Mai 29, 2026



menschenwurzel



 – wäre ich dein

sehnte mich in harmonie begriffe jedes blasse irgendwann wäre ich verschränkt mit wogender ruhe glitte ich entlang deines ursprungs wäre ich raugraues hauchen benetzte in sanften schwüngen sphären deiner sicht fauchten ahnungen eines vielleicht stifteten dir träumende fragen als schlichte wahrhaftigkeit bezeugte deine verwundbare unnahbarkeit empfinge fassungs lose küsse im glitzernden nebel des welken tags wäre ich sturm festes herz stolzer traurigkeit schenkte ich aufrichtige treue meiner gewissheit tropfte durch deinen kreis lauf ließe ich fließen ließe dich spüren ließe uns sein

wäre für immer dein

wäre ich



– Marcus Sommerstange –



Mai 28, 2026



Aus einer Lücke



 – Aus einer Lücke entstand ein Regenbogen

Aus einem Regenbogen das Licht

Aus dem Licht traten Menschen

Aus den Menschen kamen Wörter

Aus den Wörtern wurden Sätze

Aus den Sätzen entstanden Baupläne

Aus Bauplänen Häuser

Aus den Häusern drangen Geräusche

Aus Geräuschen wurden Schallmauern

Aus Schallmauern ein Ödland

Aus Ödland Enttäuschung

Aus Enttäuschung ein Wunsch



 – Max Neumann –



Mai 27, 2026



Willst du?



 – Willst Du mit mir Pferde stehlen,

wenn sich dazu Chancen böten?

Dich und mich, zwei halbe Seelen,

kühn zu neuem Wir verlöten?


Willst Du mit mir Sterne pflücken,

über allen Dingen schweben?

Glaubend Bergmassive rücken,

Welten aus den Angeln heben?


Willst Du Dich im Rausch verlieren?

Soll Dein Name alle Tage

unser Klingelschildchen zieren?

Dreimal Nein? Verzeih die Frage ...



– Cornelius –

Mai 26, 2026



Zeilen zum Verzweifeln


 *-*


Ab jetzt!


Jedes Bit eine Eilmeldung,

jeder Buchstabe ein Überfall!


Keine Sätze,

sondern global errichtete Landebahnen

für fliegende Spaghetti-Monster.


Hier spielt

blinder Glaube

Topfschlagen mit Tretminen


&


jeder kann

ein kleiner Märtyrer sein


- oder homöopathischer Antichrist.


Nagel dich selbst ans Kreuz

und mach ein Selfie davon!


+-*


Dann

akzeptiere die Firmenlogik.


Sorge dafür,

deine Lebensziele

in Deckungsgleichheit

mit den Quartalserwartungen zu bringen


&


vollführe

selbstmörderische Gedankensprünge

von langsam einstürzenden Eselsbrücken.


Deine Meinung

ist nur noch

Marketingwerkzeug.


Deine innigsten Wünsche

nur noch

das messbare Ergebnis

ausgeklügelter Werbekampagnen.


Hier sind

noch ein paar Zeilen zum Verzweifeln!


Und das sogar völlig gratis!


*-+


Derweil liegt der Kontext da

wie ein ausgeweidetes Wildtier

auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks.


Ausgesaugt

und weggeworfen

wie ein Saftpäckchen.


Die Türen,

durch die wir heute noch passen,

könnten morgen schon zu eng sein.


Doch um Wohnraum zu sparen,

werden nun große Teile der Bevölkerung

auf mikroskopische Größe geschrumpft.


Diese Gesellschaft

braucht keine weitere Revolution,


sondern einen Exorzismus.


+-+


Sinn

wird gewaltsam eingefordert


und


aus fadenscheinigen Fetzen

scheinbar ewigen Lebens

ziellos zusammengetackert:


Entgleiste Kreuzzüge

und Charter-Kamikazeflüge.


Auch ich

könnte sterben

für eine gute Lüge!


Jeder braucht ein Rettungsboot,

damit er weiter Bruchpilot

ohne Erklärungsnot

bleiben kann ...



+_*


Finale Ansichten bilden sich

wie Verstopfungen

in einem Abflussrohr.


Aber möglicherweise

ist man ja selbst der Wurm,

der drinsteckt.


Todesmutig gelangweilt

blicken wir in den Lauf

der Geschichte


- und warten weiter auf den Schuss.


-_-



– klaatu –



Mai 25, 2026



auf gegenseitigkeit



 – heute ich dir

wie du mir


auch


morgen


vielleicht nicht mehr so -

da sind noch welche die 

wie ich ihnen


übermorgen dann


schäumt es vielleicht wieder

wenn wir


unsere hände -


genau!



– niemand –



Mai 24, 2026



Welt



 – Ich lehne mich hinaus

Ins Niemalsland

Dort lebt ein Kind

Namens Ich


Wäre ich

Wäre nicht


Der Blick zurück


Hinein

In das, was ist



– Otto Lenk –



Mai 23, 2026

 




(Fotografie von 1925)



Im Lesegarten I


– Ach, wissen Sie, ich liebe Literaten,

Ich folge ihnen gern auf Schritt und Tritt,

Dem einen hab ich mal ein Steak gebraten

Und nahm ihn in den Lesegarten mit.


Mein Literat hat seine eigne Glätte,

Man bleibt als Frau nicht lange an ihm dran.

Jedoch, wenn ich ihn überhaupt nicht hätte,

Was fing ich dann im Lesegarten an?


Man hat Gefühl. Man ist ja nicht von Pappe.

Man gibt sich hin. Und wird auch mal geneppt.

Ich seh das Leben insgesamt als Schlappe –

Gelegentlich mit Kerlen aufgepeppt.





Im Lesegarten II



Ach, wissen Sie, ich liebe Lyrikfrauen,

Ich folge ihnen gern auf Schritt und Tritt,

Die eine hab ich mal im Rausch verhauen

Und nahm sie in den Lesegarten mit.


Sie  hat als Perle ihre  eigne Glätte,

Man bleibt als Mann nicht lange an ihr dran.

Jedoch, wenn ich sie überhaupt nicht hätte,

Was fing ich dann im Lesegarten an?


Man hat Gefühl. Man ist ja nicht von Pappe.

Man gibt sich hin. Und wird auch mal geneppt.

Ich seh das Leben insgesamt als Schlappe –

Gelegentlich mit Perlen aufgepeppt.



– Peter Welk –