September 07, 2026



sieben arten blau



 – es gibt sieben arten von blau sagst du und wischst

mit einer handbewegung jeden möglichen einwand hinweg

dort oben sagst du und zeigst zum himmel

werden sie geboren und im meer spiegeln sie sich

sieben arten von blau und mindestens so viele grün

denke ich während felder und bäume an uns vorbeiziehen

und sich dein blick irgendwo weit vorne auf der straße verliert

sieben arten blau flüsterst du aber nur ein schwarz

und wie zum beweis fließen dir schwarzumränderte tränen über die wangen

und ich weiß in diesem moment ganz genau wo du in gedanken bist

dort weit vorne auf der straße wo sich dein blick im nichts verliert



– otto lenk –

September 06, 2026



Die wunderbare Wandlung



 – Sie hielt ihre Seele im leiblichen Kerker,

(ein unscheinbar sinnloses Ding,

wie sie es gern nannte) Ein Drang war viel stärker,

in dem sie sich täglich verfing.


Der Drang ihren Korpus auf Hochglanz polieren.

Die äußere Schönheit hielt stand

gar ein paar Jahrzehnte, dann kam jenes Spüren

des Wandels. Bald lag auf der Hand


die bittre Erkenntnis, es lässt sich nichts halten,

weil Schönheit, samt Frische verfliegt.

Egal was man tut, man gehört zu den Alten,

von Zeit und den Falten besiegt.


Sie schlug alle Spiegel im Hause in Scherben -

ihr Anblick verursachte Pein.

Zuweilen befiel sie der Wille zu sterben,

da rief ihr das Innere: Nein!


Es gab, nach so vielen verborgenen Jahren,

zum weiter Verleugnen kaum Grund.

So ist ihr die Seele ins Antlitz gefahren,

ins Auge, die Wangen, den Mund.


Und wer sie erblickte, der sprach: Kaum zu glauben,

was ich grad erfahre und seh –

die Zeit hat geschafft ihr die Schönheit zu rauben

und doch ist sie schöner denn je.



– niemand –



September 05, 2026



An Kristina R.


( Sonett )



– Wie soll ich jene Tage nochmals spüren 

Erinnerungen flackern ohne Sinn

Als Film in welchem ich gefangen bin 

Wohin wird mich mein Sehnen jemals führen 


Hannovers grauer Himmel weinte Tränen 

Die uns erwärmten wie der Sonnenschein 

Es schien das Glück für alle Zeit zu sein 

Sich aneinander küssend anzulehnen 


Noch heute schwebe ich durch jenen Raum

Im Geiste liege ich ganz nah bei dir

Nach dir kam niemals wieder eine Fee


Die mich von mir befreite aus dem Traum

Ein freier starker Mann zu sein ein Stier

Berauscht allein im Nachtmond hoher See



– Aron Manfeld –



September 04, 2026



( Fotografie von 1920/25 )


Dschungelmelodie



 – Klar, der Heinz ist nur Attrappe,

(dass er Heinz hieß, wussten Sie?)

Und sein Herz ist jetzt aus Pappe,

Doch die Zähnefletscherklappe

Steht dem Heinz noch irgendwie.


Mich betreffend kann man sagen,

Gestern noch war ich ein Tier,

Hacken in die Kerle schlagen,

Wie der Heinz im Dschungel jagen,

Biege-Blues auf dem Klavier,


Männerleichen ohne Ende,

Jeden nahm ich in die Kur,

Killer-Willi hob die Hände

Vorm Zerbaggern seiner Lende,

Und dann kam die Müllabfuhr.



– Ogolo –

September 03, 2026



Die Seichtigkeit des Leins


( Sonett )



 – Im stillen Talgrund, wo das Bächlein rieselt,

die Vöglein in den Zweiglein tirilieren

und Rehlein tanzen, wenn der Regen nieselt,

verführt es mich bisweilen zum Sinnieren:


Was mag die Menschheit unwillkürlich drängen,

an alles Edle, Schöne hier auf Erden

dies schnöde «Lein» so kindisch anzuhängen?

Soll dadurch unser Dasein froher werden?


Für mich kommt derlei nicht mehr in die Tüte,

seit ich versteckt ein Blümelein erblickte:

Ein Lein mit taubenetzter blauer Blüte,

die, schien es mir, verständnisinnig nickte.


Es war, als seufze dieses Blümlein kläglich:

Die Seichtigkeit des «Leins» sei unerträglich ...



– Cornelius –



September 02, 2026

 


trivial



 – Ohne dich

liebe ich dich.


dunkle blume trage mich

schwarze sonne

warme länder


Zu große Worte,

wie der alte Pull-over,

die zerschlissene Jeans,

auftragen, hineinwachsen


Verneinter Mond verneine mich.


Sind sie nicht

ungenügend?


Die Konturen

von Gedanken


Gedichte wie

verbranntes Haar


Sie ließ sich nieder

in mir

Aus ihr wuchs heraus:

Die Gnade und die Fülle.


Um zu fassen, umfasst es mich.


Sie lächelt.


Hier stehen,

so stehen –

still.


Was trage ich in mir,

bewegen,

mitbringen,

verbergen,

halten –


es fließt

und reißt.


Was fände ich,

was fände mich?


Mutter stach mir ins Herz.


Nun weiß ich,

wo es gewesen wäre.


Gut, dass du fehlst.



– Rufus –





September 01, 2026



Herbstliches Warten



Steht da jemand, steht und guckt -

einer, den sein Finger juckt,

samt Bedürfnis, mit den prahlen

Farben das zu übermalen

was vor ihm ein Stümper schuf,

folgend seinem biedren Ruf.


Der war keinem Rausch gewogen,

fort mit ihm, im Bausch und Bogen!

Dieses Grün schafft Augenschmerzen,

mit dem Wunsch es auszumerzen.


Wenn man solchen Grünstich hat,

wirkt die Welt wie Blattspinat,

über der (oh, Künstlerwonne!)

glänzt das Spiegelei der Sonne.


Kunst ist anders, Kunst braucht Größe,

sucht sich nicht an Bürgers Schöße

unterwürfig festzukrallen,

um dem Durchschnitt zu gefallen.


Und so steht da wer und guckt,

den sein Künstlerfinger juckt,

glaubend etwas Großes schuldig

dieser Welt zu sein. Geduldig

harrt er auf sein Künstler-Blühen,

in dem Farben Funken sprühen.



– niemand –