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Oktober 09, 2026



Verwandlung



 Vorbei scheint 

jedes Wachsen jedes Werden

ein stilles Sein

verlangt nach seiner Zeit

Gedämpft sind

alle hektischen Gebärden

es macht sich etwas Müdes

weit und breit


Und über allem schwebt

ein dunkles Sehnen

an welches

ein Wohin sich

fragend schmiegt


Zum Horizont

hört man den Herbstwind tönen

dorthin wo bald ein weißes

Leinen liegt



– Niemand –



September 06, 2026



Die wunderbare Wandlung



 – Sie hielt ihre Seele im leiblichen Kerker,

(ein unscheinbar sinnloses Ding,

wie sie es gern nannte) Ein Drang war viel stärker,

in dem sie sich täglich verfing.


Der Drang ihren Korpus auf Hochglanz polieren.

Die äußere Schönheit hielt stand

gar ein paar Jahrzehnte, dann kam jenes Spüren

des Wandels. Bald lag auf der Hand


die bittre Erkenntnis, es lässt sich nichts halten,

weil Schönheit, samt Frische verfliegt.

Egal was man tut, man gehört zu den Alten,

von Zeit und den Falten besiegt.


Sie schlug alle Spiegel im Hause in Scherben -

ihr Anblick verursachte Pein.

Zuweilen befiel sie der Wille zu sterben,

da rief ihr das Innere: Nein!


Es gab, nach so vielen verborgenen Jahren,

zum weiter Verleugnen kaum Grund.

So ist ihr die Seele ins Antlitz gefahren,

ins Auge, die Wangen, den Mund.


Und wer sie erblickte, der sprach: Kaum zu glauben,

was ich grad erfahre und seh –

die Zeit hat geschafft ihr die Schönheit zu rauben

und doch ist sie schöner denn je.



– niemand –



September 01, 2026



Herbstliches Warten



Steht da jemand, steht und guckt -

einer, den sein Finger juckt,

samt Bedürfnis, mit den prahlen

Farben das zu übermalen

was vor ihm ein Stümper schuf,

folgend seinem biedren Ruf.


Der war keinem Rausch gewogen,

fort mit ihm, im Bausch und Bogen!

Dieses Grün schafft Augenschmerzen,

mit dem Wunsch es auszumerzen.


Wenn man solchen Grünstich hat,

wirkt die Welt wie Blattspinat,

über der (oh, Künstlerwonne!)

glänzt das Spiegelei der Sonne.


Kunst ist anders, Kunst braucht Größe,

sucht sich nicht an Bürgers Schöße

unterwürfig festzukrallen,

um dem Durchschnitt zu gefallen.


Und so steht da wer und guckt,

den sein Künstlerfinger juckt,

glaubend etwas Großes schuldig

dieser Welt zu sein. Geduldig

harrt er auf sein Künstler-Blühen,

in dem Farben Funken sprühen.



– niemand –



August 13, 2026



Süß!



 – Kürzlich sprach ein Wort zu mir:

Bin von den ganz herben –

hab es längst schon im Gespür,

ungesüßt zu sterben.


Du bist edel, wirkst apart,

sprach ich ihm, drum tröste

ich dich gern auf meine Art,

doch im Wörtchen löste


sich die Sperre und es rief:

Keine Ahnung, aber

immer alles positiv

deuten durchs Gelaber.


Wär mir für den Kitsch nicht schad,

sprach das Wort, als müsse

aus dem Stand es, weil malad,

rein in pure Süße.


Sag mal, Dichter, ist das Tee,

den du grade brühtest?

Zieht das Pulver, das ich seh,

welches du behütest,


nicht die reinste Zuckerspur,

die ich so vermisse?

Rief es, sprang ins Dextropur

und ertrank in Süße.


– nemand –

Juli 16, 2026



Der Eremit



– Er hat den Hals gestrichen voll,

von dieser Menge, dieser Brut.

Da wird ihm klar, es täte gut,

sich endlich auf den Weg zu machen –

schnürt sieben Sachen, packt den Mut

und zieht in einen Riesenwald.


Hier mach ich halt, will lang verweilen –

ich brauch nicht viel, nicht einmal Schuhe.

Will meine Einsamkeit und Ruhe

mit keinem, nur der Eiche, teilen!


Bald geht zum Himmel ein Gebet:

Hab tausend Dank für diese Stätte!


Mein Sohn, ruft ihm der Herr, ich wette,

du wirst bald aus dem Forst enteilen!

Mein Herr, bin doch kein Horst, nicht dumm …

werd ich von dir hier nicht gelitten?


Da lacht der Herr: Schau dich mal um –

hier wimmelt es vor Eremiten!



– niemand –

Juli 01, 2026



So langsam schwant mir was



 – Wie zieht der Schwan

den Blick doch an –

in einer stillen Weise


dreht seine Kreise

auf dem Teich

wirkt weise

blütenweiß und weich

erstrahlt mir sein Gefieder


Welch Prinz aus fernem

Märchenreich

denk wieder ich –


und wieder

das gleiche Spiel

in gleicher Art


Am Ufer fühl ich mich genarrt

sein Watschelgang nicht grad famos

er zischt mich an

sein Hals zu groß


Kein Prinz

aus fernen Ländern –

wird Zeit

den Traum zu ändern



– niemand –



Juni 20, 2026




(Bild Wikipedia)


Zwiespältig



 – Bin und bin es dennoch nicht

will gern und verneine

Schrat zugleich und Riesenwicht

fuße ich und beine


Reiße gern den Schnabel auf

spür den Fuchs im Nacken

probe mich im Elchkuhlauf

kau mit Eichhorn-Backen


Übe gern des Adlers Schrei

schlüpf in Rehleins Hülle

schwöre auf mein Hirschgeweih

und des Keilers Fülle


Streich das Hasenfell mir weich

mach den Wurzelbeißer

piep als Vöglein auf der Eich

fletsche Wolfes Reißer


Finde riesig mich und klein

nutzlos auserlesen 

könnt ein Wolpertinger sein –


und bin 

Menschenwesen



– niemand –



Mai 25, 2026



auf gegenseitigkeit



 – heute ich dir

wie du mir


auch


morgen


vielleicht nicht mehr so -

da sind noch welche die 

wie ich ihnen


übermorgen dann


schäumt es vielleicht wieder

wenn wir


unsere hände -


genau!



– niemand –



Mai 12, 2026



Bombus



Klettert und fällt abwechselnd –

brummelt

sich seinen Unmut bassig

in den Bart


Die große Fensterscheibe

ein Kontinent –

kein Hinausfinden

ohne Navigation


Doch die kleine Pelzkugel

gibt nicht auf

mitfühlend

stülpe ich ein leeres Glas

über den Wonneproppen


Rrrrrrrrrrraus ………… ist er!


Nicht ohne mir den Fall

auf seinen Rücken übel zu nehmen –

haben Hummeln

eigentlich Mittelfinger?


Der Flug in meine Wohnung

eine Einbahnstraße –

morgen

die gleiche Prozedur



– niemand –