Oktober 01, 2026



Albatros



 Vom schwarzen Fels, das Meer im Schaume klar,

herab und dieser Welt ein Letztes auszurichten …

Der Himmel eilt herbei und unsagbar

spricht er uns an, auf seiner Stirn zu sichten


der hohen Wolken weites Treiben,

des Sturmes Sprung von Wind zu Wind,

der Vögel Flügelspiel ein Bleiben

in Lüften warmen Blaus gewinnt.


So schleichen wir von schroffen Steinen fort,

ersegeln schneidig unseres der Firmamente.

Wir wanken anfangs, träumen diesen Ort

und flattern weiter. Nichts, was uns zertrennte.



– Béla Wiesner –



September 30, 2026



Septemberausklang



 – Lieber Sommer, lass dir sagen:

Länger sollst du uns nicht plagen,

denn ab morgen ist Oktober

und die Ernte liegt im Schober -


ausgenommen jene Orte,

wo der goldne Halm verdorrte

oder man das Notgereifte

traurig in die Scheunen schleifte.


Nur der größte Zeitverschwender

blickt noch müde zum Kalender.

Herbst - nur mehr ein bloßer Name,

unverbindlich wie Reklame.


Sommer, ja, ich sehe schon:

Du sitzt fest auf deinem Thron,

willst dort fürstlich weiter dösen

und den Würgegriff nicht lösen.


Selbst die Wetterfrösche schweigen.

Wagte einer, sich zu zeigen,

packte ihn der Storch beim Hintern,

statt am Nil zu überwintern ...



– Cornelius –





Der erkältete Omnibus


( für Kinder )


– hören >>



– Ein Omnibus ist müde

Und stellt sich vor ein Haus,

Er schiebt die Türen leise zu

Und löscht die Lampen aus.


Er ist schon eingeschlafen,

Ein Schild sagt gute Nacht,

Da hat im Haus der kleine Klaus

Ein Fenster aufgemacht.


Er schüttet kaltes Wasser

Dem Omnibus aufs Dach,

Der Omnibus kriegt einen Schreck,

Und davon wird er wach.


Der kleine Klaus am Fenster

Gießt Wasser immer mehr,

Der Omnibus erkältet sich,

Das Fieber plagt ihn sehr.


Der kleine Klaus holt Tücher

Und geht zum Omnibus

Und reibt ihn ab und drückt ihm auf

Die Scheibe einen Kuss.

   

«Jetzt darf ich dich behalten,

Du bist gesund gemacht!»

Und hopplahopp, der kleine Klaus

Steigt ein und hupt und lacht.


Der Omnibus soll fahren,

Und müde ist er doch,

Er fährt – und plötzlich fährt er quer,

Hängt fest in einem Loch.


Der kleine Klaus muss laufen,

Die Augen gehn ihm zu,

Er kommt nach Haus zurück und fällt

Ins Bett mit Hemd und Schuh.



– Peter Welk –



September 29, 2026



Wie einst im November



 – Streit in der Erstbezugswohnung,

Eifersucht, Stolz und Betrug,

für das Geschirr keine Schonung:

Weinglas - ballistischer Flug.


Und wenn die Vasen zerspringen

(Sturz vom Ikearegal)

und im Zerspringen erklingen

wie ein Keramikfanal,


liegt eine Ära in Scherben:

zwiebelmustergeschmückt.

Hoffnungen künftiger Erben

rings aufs Parkett gestückt.


So geht die Liebe zuschanden!

Wasser im Hochzeitsbouquet:

tagsdrauf schon abgestanden,

und die Romantik passé,


und das Zuzweitsein zersplittert

hart in der Realität

noch bevor sie verwittert,

ists für die Liebe zu spät.


Nachtrag


Mannomann ist das triste!

Bei diesem traurigen Chor

sargt' ich mich ein in die Kiste,

wär da die Liebste nicht vor.


Und jetzt genug mit dem Reden,

Glück ist doch, was man sich traut.

Schnupper mal: Frische Reseden.

Hab sie vom Friedhof geklaut.



– sufnus –



September 28, 2026



ein letzter beweis



 – wir sehen aus diesem fenster

in übergroßen mänteln

vermuten wir wärme dort draußen

einen glockenschlag

dein glas erhebt sich

der abdruck deiner lippen

ein windhauch

unter der tür

im flackernden

docht

zwei tropfen kühler


du bist wieder da



– ubertas –



September 27, 2026



Nights in white satin



 – Ich erinnere mich an angezogene Wäscheleinen.

An das HB-Männchen, das immer in die Luft ging, so hoch flog,

dass es die Antennenwälder auf den Dächern von oben sah.

Sehe Kaugummi-Automaten, mit verborgenen Schätzen drinnen.

Habe immer noch meine damaligen Träume vor Augen.

(Sehe immer noch diesen Abenteurer in mir)

Erinnere mich an den Mann auf dem Mond, Nächte mit Cassius und Ali.

Im Schlag meines Hosenbeins hätte ein Elefant Platz gefunden.

(In meinen Träumen das Universum)

Tonbandgeräte.

Die immer wieder scheiternden Versuche, rechtzeitig die Pausentaste zu drücken.

Die erste Zigarette, die wie Scheiße schmeckte.

Der erste Vollsuff. Dieses Gefühl, sich schneller als die Erde zu drehen.

An die Gartenparty. Nichts besonderes, dachte ich.

Und dann … Martina und Moody Blues.

Plötzlich diese Gefühle.

Du sahst mich an und lächeltest.

Dein Lächeln beruhigte mich.

Bis ich dieses leicht Frivole darin erkannte.

Du erzähltest von Unschuld und keine Angst.

Später im Zelt von Schuld und Koitus Interruptus und alles wird gut.

Ich verstand nichts, fühlte nur, auf eine Art und Weise, die es gar nicht gab.

(Oder nur in den Träumen, in anderen Universen, die Abenteurer entdecken)

Irgendwann, viel später in der Nacht, verstand ich deine Worte.

Wir standen vor dem Zelt, beobachteten den Himmel, lauschten den Sternen.

Träumten von fernen Universen, die wir gemeinsam entdecken wollten.




Richtung Gott?



 – Ich steh oben auf dem Kirchturm,

mit ´nem Papierflieger voller Träume in der Hand.

Lass ihn fliegen.

Richtung Mond.

Hoffe auf gute Sonnenwinde dort.

Passat Richtung Mars – Jupiter.

Bei den Ringen des Saturn die Thermik mitnehmen

und dann nur noch geradeaus.

Spätestens hinterm Pluto sollte was zu erkennen sein.

Falls nicht … na ja.

Vielleicht lags ja dann nur am falschen Papier.

Oder an den falschen Träumen.

Wer weiß das schon?



– Otto Lenk –



September 26, 2026



Erfüllungsstunde



 – Sie hat am Smartphoneknopf gespielt,

Und unaufhörlich kam ein Tuten,

Obgleich er das Versprochne hielt,

Vielleicht sogar zu viel des Guten


In ihren Armen unternahm,

Erfüllungsstunde im Quadrat!

Und dennoch kam und kam und kam

Das Tuten aus dem Apparat.


Ihm wurde bang, ihm wurde bänger,

Er seufzte tief in sich hinein:

«Es war doch lang, es geht nicht länger,

Das Tuten muss ein Irrtum sein … »



– ogolo –