Blicketrick
– Mein Mensch spricht dann und wann genervt vom Hundeblick,
Und dem zu widerstehn, sei kaum zu schaffen.
Das stimmt. Ein Hund, wie ich, kocht mit dem Blicketrick
Den Menschen weich und macht ihn dann zum Affen.
– Peter Welk –
Alles bleibt im Innern,
verborgen und doch wohlbekannt.
Wer schon eine Reise tat,
will hier nicht leben müssen.
Jeder Punkt ein Hebel,
jede Bewegung eine Letter.
Wir stellen Bilder auf den Kopf
und werden doch nicht besser.
Im besten Fall
kursiv beschrieben.
Ein leiser Rest,
eine Linie, die sich in uns sucht.
Nicht die Egge,
auch wenn der Name passt.
Der Apparat.
Ein Gefüge aus Bewegung.
Nicht sichtbar,
nur wirksam.
Nichts bleibt allein,
verschränkt,
keine Linie für sich.
Weil wir nicht anders können,
richten wir uns nicht ein.
Wir nennen es nicht Widerstand,
nur Zweifel,
nur Restmenschlichkeit,
die sich verweigert.
Darin. Nie allein.
– Philip Radke –
– Sonette, heißt es, müssen stets belehren,
sich jambisch aus dem Sumpf des Alltags heben,
kristallklar dialektisch auch verqueren
Gedankengängen eine Richtung geben.
Zu diesem Zwecke sollen vierzehn Zeilen,
wobei auf reinen Reim zu achten wäre,
beim selben hohen Gegenstand verweilen.
Die Luft wird dünn in solcher lichten Sphäre.
Zu meiden seien alle balladesken
Begebenheiten. Zweckfrei schmucke Schnörkel
verbanne man aus solchen Wörterfresken.
Wer hier versagt, zählt nicht zum «Inner Circle»
der Koryphäen, die Gedichte schreiben,
und deshalb lasse ich es lieber bleiben.
– Cornelius –
– wäre ich dein
sehnte mich in harmonie begriffe jedes blasse irgendwann wäre ich verschränkt mit wogender ruhe glitte ich entlang deines ursprungs wäre ich raugraues hauchen benetzte in sanften schwüngen sphären deiner sicht fauchten ahnungen eines vielleicht stifteten dir träumende fragen als schlichte wahrhaftigkeit bezeugte deine verwundbare unnahbarkeit empfinge fassungs lose küsse im glitzernden nebel des welken tags wäre ich sturm festes herz stolzer traurigkeit schenkte ich aufrichtige treue meiner gewissheit tropfte durch deinen kreis lauf ließe ich fließen ließe dich spüren ließe uns sein
wäre für immer dein
wäre ich
– Marcus Sommerstange –
– Aus einer Lücke entstand ein Regenbogen
Aus einem Regenbogen das Licht
Aus dem Licht traten Menschen
Aus den Menschen kamen Wörter
Aus den Wörtern wurden Sätze
Aus den Sätzen entstanden Baupläne
Aus Bauplänen Häuser
Aus den Häusern drangen Geräusche
Aus Geräuschen wurden Schallmauern
Aus Schallmauern ein Ödland
Aus Ödland Enttäuschung
Aus Enttäuschung ein Wunsch
– Max Neumann –
– Willst Du mit mir Pferde stehlen,
wenn sich dazu Chancen böten?
Dich und mich, zwei halbe Seelen,
kühn zu neuem Wir verlöten?
Willst Du mit mir Sterne pflücken,
über allen Dingen schweben?
Glaubend Bergmassive rücken,
Welten aus den Angeln heben?
Willst Du Dich im Rausch verlieren?
Soll Dein Name alle Tage
unser Klingelschildchen zieren?
Dreimal Nein? Verzeih die Frage ...
– Cornelius –
*-*
Ab jetzt!
Jedes Bit eine Eilmeldung,
jeder Buchstabe ein Überfall!
Keine Sätze,
sondern global errichtete Landebahnen
für fliegende Spaghetti-Monster.
Hier spielt
blinder Glaube
Topfschlagen mit Tretminen
&
jeder kann
ein kleiner Märtyrer sein
- oder homöopathischer Antichrist.
Nagel dich selbst ans Kreuz
und mach ein Selfie davon!
+-*
Dann
akzeptiere die Firmenlogik.
Sorge dafür,
deine Lebensziele
in Deckungsgleichheit
mit den Quartalserwartungen zu bringen
&
vollführe
selbstmörderische Gedankensprünge
von langsam einstürzenden Eselsbrücken.
Deine Meinung
ist nur noch
Marketingwerkzeug.
Deine innigsten Wünsche
nur noch
das messbare Ergebnis
ausgeklügelter Werbekampagnen.
Hier sind
noch ein paar Zeilen zum Verzweifeln!
Und das sogar völlig gratis!
*-+
Derweil liegt der Kontext da
wie ein ausgeweidetes Wildtier
auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks.
Ausgesaugt
und weggeworfen
wie ein Saftpäckchen.
Die Türen,
durch die wir heute noch passen,
könnten morgen schon zu eng sein.
Doch um Wohnraum zu sparen,
werden nun große Teile der Bevölkerung
auf mikroskopische Größe geschrumpft.
Diese Gesellschaft
braucht keine weitere Revolution,
sondern einen Exorzismus.
+-+
Sinn
wird gewaltsam eingefordert
und
aus fadenscheinigen Fetzen
scheinbar ewigen Lebens
ziellos zusammengetackert:
Entgleiste Kreuzzüge
und Charter-Kamikazeflüge.
Auch ich
könnte sterben
für eine gute Lüge!
Jeder braucht ein Rettungsboot,
damit er weiter Bruchpilot
ohne Erklärungsnot
bleiben kann ...
+_*
Finale Ansichten bilden sich
wie Verstopfungen
in einem Abflussrohr.
Aber möglicherweise
ist man ja selbst der Wurm,
der drinsteckt.
Todesmutig gelangweilt
blicken wir in den Lauf
der Geschichte
- und warten weiter auf den Schuss.
-_-
– klaatu –