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 Wirsache und Urkung



 – Wirsache und Urkung

verplett komdreht.


Beinschar gewirrte Verwollung.


Die wanze Gelt

kirwt wie gurchdetütschelt.


But oder Göse,

Täfer oder Opter,

Warz oder Schweiß,

Realisie oder Fantatät?


Stuchbaben nuchen sach Husammenzang,

no wur noch Losratigteik herrscht.


Nas ist woch Kirklichweit,

nas wur mupple Goprapanda?


Ist es noch Werbormation

oder schon Infung?


Ist has dier Unst

oder Kunfug?


Gernstemeinte Schotbaft

boder loß

banehüchener Södblinn?


Wer scheiß won noch,

wie da has zusammenwängt?


Borte lervieren ihre Deweutung

- Kinn steht Sopf.


Da wordrehe ich mir

sieber lelbst

das Vert im Mund!



– klaatu – 





Dada für Tata



 – Heinz war eine Palme 

aus Niedersprockhövel

manche sagen er war

bei seiner Geburt anwesend

befand sich genau neben

seinem letzten Schrei

der klang wie Paris-Brest

ab da reimte er nur noch auf Ulm


Und entsagte der Lyrik

aber wenn er am Strand

von Schorndorf saß

ihm die Kokosnüsse

aus der Aktentasche fielen

rief er mich an flüsterte Junge

buchstabier mirs noch mal

und ich dann so *M*E*N*S*C*


Ich denke oft an ihn

manchmal vergrabe ich

den Schatten einer Palme im Garten

lasse es gut sein



– sufnus –



 

Sonntagvormittag

 


– leise schwankend
der übermannshohe
Turm mit blonder Spitze:
 
ein Kinderritt
auf Vaterschultern

 
– Christian Fechtner –
 

 


Am Ende 

der bewohnten Welt



 – vor einer weißen Hausfront
schiebt ein halbglatziger Mann mittleren Alters
einen leeren Rollstuhl
durch den Regen


quer über den Bürgersteig
parkt ein Elektroroller
herausfordernd
als suche er Streit



– Christian Fechtner –





Spätlicht



 – Südwindbesiegelt ist unser Schlaf

ein Hirtenfragment kaum

lerchenschlaglang


Unsere Herden entweiden sich

am himmelgrünen Rand


Die Fremden der Häuser

Kindheitstransit

sieh doch nur


Wir zetteln die Sterne an

sind kleine Rufzeichen


Durch unsere Stimmen wandert der Mond



 – sufnus –





   Wasserwerkers Traum



Ich träume einen Wünscheltraum

der ist zehn Mondraketen tief

den fülle ich mit Weißem Hai

und Schokosladenspeisecrème


Dann kunterbunterpurzel ich

huschhusch ins Weidenkörbchen fein

von meinem schönsten Tauchballon

spiel fangen mit dem Bluppbluppwind


Und geh den Dingen auf den Grund

und mit dem Mördermuschelkoch

da würze ich das Wasser süß

das heut aus deiner Leitung kommt



    – sufnus –



 


Mittagsschatten



– Mittagsschatten
auf dem äußeren Fenstersims:
Inseln aus Vogelscheiße
in einem dunkelroten Meer
und die silberne Reise eines schmalen Insekts
bis ans plötzliche Ende der Welt



– Christian Fechtner –





 feuersalamander; 

du und ich



 – in deinem blick der duft

der letzten nacht noch immer

satt von dir das prickeln fühlen

wundgeküsst bis unter die haut

brennt das feuer folgen meine

fingerspitzen deinen spuren

gezogen über berg und tal durch

unsre wälder ein keuchen

im dickicht ein seufzen

wie eine lichtung

ein rascheln im feuchten laub

salamandern gleich gleiten

auf zu neuen gewässern



 – Claudia Neubacher –



 


von der zärtlichkeit 

des schweigens



 – manchmal lege ich
mein schweigen
auf deine nackte haut
dann berühre ich
das unsichtbare
zwischen uns
dirigiere die stille
und staune



 – sandfarben –





Heut


 
– Heut
hat er sich selbst verloren 
der Winter 
weggebrochen jede Härte 
das Eis im Blick 
vertaut 

Wie er behutsam
durch die Hasel geht
die grünen Kätzchen
liebevoll
in seinem Atem wiegend

ist er ein Mädchen 
ein Mädchen
ist der Winter heut


– niemand –


 


Liebesspiel 



 – ein Eichhörnchen jagt
ein anderes Eichhörnchen 
wild durchs Gerippe
des Alleebaums:
zwei nackte Herzen kurz vorm Überschlag
in der toten Brust des Winters 



 – Christian Fechtner – 



 


Standort



 – dort der Zaun

da der Kirschbaum

dazwischen du

 

hier die Sträucher

talwärts die Weiden

dazwischen ich

 

jenseits des Mondes

über den Wolken

inzwischen wir



 – tulpenrot –





abreise



– einfach weg
sagt er sich

den koffer gepackt
alles, alles rein, nichts bleibt hier
außer diesem scheißleben

auf seinem weg
begegnen ihm
gesichter

deren mimik fragt ihn
meinst du
uns geht es anders?

sein schritt wird schneller
mit dem blick zur uhr

am bahnsteig
steht schon der zug
weg hier, jetzt oder nie

sagt die anzeigetafel
und ein pfiff gellt
höchste zeit

dann fährt er
der zug
ohne ihn ab


– Jörg Schaffelhofer –




letzter november



 – als ein novemberwind des abends

in einer pappel sich verfangen hatte

befreite ich ihn vorsichtig

aus dem geäst und er

er lud mich ein

ihn zu begleiten

denn was willst du

im grauen land


da erinnerte die pappel mich

an meine kindheit

du bist wie ich

ich wachse schnell

breche leicht

doch hab ich stand wenn auch

im grauen land

der wind

er wird dich nur verwehen


ich will so sagte ich dem wind

noch einmal den lavendel seh‘n

wenn er in blüte steht

im grauen land

ganz so als gäbe es

doch hoffnungen

für hummeln und für kinder

für meine kleine trauer

und für eine liebe

wenn der lavendel auch vergraut

am späten jahr

dann wind dann bitt ich dich

verwehe mich



 – charlotte van der mele –