August 01, 2026

 


Exponat | Kurator



Wenn dies eine Reise ist –


ohne Ziel,


leer und ohne

Pfad –


die ewige

Wiederholung


desselben Weges

mit neuer Erwartung.


Erst im Gehen –

zeigt sich

der Weg.


Wer,

in einer irrationalen

Gewissheit,


das Ziel

zu kennen meint,


bleibt

bewegungs-

und bewusstlos –


ein Verwalter.


Jeder Blick ist schon

Erwartung.


Der Blick zurück –

das Exponat

einer Erfahrung –


schauen wir

dem Kurator

gleich.


Und manche sehen

dort sogar:


Wahnsinnige,

die auf leeren Pfaden

schreiten.



– Rufus –




Juli 31, 2026



Die Berge schweigen



 – Die Welt trägt ihre Narben mit Würde.

Alte Bäume strecken ihre Äste in den Himmel,

als hätten sie nie aufgehört,

an das Licht zu glauben.

Flüsse bewahren Geschichten,

ohne sie festzuhalten.

Die Berge schweigen,

und gerade deshalb erzählen sie so viel.


Und wenn die Nacht kommt,

legt sie keinen Schatten über das Leben.

Sie sammelt nur die Stimmen des Tages ein

und verwandelt sie in Sterne.

Jeder von ihnen erinnert daran,

dass Licht niemals verschwindet.

Es wartet geduldig darauf,

wieder gesehen zu werden.


Und irgendwo

zwischen dem Schweigen der Berge

und dem Glanz der ersten Sterne


finde ich dich.



– Önder Özkan –



Juli 30, 2026



Noch bevor die Blätter fallen. 

Brief



 – Am Rande wovon - das führte zu weit.

Der granitne Stein, nicht klein, zeigt mir ein Gesicht: Augen, Nase, Mund.

Er besteht auf keiner Meinung. Derlei überlässt er mir.


Bin einmal hierhergekommen, Nebenflüsse zu besiedeln, bestenfalls mit Poesie.

Hab mich oft zurückgewandt, hin zum breiten Strom des Meinens, hab geworfen

Stock um Stock, Haselnuss und Esche - platsch! Hat man es gehört?


Den Mantel mit schmutzigen Flecken, den tragen seit jeher die andern.

Stimme vom Rand? Führte zu weit?

Magenverstimmung. Müde zudem.

Bestenfalls noch Poesie?


Nebenflüsse suchen, finden.

Auge, Nase, Mund.

Kam einmal hierher

zu siedeln.



– Scal –



Juli 29, 2026



Kopflabyrinth



 – in meinem Kopflabyrinth

gibt es verschlossene Räume

täglich vergesse ich den Inhalt

wie groß sie sind und wo sie liegen

Vermutungen besagen

sie sind nicht größer als eine Walnuss

oder ein Apfel

was man nicht sieht

kann nicht groß sein

aber nachts

spielen meine Träume dort Theater

abstraktes Kabarett

unsichtbare Besucher klatschen Beifall

verlangen Zugaben

es scheint

als ob die verschlossenen Räume

größer sind

als ich dachte



– stachelbeermond –



Juli 28, 2026



Die Zeit in Rom



 – Schwarzweißer Dunst der Straße

Die Zeit, Il Tempo, Tobsucht

Herzkoller im Gedankenwahn

Augenblick für den Blutmund

Gefüllt, fett, pochend


Wer den ersten Stein wirft …

Kugelhagel, Gedankenwahn

Blutmund lächelt schief:

"Der is keine gute Mensch"

Il Tempo

Herzkoller

Brandlöcher im Sakko

Carlo, WBM, Fler, Finanzen


Geldwäscheautomaten

Weiße Wörter, weiße Wächter

Weiße Waffen, weiße Wege

Marmorn ist die Gegenwart

Finanzbehörden, Palmen

Die Zeit in Rom



– Max Neumann –



Juli 27, 2026



Taverne



– Koriatiki und Kokoretsi,

ein frisches Brot und roter Wein,

vom Fass gezapft ist die Karaffe,

sie will ganz ausgetrunken sein.


Die Nacht schickt langsam ihre Boten,

die Fledermäuse schwirren stumm

mit aufgeregten Flügelschlägen

um das Tavernenlicht herum.


Das Knattern alter Dreiradkarren

stört die Besinnlichkeit der Nacht,

auch einen Hund, der müde anschlägt,

aus hundertjährigem Schlaf erwacht.


Der Leuchtturm setzt die roten Lichter,

Nachtfalter taumeln in das Licht,

fallen zu Boden, flattern weiter,

finden die neue Richtung nicht.


Die ersten Sterne werden sichtbar,

die Dunkelheit gewinnt Gewalt

über die Hügel, über die Felder,

schwärzt jetzt die Insel, macht sie alt.



– Karl Günther Schultze –



Juli 26, 2026



Grün


(Tanka)


 – grün die himmelshaut

grün gefiedert die äste

und grün der schatten:


dieses mächtige waldgrün

von sonne vollgesogen



– Hans Hermann –