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 Das Grinsemännchen



 – Das Grinsemännchen geht umher,

sein Grinsen ist spektakulär,

geht irgendetwas in die Binsen,

sucht es als heil es zu ergrinsen.


Es grinst den Aufprall aus dem Sturz,

das lange Elend grinst es kurz,

es grinst die tiefste Tiefe seicht,

das Schwerwiegende grinst es leicht.


Es grinst, was mächtig ist und groß,

auf runter und bedeutungslos.

Grinst Tropfen aus dem Regenschauer,

zuweil‘n auch Tränen aus der Trauer.


Es grinst ein Schlecht in jedes Gut,

die Feigheit grinst es in den Mut,

grinst stets ein Zwecklos in den Zweck.

Ich hoff‘, es grinst sich selbst bald weg!



 – niemand –



 


Sonnenklar



 – Die Landschaft wirkte heute finster,

im Grunde war es noch zu früh

für diesen sonnengelben Ginster,

doch er stand da, in Heiwiedü.


Den Namen hab ich wohl erfunden,

denn eigentlich war das kein Ort.

Wem zu begegnen bräucht es Stunden –

was suchte dann ein Ginster dort?


Ich sah ihn an und dachte: Linst er

zu mir, weil er das seltsam find,

dass in den Feldern, rund um Münster,

zur Zeit noch solche Deppen sind,


die, bar gewohnter Pferdestärken,

auf einem Stahl-Ross ziehen, wie

ich. Diesen Strauch, muss ich mir merken,

samt seinem Hang zur Ironie!


So langsam schwand des Morgens Finster,

aus Wolken sah die Sonne raus.

Ich dachte lang noch an den Ginster –

mir wurde klar, da steht und grinst er


noch immer –

ja, der lacht mich aus!



 – niemand –



 Im Bunde



– Im Vorgarten steht eine Rose

(ihr Rot sticht hervor aus dem Schmutz

der Hausmauer) in einer Pose,

als suche sie Rückhalt und Schutz


vor jeglichem Wetter und Lage.

Die andern Gewächse stehn krumm,

gebeutelt bei Nacht wie bei Tage,

die Rose haut scheinbar nichts um,


kein Regen, kein Wind und kein Schauer,

nicht eines der Blättchen, das fällt,

als lebten hier Rose und Mauer

in einer gesonderten Welt.



– niemand –



 


Lascher Mittwoch



Der Ascher quillt über, Hermine,

die Tage des Narren sind tot.

Der Qualm schwängert Luft und Gardine,

in Ohnmacht fällt grad eine Spinne -

auch mich haut der Tag aus dem Lot.


In Armen des Spirit gefangen,

erschien sie mir rosig die Welt,

am Montag. Heut starb mein Verlangen

nach ihr, sie erfüllt mich mit Bangen -

ihr Antlitz scheint grausam entstellt.


Ich weiß nicht, was soll das bedeuten,

dass ich derart unmutig bin -

noch gestern per DU mit den Leuten,

die sich, so wie ich, närrisch freuten,

seh ich keinen Sinn heut mehr drin.


Mir ist nach Versinken im Bette,

nach Weltflucht, nach Tiefschlaf und Ruh.

Zur Zeit jedoch, in dieser Stätte,

bin ich noch mit Kopfschmerztablette

und Bismarck, dem Hering, per DU.



 – niemand –



 


März



Der Wind pfeift rau, die Pappel zittert,

ein Specht, der fällt, Gehirn erschüttert.

Schad, grad war er aufs „Klopf“ noch stolz,

doch härter als sein Kopf ist Holz.


Die Sonne sucht die Welt zu küssen

und erntet Unmut der Narzissen –

sie schauen müde aus der Wäsche.

Welch kalter Kuss klagt eine Esche,


und spricht in Richtung weißer Birken:

Sie denkt, sie könnte hitzig wirken.

Die ist so blass, man glaubt gleich fälltse

vom Himmel. Ja, betont die Stelze,


die nah am Rand vom Weiher geht,

an dem ein Reiher bleiern steht,

den es nach Frosches Schenkeln giert.

Letztendlich bleibt er angeschmiert –

das Fröschlein lässt sich nicht stibitzen,

zeigt ihm nur, wo die Locken sitzen.


Ein Schneeglöckchen übt auf der Bimmel,

und über dem müht sich der Himmel

sein  blaues Band noch fix zu hissen –

das will vom Flattern kaum was wissen.


Ein Königsblau sei wohl sein Ziel –

hierzu brauchts Zeit


bis zum April!



– niemand –



 Bankgeheimnis



 – Wie sie dort saß mittags im Park

als sei ihr Körper nur Hülle

umgeben von einem Duft

der stark

roch nach Lavendel-Vanille


die Augen geschlossen

der Mund nur Strich

zuweilen ein Zucken der Lider

als suchte sie etwas

tief in sich

und fände es dennoch

nicht wieder


Am Abend begann ein

Frühlingswind

der Welt etwas Luft

zuzufächeln


da sah sie auf

wie ein träumendes Kind

und schenkte dem Wind

ihr Lächeln



 – niemand –






Blümchengedicht



 – Es schoss, in Dichters kleinem Garten,

zu früh ein Blümchen aus der Erde –

das konnt den Frühling kaum erwarten.

Entgegen jährlicher Beschwerde

stand es nun da, der Dichter staunte

und raunte, mit entzückter Miene:

Ich nenn dich, Blumenkind, Hermine!


Des morgen kam er stets und schwärmte

vom feinsten Wuchs und zartem Blatt.

Der Winzling, der sich kaum erwärmte

für solche Worte, war bald satt

vom dichterschen «Zum Himmel heben»

und sprach zu diesem: «Lass, anstatt

des Sülzens, mich in Frieden leben!


Geh aus der Sonne mir, du Schwärmer,

dann wird mir wärmer, und ich kann

mich frei entwickeln, ohne Lärmer.

Häng mir nicht an der Ferse, Mann,

und nenn mich weiter nicht Hermine –

ich bin ein echter Tulipan!»



 – niemand –





Heut


 
– Heut
hat er sich selbst verloren 
der Winter 
weggebrochen jede Härte 
das Eis im Blick 
vertaut 

Wie er behutsam
durch die Hasel geht
die grünen Kätzchen
liebevoll
in seinem Atem wiegend

ist er ein Mädchen 
ein Mädchen
ist der Winter heut


– niemand –