August 05, 2026

 


Nicht in diesem Leben



Dein Atem

liegt schwer auf den Jahren.

Du zwingst mich,

gegen den Herbst zu kämpfen.


Die Suche endet

nicht in diesem Leben.

Ich gehe weiter,

ohne zu wissen.


Dein Name

gebiert neue Gedanken.

Als hätte das Schweigen

eine eigene Sprache.


Nach jedem Verlust

bleibt etwas zurück.

Manche Seelen

verlassen diese Welt nie.



– Önder Özkan –



August 04, 2026



Einschlafspiel



 – Kinder, hieß es, legt euch schlafen!

… und wir folgten schließlich brav.

Doch des Zimmers dunkler Hafen

segnete uns nicht mit Schlaf.


Rollladen, die polternd fielen,

weckten unsre Fantasie,

uns noch etwas vorzuspielen,

was der Nacht ein Schauern lieh.


Und beim sanften Lampenscheine

köpfte uns das Henkersbeil,

brachen Schergen uns die Beine,

zuckten wir am Würgeseil.


Wimmernd, mit verdrehten Augen,

staken wir am heißen Spieß,

wälzten uns in scharfen Laugen,

bis das Leben uns verließ.


Schüsse krachten durch das Zimmer,

Bomben äscherten das Haus,

immer echter, immer schlimmer

breitete sich Schrecken aus.


Uns erschöpften Tod und Leiden,

das wohl nie ein Ende nahm -

Schließlich ließ sich's nicht vermeiden,

dass der Schlaf uns überkam.



– gummibaum –



August 03, 2026



Warum die KI 

mich nicht ersetzen wird



 – Ich mache Sachen,

die wären jeder App peinlich!


Ich könnte jetzt einfach

den Punkt am Satzende

weglassen


So etwas würde sich

eine KI niemals trauen!


Ein automatisch erstelltes Gedicht

könnte euch auch niemals raten lassen,

mit welchem Körperteil

es den Text eintippte ...


und es würde auch nicht

mitten im Gedicht damit anfangen,

die Leser grundlos zu beschimpfen


Ich würde

- und das wisst ihr ganz genau,

ihr Wichser!


Seht doch nur:


___/-----\___


Dieser Satz hier

trägt sogar einen

albernen Hut!


Nur für euch!


Wo bekommt man

als Leser so was

schon geboten??


Im Gegensatz

zu einer künstlichen Intelligenz

könnte ich euch meine Texte

auch persönlich vortragen.


Von Mensch

zu Mensch.


(Igitt...)


Aber dafür müsste ich ja raus,

zu den ganzen anderen Bekloppten.


Also lassen wir das lieber.


Stattdessen gebe ich euch etwas Andreas,

was die KI euch nicht geben wird:


Ein bisschen leeren Raum,

um eure Fantasie anzuregen:

































Ich habe keine Angst davor,

dass ich überflüssig werden könnte


- denn ich bin es doch schon längst.


Seht doch nur:


Diese Zeile hier

ist ebenso unnötig

wie diese hier.


Aus produktionstechnischen Gründen

befindet sich das Ende dieses Textes

























































hier.



– klaatu –



August 02, 2026



Stroboskopie


 ( Fatras )



Die Zeit hat uns vernichtet
und mit uns jede Nacht.

Die Zeit hat uns vernichtet
indem sie uns belichtet,
wer nämlich lebt, der lacht,
belacht, verlacht und dichtet
die Löcher auf Verdacht,
die nur ein Locher macht.
Wer aber weint, verzichtet,
verzichtet und gibt acht,
wie er sich uns verpflichtet
und mit uns jede Nacht.



– FrankReich –



Hummelflug



 – Melodisch grüßt ein Finkenschlag

im Zoo Berlin den jungen Tag.

Am Eingang, unweit vom Gorilla,

steht stolz die Direktorenvilla.


Der Hausherr, noch im Morgenrock,

greift wohlgemut zum Wanderstock,

um seine Runde zu beginnen

und über Manches nachzusinnen.


Auf lichten dreiunddreißig Hektar

enthält die Flora reichlich Nektar.

Auch eine Hummel sieht man rasten,

um diesen Vorrat anzutasten.


«Du bist», doziert Professor Klös*,

«wohl mit Verlaub zu adipös,

um in die Lüfte zu entschweben.

Rein physikalisch …» Doch soeben


lässt ein sonores, tiefes Brummen

den Emeriten jäh verstummen.

Das Kerbtier summt an ihm vorüber,

versetzt ihm einen Nasenstüber


und landet sanft und elegant

schon auf dem nächsten Blütenstand.

Der Weise will nun weiterstreben –

zu Tieren, die nach Lehrbuch leben …


* (Heinz-Georg Klös, langjähriger Direktor 
des Berliner Zoologischen Gartens.)



– Cornelius –