April 28, 2026



zwischen dem Vielleicht



 – das Chaos trägt ein Gewand
aus zerbrochenen Spiegeln
flatternd im Wind der Wahrscheinlichkeit
in jedem Splitter ein Universum
das sich selbst betrachtet

vielleicht ist die Schönheit
nur ein kurzer Moment
einer Ordnung
in dem das Universum innehält
und sich selbst versteht



– Morphea –



👉  Interpretationsversuch:
 

Das Gedicht «zwischen dem Vielleicht» bewegt sich stark im Spannungsfeld von Chaos, Möglichkeit und flüchtiger Ordnung. Es wirkt wie eine philosophische Reflexion über die Natur der Wirklichkeit und unserer Wahrnehmung davon.

 

Der erste Teil zeichnet ein Bild von Chaos, das «ein Gewand aus zerbrochenen Spiegeln» trägt. Zerbrochene Spiegel stehen oft für Fragmentierung – nichts ist ganz, alles ist in Teile zerfallen. Gleichzeitig spiegeln diese Splitter jeweils ein eigenes Bild wider. Die Formulierung «in jedem Splitter ein Universum / das sich selbst betrachtet» deutet darauf hin, dass jede Perspektive eine eigene Realität enthält. Das kann man so lesen, dass es keine objektive, einheitliche Wirklichkeit gibt, sondern viele subjektive «Mini-Universen», die jeweils ihre eigene Wahrheit reflektieren. Der «Wind der Wahrscheinlichkeit» verstärkt diese Idee: Alles ist im Fluss, nichts ist festgelegt, sondern entsteht aus Möglichkeiten und Zufällen.

 
Im zweiten Teil verschiebt sich der Fokus von Chaos hin zu Schönheit und Ordnung. Die Aussage «vielleicht ist die Schönheit / nur ein kurzer Moment / einer Ordnung» relativiert den Begriff von Schönheit stark. Schönheit ist hier nichts Dauerhaftes, sondern ein flüchtiger Zustand – ein kurzes Aufscheinen von Struktur innerhalb des Chaos. Besonders interessant ist die letzte Zeile: «in dem das Universum innehält / und sich selbst versteht». Das legt nahe, dass Ordnung und Schönheit Momente sind, in denen das Universum gewissermaßen Bewusstsein oder Klarheit erreicht. Man könnte das auch auf den Menschen übertragen: In Momenten, in denen wir Schönheit wahrnehmen, erkennen wir für einen Augenblick eine tiefere Ordnung hinter allem.
 

Insgesamt lässt sich das Gedicht als Meditation über Unsicherheit und Erkenntnis lesen. Das «Vielleicht» im Titel ist zentral: Es gibt keine festen Antworten, nur Annäherungen. Wirklichkeit erscheint als etwas Vielschichtiges und Instabiles, während Erkenntnis und Schönheit seltene, fast zufällige Momente sind, in denen sich für einen Augenblick Sinn zeigt. 


April 27, 2026



Wie nenn ich es …



 – Du bist im Kreis der zwölf das wilde Kind

von deinen Wangen perlt der erste warme Regen

die krausen Haare zaust ein ungestümer Frühjahrswind

du bist noch jung und unbeschwert verwegen


Dein Ding sind nicht die traurig ernsten Sachen

du pfeifst ein trotzig freches Lied mit spitzem Mund

wo andre weinen möchten ist es dir zum Lachen

in deinen wasserblauen Augen blickt man bis zum Grund


Hinter der Stirn logieren Unsinn Witz und Possen

ganz gleich wer etwas von dir will du machst es nicht

um deine Nase hüpfen ungezählte Sommersprossen

ich wär so gern wie du drum schreib ich dies Gedicht

 

... und nenne es – «Aprilgesicht» !  



 –TassoTuwas – 

April 26, 2026



 der Demolition Man


ist einer, der sich endlich mal was traut

hier durchgreift, aufräumt, sich um Ordnung kümmert

der alles was im Wege steht, zertrümmert

vor allem wenn man uns vom Teller klaut


die allerbesten Häppchen (also seine)

da wütet er, bis sich die Balken biegen

und bleibt kein Fakt auf einem andern liegen

begräbt der Stall beim Einsturz … arme Schweine


wo Unrecht weilt, erscheint er als Befreier

und wirft sich wie Godzilla in die Schlacht

erst fliegen Bomben, dass die Börse lacht

dann wieder Korken auf der Siegesfeier


er fing bescheiden an, mit einem Haus

(ein altes weißes, völlig démodé)

