Meerbild ohne Rahmen
– Morphea –
– Morphea –
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Da sitzt du,
wie von einem kranken Gott
dahin gerotzt.
Wie vom Ozean der Schöpfung
angespültes Strandgut.
Mit Gedanken,
die einfach mittendrin
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Die gemeinsamen Nenner
haben sich
gegen dich verschworen!
Wo einst
alle Quellen frei sprudelten,
stehen nun Absperrgitter
und überteuerte Getränkeautomaten.
Geh viral
oder geh zur Hölle.
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Märtyrer mit
eingebauten Münzschlitzen
bieten lizensierte Seelenmassagen.
Du kannst einfach sitzenbleiben,
deine Wahnvorstellungen
werden in Watte gepackt.
Hier verrechnet sich keiner,
hier wird Mathematik revolutioniert!
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Realitäten
werden feierlich
zu Grabe getragen,
während sie
vor den Trümmern zerbombter Brücken,
Obszönitäten ans andere Ufer rufen.
Wirf das Handtuch
in die dafür bereitgestellten Sammelbehälter.
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Du hast seit
sechs Wochen schon
nicht mehr geblinzelt,
aus Angst davor,
etwas zu verpassen.
Denn hier ist alles möglich,
schon hinter dem nächsten Ausrufezeichen
könnte der Tod lauern!
Dein Affenhirn springt
weiter aufgeregt kreischend
im endlosen Dauerlauf
um den ewig klingelnden Monolithen:
Internet essen Seele auf
Internet essen Seele auf
Internet essen Seele auf
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– klaatu –
Lieber Gott, wie wärs mit mir als Micker,
Dünn und drahtig könnte ich durchs Leben gehn?
Du, seit Wochen werd' ich immer dicker,
Du, ich kann schon meine Zehen nicht mehr sehn!
Guck ich runter, seh ich einen Hügel,
Unter dem ich Zehen nur vermuten kann,
Das Barockgespenst im Badezimmerspiegel
Guckt mich aus verschweinsten kleinen Augen an.
Manchmal träum' ich einer Stadtgazelle
Hinterher, wenn sie an mir vorüberschnürt,
Schließlich steh ich wieder an der Schwelle,
Die zu meinem Albtraumbadezimmer führt.
Ach, warum nur quälst du mich mit Träumen,
Füllst mich mit Gewicht und Sehnsuchtsbildern ab?
Stadtgazellen grasen in entfernten Räumen,
Und als Dicker hast'e dorthin nicht den Trab.
Lieber Gott, auch wenn wir es beklagen,
Sind wir beide – guck mal in den Spiegel! – viel zu dick.
Soll'n wir eine Kur dagegen wagen?
Oder nehmen wir's gefasst als Daseinsknick?
Was? Du schweigst? Na, dann in Gottes Namen
Kann nur das die Lösung unsres Falles sein:
Lass uns einfach noch viel dicker werden, amen.
(Und jetzt lad’ ich uns zum Schweinebraten ein.)
– Peter Welk –
Vorbei scheint
jedes Wachsen jedes Werden
ein stilles Sein
verlangt nach seiner Zeit
Gedämpft sind
alle hektischen Gebärden
es macht sich etwas Müdes
weit und breit
Und über allem schwebt
ein dunkles Sehnen
an welches
ein Wohin sich
fragend schmiegt
Zum Horizont
hört man den Herbstwind tönen
dorthin wo bald ein weißes
Leinen liegt
– Niemand –
Spukgestalten in Gemäuern,
Sagen, die vom Werwolf handeln.
Späßchen, die das Herz erneuern,
Mädchen, die im Schlafe wandeln.
Fahler Glanz von Himmelsküsten,
Eulen, die vor Freude jodeln.
Schimmer macht aus stillen Lüsten
Beulen, die im Fieber brodeln.
Über das Gewölbe jagen
pegasüße Feuerreiter.
Glühende Zentauren tragen
Sternenschnüppchen als Begleiter.
Trolle hoffen auf Romanzen,
holde Feen auf fette Beute.
Krater platzen. Kälbchen tanzen
in Ekstase: Vollmond heute!
– Dirk Tilsner –