Licht
– vorfrühlingssonne kämmt
den durchscheinenden wald
schwebt still über den feldern
und haucht den duft
des blühenden spätwinters
über unendliche stauseen
von gelbem licht
– Hans Herrmann –
– Bin schon lange tot
Kam bloß zurück
Auf diese Straßen
Wo es begann
In roten, leeren Pyramiden
Pyramiden in den Augen von Fremden
Den Schluchten von Alleen
Dort standen die Pyramiden
Nur ich konnte sie sehen
Kein anderer Mensch
Leere, rote Pyramiden
Sie flüsterten Tod
Und dufteten nach Glück
Liebe und Erfüllung
Doch es waren rote Pyramiden
Leere Pyramiden
Die Geheimnisse in sich einsperrten
Pyramiden mit dem Duft nach Glück
Darum kam ich zurück
Wegen der Pyramiden
In den Schluchten der Alleen
Den Augen Fremder
– Max Neumann –
– Liebster, heut um Mitternacht
Da wars mir so, als wärn die Sterne
Dir näher noch als gestern
Hab darüber nachgedacht
Und weißt du was? Ich tät so gerne
Mit all den Sternenschwestern
Droben wachen über dich
Auf schwarzem Samt behutsam funkeln
Kometen für dich lenken
Traumesleise würde ich
Den Mond mit Wolkenflor verdunkeln
Und reinen Schlaf dir schenken
Später aber, Liebster mein,
Flög ich mit Wind und Eulenflügeln
Durchs Tal zu frühlingsbunten Hügeln
Und schlief wie du. Ganz tief. Allein.
– Andrea M. Fruehauf –
– Am letzten Tag im Februar
bin ich dereinst geboren.
Mein Altern blieb, ganz sonderbar,
so ziemlich eingefroren.
Ich wurde eins im vierten Jahr
und lag noch in der Wiege,
und Vater, der ein Preuße war,
im siebenjähr’gen Kriege.
Mit fünfzehn warb ich Goethe an
und lehrte ihn zu dichten,
mit vierzig Rilke, um den Mann
auf Orpheus auszurichten.
Zweihundertfünfundsechzig wär
ich heute. Doch beizeiten
gelobte Cronos folgenschwer,
mich langsam zu begleiten …
– gummibaum –
– Wie schön, am Sockel der Komoren
verträumt ins tiefe Blau zu blicken,
wo alle Uhren langsam ticken.
Hier lässt die Welt mich ungeschoren.
Welch Hochgenuss, herum zu dümpeln
und mich mit schicken Flossenquasten
am Meeresgrund entlang zu tasten.
Was soll ich in Gezeitentümpeln?
***
Ein Oktopus hat mir geschrieben
(noch tintenfeucht ist sein Gekrakel):
«Mein Lieber, Kiemen sind ein Makel.
Wir sind schon weit zurückgeblieben.
Die Kunde ist zu mir gedrungen:
An Land, da wimmelt es von Lurchen,
die träge durch die Sümpfe schlurchen.
Wer auf sich hält, der hat jetzt Lungen!»
***
Die Meldung heute: «Es wird hektisch.
Der Himmel braust von Fittichen
von Adlern, Tauben, Sittichen.
Ein Dodo gilt schon als eklektisch.»
***
Der Krake depeschiert mir eben
mit sehnigem Tentakelpinsel:
«Nicht weit von hier auf einer Insel,
da soll es jetzt Lemuren geben.»
***
Und heut beeilt er sich zu schreiben:
«Ein Klumpen Lehm ist Mensch geworden
und schon beginnt das große Morden.
Wir sollten wohl hier unten bleiben …»
– Cornelius –
– Oh
ich wackerer,
vom Sande unverstandener
Wüstenprediger!
Warum möchte bloß niemand
die herrlichen Symphonien hören,
die ich so zärtlich
in den Wind furze?
Oh
und warum
- wo wir schon mal dabei sind -
wundere ich mich überhaupt darüber,
dass keiner mehr Lyrik liest,
wenn sogar das hier
als „Gedicht“ durchgeht …?
Oh
wann höre ich endlich
mit diesen peinlichen Texten auf!?
Ist ja wirklich
zum Fremdschämen
mit mir.
Zum Glück
liest das hier keiner.
--- Dieses Gedicht steht zum Verkauf.
Leichte Gebrauchsspuren, nur ein paar mal gelesen.
Inklusive Extra-Satzzeichen: ,;,:-?-#!!“()&/%´;.;.-!?
In liebevolle Hände abzugeben.
Bitte nur ernstgemeinte Angebote
(gerne auch in Pfandflaschen) ---
– klaatu –