Gesetz, Verträgen, Booten auf der See

dem Napf der nimmersatten Kirchenmaus


bis er begriff, er könne ‚Großes' wagen

und demoliert seitdem (wo es sich lohnt)

so ziemlich alles und wohl bald den Mond

selbst Tempel, die nicht seinen Namen tragen


die Liste seiner Taten füllen Bände

was immer seine Hand berührt … muss sterben

was er noch vorhat? Chaos, Schutt und Scherben

und auch ein Armageddon, ganz am Ende



– Dirk Tilsner –



April 25, 2026

 


Genius



 – Er war ein bisschen wirr im Kopf,

und stieg auf einen Blumentopf,

statt wie er wollte, auf sein Klo,

und machte so die Blume froh.


In seiner Dusche ein Papier

mit Waschregionen 1 – 4.

Er hakte ab, doch half der Trick

ihm keineswegs beim Überblick.


Im Supermarkt stahl er Salat

versehentlich und bat um Rat,

warum er an dem Kassenband

trotz Lupe keine Kasse fand.


Sein Handy hielt sich meist versteckt,

doch hatte er es mal entdeckt,

so rief er sich auf Festnetz an

und quatschte mit dem netten Mann.


Warum ich von dem Mann erzähl

und euch mit seinem Unsinn quäl?

Damit ihr mich darin erkennt

und mich nicht länger «Genius» nennt …



– gummibaum –


April 24, 2026

 



Prolog: Mal ist man Arsch …



 – Ich schwörs,

ich konnte nichts dafür,

plötzlich war er da.

wahrscheinlich irrte er umher,

wusst’ selbst nicht wo er war.

denn was,

um gottes willen,

hatte er gesucht?

war doch der kalte stein

des bades sein revier,

und nicht das warme laminat

im schlafgemach.

auf jeden fall, ich ging,

ja, sah ihn noch,

in einem augenblick,

wollt meinem fuß noch sagen,

geh nicht, tritt nicht,

doch schritt und quaatsch und

aus und tot der silberfisch.

da lag er nun,

noch flacher als vorher.

er tat mir schrecklich leid, denn,

so fragte mein gewissen,

konnt’ es sein,

dass seine seele keine zeit,

sich zu beflügeln für die ewigkeit,

dort auf dem boden nun,

im silberfisch gequetscht, da lag?

der ewigkeit beraubt, von mir.

was war zu tun?

ein grab, eine bestattung musste her.

frieden für des silberfisches seele.

ich kniete nieder.

war gerade noch dabei

die reste aufzusammeln,

als eine polle mich von links erwischte.

hatschi und haste nicht gesehen,

nieste ich den kleinen kerl

in alle ewigkeit hinein.


Epilog: ... mal ist man Gott



April 23, 2026



Nie wieder Nordsee!



 – Dass dich hier ein Möwenschiss

treffen wird, ist so gewiss,

wie der nächste Regenguss

auf dich niederprasseln muss.

 

Übertrieben aufgebauscht

und von Wind und Meer berauscht

brechen Wellen in die See,

selbst der Rum hat ein' im Tee.

 

Heut wird Scholle aufgetischt,

aus der Gischt frisch rausgefischt,

steifer Grog in steifen Hals,

Preisen mangelt's nicht an Salz.

 

Ist der Urlaub dann vorbei,

winkst du noch von Norderney

weit hinaus auf hohe See,

Ebbe herrscht im Protemonnaie.



– Stefan Pölt –



April 22, 2026



Keine KI, mon ami!



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Keine KI

- nur menschliche Manie!


Das hier

sind noch Worte,

die so richtig schön

nach Affe stinken.


Reine Biologie.


Echte Handarbeit.


Mundgeklöppelt.


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Keine KI

- just me!


Ein von Geburt an

sedierter Schöpfergott.


Ein Buchstaben spuckender,

hochleistungsfähiger

Bioabfalleimer.


Ein multimedialer

Müllschlucker

mit Bulimie.


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Keine KI.


Keine geborgte Fantasie!


Keine per Knopfdruck erstellte,

postmoderne Collage,


um damit die leeren Wände

der eigenen Einfallslosigkeit

zu dekorieren.


Das hier sind noch

echte Synapsenspastiken

in einem Schimpansenhirn.


Ein möglicherweise

letztes, ratloses Zucken

meiner digitalen Achseln.


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Aber keine KI, mon ami

- nur ich und mein nutzloses Restgenie.


Zum Beweis,

verhunze ich jetzt extra

das Ende dieses Textes.


Denn ich darf das!


Weil ICH eben

nur ein Mensch bin, Alexa!


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– klaatu –