Camouflage
( Fatras )
– FrankReich –
– FrankReich –
– im sanften strahlen eines südlichen tags
umwindet dich demütiges staunen
in die trägheit der kreise spinnt das vielauge
die erste ahnung von herbst
du blinzelst sonnentränen auf sein werk
und lächelst wehmut
in die schwünge des regenbogens
eine gelassenheit flüstert
ich bin richtig, ich bin genug.
während sich feuchtgrüner atem
mit dem flirren schlanker flügel duelliert
im nördlichen schatten
begreifst du eine erinnerung
an gewesene sommer
und folgst dem ruf der flur
zurück in die schüchternen blicke des mondes
sie entführen dich ins morgenland
nur die vielbeinige verbleibt im zwielicht
wo sie das leben am nullpunkt
verträumt
– Marcus Sommerstange –
– Die Hügel liegen da
wie die Knöchel einer Hand,
die unter der Erde wartet.
Wurzeln ziehen
unter dem Gestein
die Sehnen straff.
Unter ihren Nägeln
eitert Plastik.
In ihren Gelenken
knirscht Metall.
Durch ihre Adern
pocht Öl
schwarz gegen das Herz.
Die Finger krümmen sich
so langsam,
dass über ihnen
Gras weiter wächst,
während tief darunter
ein Schlag
Geduld lernt.
– Chandrika Wolkenstein –
– Im Saal sechshundert sitzt, in grauer Jacke,
der letzte Schluck von einem Reichsmarschall.
Die Leinwand zeigt die Bilder der Baracke,
er hört nicht hin. Es ist nicht mehr sein Fall.
Er sagt es Gilbert, abends, in der Zelle:
das Volk will keinen Krieg, in keinem Land.
Doch dass es folgt, ist keine Kunst, die Schwelle
ist niedrig, und das Werkzeug liegt zur Hand.
Man meldet nur, das Land sei angegriffen,
das wirkt in Reich und Rat und Republik,
ein Handgriff, über Jahre eingeschliffen:
wer fragt, verrät. So einfach ist der Trick.
Er starb durch Gift, bevor die Stricke fielen,
das Urteil traf den Wahn und die Gestalt.
Er schleicht durchs Land, um wieder zu erzielen,
was einst gelang: das Nicken für Gewalt.
– seefeldmaren –
Sie schreiben,
wenn die Welt schläft,
wenn Erinnerungen zu schwer werden,
wenn Worte die einzige Form von Atem sind.
Sie kennen das Schweigen,
das zwischen zwei Zeilen wohnt.
Sie wissen,
dass ein Gedicht manchmal mehr Mut verlangt
als ein ganzes Leben aus Erklärungen.
Sie sammeln keine Berühmtheit.
Sie sammeln Augenblicke,
die andere übersehen:
den Staub im Licht,
die Falte im Gesicht einer alten Frau,
den Klang einer Tür,
die sich für immer schließt.
Sie schreiben gegen das Vergessen.
Nicht aus Eitelkeit,
sondern weil jeder Mensch
ein unausgesprochenes Universum ist.
Ihre Texte wandern
durch Foren,
über vergilbte Notizbücher,
durch unbeachtete Dateien
auf längst vergessenen Festplatten.
Manchmal liest sie nur ein einziger Mensch.
Und manchmal reicht genau das.
Denn kein Gedicht wird klein,
weil es nur wenige erreicht.
Es wird klein,
wenn es nichts wagt.
Die anonymen Lyriker
sind die stillen Chronisten der Seele.
Sie retten keine Welt.
Aber sie bewahren,
was von ihr verschwindet.
Vielleicht wird sich niemand
an ihre Namen erinnern.
Doch irgendwo
wird ein Mensch
eine ihrer Zeilen lesen,
sie für einen Augenblick
für seine eigene halten
und deshalb weitergehen.
Manchmal
ist das der größte Erfolg,
den Sprache erreichen kann.
– Önder Özkan –
Exklusiv:
Ekstatische Exkremente
extrahieren
exorbitante Exzesse.
Extremisten-Extravaganza!
Exemplarische Exekutionen
exotischer Exkursionen.
Existenzielle Experimente
externer Echsenmenschen.
Expertenmeinungen
explodieren!
Exzentrische Ekzeme
expandieren
exquisite Express-Exorzismen
exhibitionistischer Existenzen.
Exhumierte
Ex-Männer,
Ex-Frauen
- Ex-Menschen.
Excalibur?
Exakt!
Exit
– klaatu –
– Der Wirt besang per Potpourri
das Fohlen und die Stute
und völlig unvermittelt die
Bestattungsinstitute.
Dann sang er von der Feuerwehr,
vom Kirchentagsgelände
und obendrein vom Vorstand der
Bezirksligaverbände.
Dann trällerte er irgendwas,
ich glaub von Zeltgestänge,
ich hörte es nur schwer durch das
Zumausganghingedränge.
– Rudolf Anton Fichtl –