März 26, 2026

 


Das hier hat nichts 

mit Politik zu tun, 

ich schwöre es!



– Das hier hat nichts

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

werberelevanten Zielgruppen,

die zu Marketingzwecken

militarisiert werden


&


Abrissbirnen,

die gern Innenarchitekt

spielen möchten.


Mit Monopolisten,

die mit dem Messer auf der Brust

Kundenbindung betreiben.


Mit Klassenkampf

als Kapitalanlage


&


sich selbst

konsumierenden

Konsumenten.


Das hier hat nichts

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

sprechenden Aufziehpuppen,

die dem inneren Schweinehund

Pep Talk zuflüstern


&


Werbeflyern,

die nicht mehr nur in den Briefkasten,

sondern direkt in dein Herz gestopft werden.


Mit Problemen,

die nicht gelöst,

sondern genutzt

werden wollen


&


Prozessen,

die im Hintergrund

im Stechschritt marschieren.


Das hier hat

WIRKLICH nichts

mit Politik zu tun!


Sondern mit

Bürgerkriegsrhetorik


&


gewalttätigen Rachefantasien

als Teil des Parteiprogramms.


Mit Listen,

auf denen Namen stehen,

die abgehakt werden sollen


&


Rissen im Display,

durch die Leute

verschwinden.


Mit Entfremdung,

Zeitmaschinen,

Testosteron


&


Dingen,

die eben passiert sind


- oder auch nicht.


Mit Entmenschlichung,

Börsenständen,

dem analogen Holocaust


&


einer Welt,

die sich weitergedreht hat.


Das hier hat nichts,

aber auch rein gar nichts,

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

zu. wenig. Liebe.


&


Lügen,

wo man sie

am wenigsten

erwartet hätte.



– klaatu –



März 25, 2026



krawumm



 – wie es krawummte

fürchterschön

und wie aus zisch

krawumm

ein licht entstand

und dieses licht

mit noch mehr zisch

krawumm

in tausend lichter

lichtete

so bunt so

glitzeritz

so tausendschön

und dann das dunkel

zwischen

all dem licht

wie es so dunkelte

so tief so dunkel

dunkel tief

und dann

wie aus dem nichts

krawumm und zisch

lachen

staunen

in gesichtern

die kein alter kennen

und augen

augen

voller sterne



– Otto lenk –



März 24, 2026

 


befreiung



 – winzige tode liebkosen den himmel

sie singen in silbernen zungen

stoßen in wolkiges menschengewimmel

und ist ihr lied schließlich verklungen


greift ein gesäusel nach dampfenden herzen

bevor sie zu traumstaub gerinnen

führt ihren glauben weit hinter die schmerzen

und faltet das diesseits nach innen


unbeirrt predigen untote wächter

seid folgsam und betet sie nieder

doch nur das echo der lachenden schlächter

hallt von ihren hoffnungen wider


endlich betritt eine stille den tatort

und nimmt sich der heiligen schein

brennt dann ein einsames amen als schlusswort

in jedes erlöste gebein



– Marcus Sommerstange – 



👉  Interpretationsversuch: 

  

Die «Befreiung» im Titel ist bewusst ambivalent. Es geht nicht um eine eindeutig positive Erlösung, sondern eher um ein Entkommen aus Schmerz, Illusionen und vielleicht auch religiöser Bevormundung – allerdings um den Preis des Todes oder der völligen Auflösung.


Das Gedicht beschreibt eine Welt voller Leid und trügerischer Heilsversprechen. Die eigentliche Befreiung liegt nicht im Glauben oder in äußeren Autoritäten, sondern in einer stillen, endgültigen Auflösung – die gleichzeitig Frieden und Leere bedeutet.


 

März 23, 2026



Allerwelts-Limericks



Das Technikmuseum in Boston

vergab einen Nachtwächterposten.

Den Weg zur Toilette

versperrt eine Kette,

weshalb nun Metallteile rosten.

 

*

 

Ein Freizeitathlet aus Jaunde

verbrannte im Busch seine Pfunde.

Das Hemd frisch gebügelt,

so lief er, beflügelt

von Löwengebrüll, eine Runde.

 

*

 

Ein zweifelnder Mönch aus Mombasa

befand: «Ich mach Tabula Rasa!»

Er schloss sein Brevier,

trank rasch noch ein Bier

und arbeitet jetzt für die NASA.

 

*

 

Geflüster im Beichtstuhl in Lüttich:

«Vergebung für Sünden erbütt ich!

Doch trink ich mit Stil

und niemals zu viel.

Das meiste, Hochwürden, verschütt ich.»

 

*

 

Ein Goldkehlchen aus Okinawa

spuckt Töne wie flüssige Lava.

Meist schafft die Verehrte

nur Näherungswerte,

doch trifft sie mal, jubelt man: «Brava!»

 

*

 

Ein Bastler aus Nuku'alofa

frisierte sein klappriges Mofa.

Zuerst ritt er cool

den feurigen Stuhl.

Nun liegt er lädiert auf dem Sofa.

 

*

 

Ein Forscher am südlichen Pol

isst täglich gedünsteten Kohl.

Er sagt mit Genuss:

«Das hält mich in Schuss!»

Doch klopft er ans Stirnbein, klingts hohl.



– Cornelius –