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März 30, 2026



Tagepflückerlied



 – Geborensein, der große Fristbereiter:

Wir sind die Schwelle und die Zeit der Schreiter

auf Reisen von Paris nach Finistère:

Hic sunt dracones - keine Handbreit weiter!

Ein Kinderspiel vom Jetzt zum Ziel ... nicht schwer ...


Da darf uns schon die scheue Frage beuteln:

Was war nochmal in diesem Affenstall

der tiefre Sinn? Das ganze Kanzeldeuteln

führt in die Irre oder nirgends hin

(soweit die Innensicht vorm Einzel-Fall,

dem Absturz aus dem Traum vom Lustgewinn).


Doch wenn der Geist weht, steigt im Wind der Mut,

selbst Leib und Seele sind einander gut,

der Menschenkuckuck pfeift auf Klagefragen,

und Freude füllt den Kopf bis untern Hut

und hält das Schmuckstück lächelnd auf dem Kragen.



– Chamonixius –




👉  Interpretationsversuch – Das Gedicht beschreibt drei Stadien menschlicher Existenz

Aufbruch und Illusion: Leben als scheinbar einfacher Weg mit klaren Zielen. 

Zweifel und Sinnverlust: Kritik an Religion, Vernunft und der Idee eines festen Lebenssinns.

Lebensbejahende Wendung: Sinn entsteht nicht durch Erklärung, sondern durch Erleben, Mut und Freude.