Absage an eine
altehrwürdige Gedichtform
( Sonett )
– Was? Ein Sonett soll ich noch heute schreiben?
Da möchte ich doch gleich den Mut verlieren.
Es wird gewiss den Oden-Wald nicht zieren,
deswegen lasse ich es lieber bleiben.
So eins mit Reimen, die sich steif umarmen?
Und jeder Vers gespickt mit Knobelnüssen,
die Leser eichhornfleißig knacken müssen?
Wer dies erdachte, kannte kein Erbarmen.
Mir fehlen Handwerkszeug sowie die Themen,
solch ein Gebilde kunstgerecht zu drechseln.
Petrarca, Shakespeare sind für mich nur Schemen.
Ich würde zum Gespött der Lyrikforen,
drum seid so nett: Lasst uns das Thema wechseln
und mich und meine Muse ungeschoren ...
*
Das Fundstück
( Sonett )
– Verborgen unter allerlei Gerümpel
im stillen Kämmerlein, wohin kein Strahl
der Sonne, noch des Mondes je sich stahl,
dort liegst du stets bereit: mein treuer Pümpel.
Ich fischte dich aus einem seichten Tümpel.
Selenes scheues Lächeln huschte fahl
vorüber. Du schienst lockend wie ein Gral
zu raunen: «Sieh nur, wie ich trostlos dümpel!»
Will etwas nicht so flutschen, wie es muss,
entsiegelst du die allzu schmale Pforte,
die zu passieren ist, mit deinem Kuss.
Wo finde ich für dich die rechten Worte?
Du hältst die Dinge im gewohnten Fluss,
was kommen mag, ob Braten oder Torte ...
– Cornelius –