Februar 17, 2026



Winterlich



 – Der Schnee fiel heimlich. Draußen kauert

ein blindes Weiß, das Farben schluckt,

und eine wüste Stille lauert,

sodass kein Mund mehr Töne spuckt.


Nur eine große Schaufel hört

man kratzend immer näherkommen,

als ob sie wegreißt, was sie stört,

was ihr zu frei ist und verschwommen.


Wir halten still, von Angst durchschauert,

bis Frühling in die Fenster guckt,

und wissen doch, die Herrschaft dauert,

die alle Hoffnung eisern duckt …



– gummibaum – 

Februar 16, 2026

 


Schneewittchens 

Rosenmontag



– Frau Schmidtchen geht zum Karneval als Flittchen.

Frau Schmidtchen ist ein Ausbund an Moral

normalerweise, dort im Zillertal,

wo man sie kennt als Zillertalschneewittchen,

das couragiert den Zillertaler Kerlen

den Weisel gibt, wenn diese sie umgurren,

dann hört man Schmidtchens Kicherkatzenknurren:

Sie werfe vor die Säue keine Perlen,

es sei denn …! Und es ist im Karneval,

dass im Schneewittchen seltne Säfte gären,

die rosenmontags ihm das Herz beschweren,

dann pfeift Schneewittchen hörbar auf Moral …


dann haut's Frau Schmidtchens Haltung in den Keller,

ihr schwillt ein Giergesicht plus Lustpropeller.



– tordilo –



Februar 15, 2026


 

Gleiche Gier für alle!



– Paul Pütter ist vom Wesen her ein Reh,

ein scheues, wie es durch Romane springt

die Bächlein lang, derweil die Lerche singt;

und manchmal hüllt Paul Pütter auch der Schnee

in Jahreszeit und Stillvergnügen ein –

so pulst Paul Pütters Leben vor sich hin.

In seinem Schädel pulsen dick und dünn

die schönen Frauen zu Gesang und Wein,

wenn nach dem Winter ihn der Narrentrieb

zu Frohsinn und Enthemmung ruft, dann platzt

in Pütters Sein ein Knoten, Irrsinn kratzt

die scheue Seele auf … (wie Goethe schrieb:


Zum Rosenmontag juckt's in Zahn und Finger,

es schrumpft der brave Mann zum Lustmaulschlinger.) 



– tordilo –


Februar 14, 2026



Wo die Liebe hinfällt



 – Die Liebe wollte durch den Magen,

doch sie verlor sich im Gewühl

der vielen Dinge, die dort lagen

und blieb ein bloßes Bauchgefühl.


Drauf wollte sie im Herzen wohnen.

Das brannte plötzlich lichterloh,

worauf sie, statt dort lang zu thronen,

aus dieser Mördergrube floh.


Nun schleicht sie zwischen grauen Zellen,

in die sie ganz verstohlen linst,

und bleibt, im Dunkeln wie im Hellen,

nichts weiter als – ein Hirngespinst.



– Cornelius –



Februar 13, 2026



Licht im Februar



 – Licht im Februar
das Raben
die um eine Pfütze hüpfen
einen leuchtenden Spiegel beschert


mittags erwacht
von Baumschatten berührt
nach Monaten
das Weiß der Gartenmauer



– Christian Fechtner –



Februar 12, 2026



Die Anti-Revolution



XXX


 Das ist die

Anti-Revolution.


Die feindliche

Übernahme

der Zukunft.


Ein

voranschreitender

Rückschritt,


der lautstark

den Rücktritt

vom Fortschritt

einfordert.


Ein endloses

Laufen im Kreis,


auf der Suche nach

dem rechten Winkel.


Das ist

das verstaubte Rezept

für die gute, alte Suppe

der Urgroßväter,


die man am Ende

stets selbst auslöffeln muss.


Das ist

der Abbau der Kulissen

vor zahlenden Zuschauern.


Die Alternative

zu allem,

was hätte sein können.


XXX



– klaatu –



Februar 11, 2026



Die stille Verschiebung der Welt



 – Ich trage den Morgen

wie eine Frage in den Händen.

Noch ist er kühl,

noch weiß er nicht,

welches Licht er werden will.


Die Zeit geht barfuß

durch meine Gedanken,

sie hinterlässt keine Spuren,

nur ein leises Verschieben

der Dinge, die ich sicher glaubte.


Ein Vogel hält inne

zwischen zwei Flügelschlägen.

In diesem Augenblick

passt die ganze Welt

in ein ungesagtes Wort.


Ich lerne,

dem Unfertigen zu vertrauen.

Dem Zittern vor dem Mut.

Dem Atem vor der Entscheidung.


Und irgendwo,

ohne Namen und ohne Ziel,

beginnt etwas in mir

zu bleiben.



– Önder Özkan –