Juli 17, 2026



Den Bach hinunter



 – Ein Fischer sitzt vergnügt im Kahn

und wähnt, er reise auf der Lahn.

Das Ruder schwingt er frisch und munter,

doch plötzlich zieht es ihn hinunter.


Zum Staunen einer Handvoll Lachse

rotiert er um die eigne Achse

und sieht durchnässt und frierend ein:

«So stürmisch kann die Lahn nicht sein.»


Die Wassermassen wogen wild.

Am Ufer grüßt ein Hinweisschild.

Der Strom bestätigt es mit Brausen:

«Das war der R(h)einfall von Schaffhausen!»



– Cornelius –



Juli 16, 2026



Der Eremit



– Er hat den Hals gestrichen voll,

von dieser Menge, dieser Brut.

Da wird ihm klar, es täte gut,

sich endlich auf den Weg zu machen –

schnürt sieben Sachen, packt den Mut

und zieht in einen Riesenwald.


Hier mach ich halt, will lang verweilen –

ich brauch nicht viel, nicht einmal Schuhe.

Will meine Einsamkeit und Ruhe

mit keinem, nur der Eiche, teilen!


Bald geht zum Himmel ein Gebet:

Hab tausend Dank für diese Stätte!


Mein Sohn, ruft ihm der Herr, ich wette,

du wirst bald aus dem Forst enteilen!

Mein Herr, bin doch kein Horst, nicht dumm …

werd ich von dir hier nicht gelitten?


Da lacht der Herr: Schau dich mal um –

hier wimmelt es vor Eremiten!



– niemand –

Juli 15, 2026

 


Es ist nie zu spät ...!



 – In letzter Zeit versuche ich,

es ein bisschen entspannter

angehen zu lassen


und mich nicht mehr

so viel aufzuregen.


Es klappt wirklich gut.


Nur hin und wieder

fordere ich noch offen

einen neuen Genozid.


Aber es ist weniger geworden.


Das ist sogar den Nachbarn aufgefallen.


Es kommt nur noch äußerst selten vor,

dass ich meine Gesprächspartner

bei Meinungsverschiedenheiten würge.


Und mein letzter

Amoklauf mit Toten

ist auch schon einen ganzen Monat her.


Meine Frau hat mir dafür

sogar extra einen Kuchen gebacken.


Leider mit Rosinen.


Ich hasse Rosinen ...


Aber obwohl ich deshalb

richtig sauer war,

habe ich sie nur


mit der flachen Hand geschlagen,


Ihr seht,

es wird langsam

immer besser.


Wenn es heute in mir hochkocht,

zünde ich ein paar Obdachlose an


- früher da hätten Kinderheime gebrannt!


Es ist nie zu spät,

ein guter Mensch

zu werden!



– klaatu –



Juli 14, 2026



Stille



 – die mich an das lautlose Anlanden der Wellen erinnert

Nur hier und da die Erinnerung an Regentropfen

die auf dem Asphalt tanzen und die Blätter zum Klingen bringen

Ich blicke auf eine Landschaft, die weder von Gegenwart

noch von Vergangenheit bewohnt ist

Alles ruht


Grabesstill



– Otto Lenk –



Juli 13, 2026



Trockendock



 – Die Straßen liegen da

wie gestrandete Schiffe.


Kein Wind hebt sie an.

Kein Regen

macht sie wieder seetüchtig.


Die Hitze hämmert

unter den Planken der Welt,

als wollte sie

den Sommer vernieten.


Wir treiben weiter,

bis unsere Schatten

wie verbrannte Taue

hinter uns schleifen.



– Chandrika Wolkenstein –



Juli 12, 2026

 


Mariahilferstraße



 – wo ein bettler einsicht sucht

links und rechts

wie ich


spieglein spieglein an der wand

wo verhältnisse mäandern

eilwärts zum design

tritt ein


alles ruft tritt ein tritt ein


großer gott genug genug

zeit um auszuwandern

ehe abend wird


sind einander ein vorüber

ein museum alter kunst

schaukelnd durch den strom


kommt ein kindgesicht und sagt:

fühl dich.

eintritt frei



– Scal –



Juli 11, 2026



Abendromantik



 – Himmel, du schweigst in den Abend hinein

mit ruhig verharrender Decke.

Der Wind zog vor Zeiten die Flügel schon ein,

das Graue wiegt lichtere Flecke,

und einzelne Wölkchen sind rosa gesäumt –

Wer länger betrachtet, mag glauben, er träumt.

Er steigt wie der Rauch, wenn kein Lüftchen sich regt,

in Blicken hinauf, bis die Nacht ihn umhegt …



– gummibaum –