Februar 22, 2026



Leise



 – Eisgesträhnte Grabesruh

wabert auf dem Weiher,

beugt das Riet der Erde zu

und zerzaust den Reiher.

 

Doch ein Wunder, winzig klein,

singt mir traumesleise

tief im winterkahlen Hain

seine Frühlingweise.



 – Andrea M. Fruehauf –



Februar 21, 2026



Kunst für Quastenflosser


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Mit kriegerischer Körperbemalung

unter Discounterklamotten,


taumele ich

durch

Bühnenbilder für Blinde;


ein Totem

aus dem 3D-Drucker

in jeder Hand.


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Mit den Fingern

male ich Worte

auf die Wände

meiner Höhle,


während draußen Flugzeuge

durch den Himmel dröhnen.


Wie Polaroids

aus einer fernen Zukunft,

die längst hinter uns liegt.


Wie ein Stand

voller Handyhüllen

auf einem mittelalterlichen Wochenmarkt.


Wie Urzeitlaute im Live-Podcast.


Uga Uga, Motherfucker!


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Das hier ist

meine eigene Affenhand,

wie ich sie in die Farbe

meiner Gedanken tauche


&


blind ins weltweite Bewusstsein strecke,

wo sie nach einer Wand tastet,

auf der sie einen Abdruck

hinterlassen kann.


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Das hier ist

Kunst für Quastenflosser.


Eine gurrende Brieftaube

in einer Glasfaserleitung.


Magische Runen

auf Computerchips.


Das hier ist

das eigene Gesicht

in einen Stein geritzt,


um damit

sämtliche Displays

zu zerschlagen.


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– klaatu –



Februar 20, 2026



Mitternachts Tango



 – Ein Vollmond fließt zum Fenster rein,

kriecht hoch hinauf zur Decke.

Dort wickelt er, mit Charme & Schein,

die weiße Kugelleuchte ein,

wovor ich fast erschrecke.


Umwirbt, wenn auch recht ungesund,

das aufgeblas’ne Ding – 

mir dünkt als ob, durch Glases Rund,

der Dickwanst Feuer fing.


Ich geh und suche, leicht verstört,

mir Hilfe gleich bei Google:

Hat wer von Mondes Flirt gehört

mit einer Deckenkugel?


Nicht einer, der sich äußern will

zu dem, was ich gesehen.

Und meine Kugel? Hängt steril,

lässt Mondes Tanz geschehen.



 – niemand –



Februar 19, 2026



Visionen im Februar



 – Der Morgen breitet Nebelfahnen,

verlegt sie auf ein schwarzes Feld,

auf Städten liegt ein dunkles Ahnen,

wie Kohlenstaub im Himmelszelt.

 

Und dennoch gibt es zarte Sterne,

bei einer Sicht in Grau getrübt.

Ein Acker krümmt die weite Ferne,

es ist, als wenn der Tag noch übt.



– Heike –



Februar 18, 2026



Am Ende der Gleise



 – Am Ende der Gleise

Alles Anfang

Chöre, Hoffnung, Huren

Marmorgesichter aus Nebel


Alle Fremden weiße Hemden

Angst fressen Liebe auf

Hunde gehorchen. Immer.

Damit wir in Liebe baden


Am Ende der Gleise

Hundekinder, Hoffnung, Engel

Alles neu

Nachteulen im Sonnenlicht


Das Ende der Gleise

Die Fahrt geht im Kreis

Angst essen Seele auf

Wie Bluthunde


Wie Bluthunde



– Max Neumann –



Februar 17, 2026



Winterlich



 – Der Schnee fiel heimlich. Draußen kauert

ein blindes Weiß, das Farben schluckt,

und eine wüste Stille lauert,

sodass kein Mund mehr Töne spuckt.


Nur eine große Schaufel hört

man kratzend immer näherkommen,

als ob sie wegreißt, was sie stört,

was ihr zu frei ist und verschwommen.


Wir halten still, von Angst durchschauert,

bis Frühling in die Fenster guckt,

und wissen doch, die Herrschaft dauert,

die alle Hoffnung eisern duckt …



– gummibaum – 

Februar 16, 2026

 


Schneewittchens 

Rosenmontag



– Frau Schmidtchen geht zum Karneval als Flittchen.

Frau Schmidtchen ist ein Ausbund an Moral

normalerweise, dort im Zillertal,

wo man sie kennt als Zillertalschneewittchen,

das couragiert den Zillertaler Kerlen

den Weisel gibt, wenn diese sie umgurren,

dann hört man Schmidtchens Kicherkatzenknurren:

Sie werfe vor die Säue keine Perlen,

es sei denn …! Und es ist im Karneval,

dass im Schneewittchen seltne Säfte gären,

die rosenmontags ihm das Herz beschweren,

dann pfeift Schneewittchen hörbar auf Moral …


dann haut's Frau Schmidtchens Haltung in den Keller,

ihr schwillt ein Giergesicht plus Lustpropeller.



– tordilo –