolle Hände abzugeben.

Bitte nur ernstgemeinte Angebote

(gerne auch in Pfandflaschen) ---



– klaatu –



Februar 25, 2026


 

Vierminuseins



 – Langsam verblich

das Maß der Zeit.

Unbemerkt,

nur fast berührt.

Umhüllen uns


Sehnsuchtsräume.


Und so vergeht,

wie der Schmerz

mit der Wahrheit –

der Wunsch,

einer Sorge gleich:

Bedeutung.


Einst wird

gewesen sein


ein Tempel

aus Ruin

entborgen.



In der Tiefe der Notwendigkeit,


am Rand des Zentrums,

der verlorenen Berührung,

des Wartens, des Beinahen.

Des ewig Unentdeckten,


wandelt die Möglichkeit.



– Rufus –





Februar 24, 2026



Girlanden



 – So sind wir noch in Teilen

In Lichtern dieser Stadt

Wo einst wir noch verweilen

Hinaus

Trägt uns ein Wunder

Unbekannt und matt

Wie auf wie auf 

Wenn nichts mehr lüge

Als füge

Unser einer statt

So sind wir nicht mehr Teile


Nur lichternd in der Stadt



– ubertas –



Februar 23, 2026



Stadtmomente



 – Dächer tragen

die kühle Nacht

und in den Häusern

wächst langsam Wärme,

als würde irgendwo jemand

zum ersten Mal

an Hoffnung denken.


Auf den Straßen

nur einzelne Schritte,

jedes Leben ein leiser Strom,

der nicht weiß, wohin er fließt,

und trotzdem weitergeht.


Ein Fenster öffnet sich,

und mit ihm

ein leiser Klang von Geschirr,

ein Husten, dann ein Lachen.

Der Mann pustet

den blauen Dunst

zu den neugeborenen Sternen,

die wie ein Versprechen

in die Dunkelheit leuchten.

Die Frau küsst seine Schulter.

Ihre Hand ruht,

gleich einer Feder,

auf seinem Nacken.


Die Luft trägt den Geruch

von etwas Unausgesprochenem,

das in den Gassen bleibt,

als wüsste es,

dass jeder Tag neu beginnt

und doch niemals

ganz von vorn.



– Önder Özkan –