Juli 12, 2026

 


Mariahilferstraße



 – wo ein bettler einsicht sucht

links und rechts

wie ich


spieglein spieglein an der wand

wo verhältnisse mäandern

eilwärts zum design

tritt ein


alles ruft tritt ein tritt ein


großer gott genug genug

zeit um auszuwandern

ehe abend wird


sind einander ein vorüber

ein museum alter kunst

schaukelnd durch den strom


kommt ein kindgesicht und sagt:

fühl dich.

eintritt frei



– Scal –



Juli 11, 2026



Abendromantik



 – Himmel, du schweigst in den Abend hinein

mit ruhig verharrender Decke.

Der Wind zog vor Zeiten die Flügel schon ein,

das Graue wiegt lichtere Flecke,

und einzelne Wölkchen sind rosa gesäumt –

Wer länger betrachtet, mag glauben, er träumt.

Er steigt wie der Rauch, wenn kein Lüftchen sich regt,

in Blicken hinauf, bis die Nacht ihn umhegt …



– gummibaum –



Juli 10, 2026



Illustriert



Die Häuser weggedacht

Ihre Stimmen

Ihr Trotzen

Auf irrlichternden Aussparungen


Ihre Ziegel

Ihr Klingen


In den Giebeln

Aufruf


Eine schwarze Schwinge


Die zurück

Die Stämme hinauf läuft

Am Dach ein Poltern ein Flug


Blaugrün

Getragen


Nahten zum Wald



– ubertas –




Juli 09, 2026



Einander erkennen



 – Du bist nicht das Feuer in meinem Leben.

Du bist die Stille, in der ich begreife,

dass Wärme nie vom Brennen kam.


Seit es dich gibt,

messe ich Zeit nicht mehr in Tagen,

sondern in Augenblicken,

die bleiben,

obwohl sie längst vergangen sind.


Ich liebe dich nicht,

weil du mich ergänzt.

Ich liebe dich,

weil neben dir nichts in mir fehlen muss.


Und manchmal denke ich,

wenn alles vergeht,

Namen, Städte, Erinnerungen,

dass irgendwo im Innersten der Welt

die Spur existiert,

dass wir einander erkannt haben.



– anonym –



Juli 08, 2026



Anvertraut



 – Deine Hand

liegt in meiner.


Haut auf Haut.


Und doch

hält mein Körper

den Atem an,


als hätte jemand

etwas Seltenes,

in Tücher gewickelt,


an meine Brust gelegt

und gesagt:


Trag es vorsichtig.



– Chandrika Wolkenstein –



Juli 07, 2026



Im Riesenrad


 

 – Die bunten Lichter flackern leise,

Diese Nacht kreist wie im Traum,

niemals laut und niemals weise

runden sie den Häusersaum.

 

In der Ferne die Konturen

drehen sich im Himmelslauf.

Schmecke Zuckerwattespuren,

es geht runter, es geht rauf.

 

Und mein Kopf fühlt eine Süße,

schwindelig vom Weiterdrehen,

und ich sende Freundesgrüße

an die Nacht und die Chausseen.



– Heike –



Juli 06, 2026



Atem 


(Tanka)



süßwassermuscheln

zersplittert im ufersand

des atmenden sees


die wellen heben sich und

senken sich leise leise



– Hans Hermann –