März 28, 2026



Nachtgedicht



Es war einmal ein Elefant,

Der kam in einen Laden

Und sprach: «Ich möcht, ich möcht so gern

Im Porzellane baden!»


«Ein Bad», sprach die Verkäuferin,

«das nehmen Sie am besten

Dort zwischen Meißen zweite Wahl

Und Nymphenburger Resten.»


Der Elefant bedankte sich

Und ging zu den Regalen,

Er warf die ihm benannten um,

Dann trat er in die Schalen


Und Schüsseln, dass es Scherben gab,

Ganz wundervoll zerstampfte,

Darinnen nahm er dann ein Bad,

Dass es bis Meißen dampfte.


Und als er aus dem Bade stieg,

Gewaschen und erfrischet,

Da hat er die Verkäuferin

(sie war ja noch im Laden drin)

Am Blusenknopf erwischet:


«Sie!» sprach er, «Sie verstehen mei-

ne Porzellanneurose,

Doch darf die nie ans Tageslicht!

Was sag’ ich! Schon als Nachtgedicht

Verschweigen wir die Chose!»


Dann ging der Elefant hinaus

Und ward nicht mehr gesehen …

Zwei Fragezeichen blieben lang

Mit unverhohlnem Fragedrang

Am Ladenfenster stehen.



 – Peter Welk –




👉  Interpretationsversuch: 

 

Auf den ersten Blick wirkt das Nachtgedicht wie eine ulkige Geschichte, an der es nicht viel zu interpretieren gibt: ein Elefant, der in einem Porzellanladen baden möchte. Steckt dahinter womöglich mehr als nur ein lustiger Einfall?

 

Die Handlung spielt bewusst mit der bekannten Redewendung «wie ein Elefant im Porzellanladen». Der Elefant tut genau das, was man erwartet: Er zerstört alles. Die Szene wird dabei übertrieben und fast genüsslich beschrieben («ganz wundervoll zerstampfte»), was den komischen Effekt verstärkt. 

 

Interessant ist, dass der Elefant sein Verhalten bewusst auslebt. Er fragt höflich nach einem Bad und bekommt sogar eine scheinbar ernsthafte Antwort. Alle Beteiligten tun so, als sei die Situation ganz normal, obwohl sie völlig absurd ist.

Der Elefant könnte für ungehemmte Triebe oder zerstörerische Impulse stehen: Er weiß, dass sein Verhalten problematisch ist («darf nie ans Tageslicht»), trotzdem lebt er es vollständig aus. Das deutet auf einen Konflikt hin: Menschen haben oft Wünsche, die sie gesellschaftlich unterdrücken müssen. Das Bad im Porzellan wird so zu einem Symbol für verbotene Lust, heimliches Ausleben von Chaos oder Zerstörung.


Am Ende wird alles vertuscht («Verschweigen wir die Chose!»). Die letzten Zeilen sind besonders auffällig: «Zwei Fragezeichen blieben lang … am Ladenfenster stehen.» Das kann bedeuten: Es bleiben Zweifel und ungelöste Fragen. Die Fragezeichen symbolisieren: Staunen, Unverständnis, vielleicht auch Kritik am Geschehen.

 

👉  Oder sollte man diesen Interpretationsversuch als Geschwafel abtun und das Nachtgedicht als das nehmen, was es vermutlich nur ist: eine ulkige Geschichte?

 



März 27, 2026



hörig



 – Indem ich dich zerstöre

und mich zerstöre –

nur so kann ich sein.


Der Schmerz

nie allein –

unhaltbar.


Vergegangenes ist

Weg geworden.


Still und Stand

Friedenszeit

Menschenleer



– Rufus –



März 26, 2026

 


Das hier hat nichts 

mit Politik zu tun, 

ich schwöre es!



– Das hier hat nichts

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

werberelevanten Zielgruppen,

die zu Marketingzwecken

militarisiert werden


&


Abrissbirnen,

die gern Innenarchitekt

spielen möchten.


Mit Monopolisten,

die mit dem Messer auf der Brust

Kundenbindung betreiben.


Mit Klassenkampf

als Kapitalanlage


&


sich selbst

konsumierenden

Konsumenten.


Das hier hat nichts

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

sprechenden Aufziehpuppen,

die dem inneren Schweinehund

Pep Talk zuflüstern


&


Werbeflyern,

die nicht mehr nur in den Briefkasten,

sondern direkt in dein Herz gestopft werden.


Mit Problemen,

die nicht gelöst,

sondern genutzt

werden wollen


&


Prozessen,

die im Hintergrund

im Stechschritt marschieren.


Das hier hat

WIRKLICH nichts

mit Politik zu tun!


Sondern mit

Bürgerkriegsrhetorik


&


gewalttätigen Rachefantasien

als Teil des Parteiprogramms.


Mit Listen,

auf denen Namen stehen,

die abgehakt werden sollen


&


Rissen im Display,

durch die Leute

verschwinden.


Mit Entfremdung,

Zeitmaschinen,

Testosteron


&


Dingen,

die eben passiert sind


- oder auch nicht.


Mit Entmenschlichung,

Börsenständen,

dem analogen Holocaust


&


einer Welt,

die sich weitergedreht hat.


Das hier hat nichts,

aber auch rein gar nichts,

mit Politik zu tun,

ich schwöre es!


Sondern mit

zu. wenig. Liebe.


&


Lügen,

wo man sie

am wenigsten

erwartet hätte.



– klaatu –



März 25, 2026



krawumm



 – wie es krawummte

fürchterschön

und wie aus zisch

krawumm

ein licht entstand

und dieses licht

mit noch mehr zisch

krawumm

in tausend lichter

lichtete

so bunt so

glitzeritz

so tausendschön

und dann das dunkel

zwischen

all dem licht

wie es so dunkelte

so tief so dunkel

dunkel tief

und dann

wie aus dem nichts

krawumm und zisch

lachen

staunen

in gesichtern

die kein alter kennen

und augen

augen

voller sterne



– Otto lenk –