Mai 15, 2026

 


Der zweite Atem



 – Vor etwa zweieinhalb Milliarden Jahren,

brach eine erste Katastrophe aus.

Aus allen Badewannen wurden Bahren,

und eine Eiszeit überzog das Haus.


Wie kam es zu dem Sterben und Erkalten?

Ein kleiner Mörder, ein Bakterium,

nahm sich das Sonnenlicht zum Wasserspalten,

und blubberte mit Giftgas um sich rum.


Die Anaerobier im Meer verreckten

und in der Atmosphäre das Methan.

Das Kohlendioxid, das es erweckte,

hat kaum noch was als Treibhausgas getan.


Nur Arten, die Entgiftungswege fanden,

und gegen lange Fröste stille Glut,

sind leicht bis schwer verwandelt noch vorhanden

und nutzen dieses Giftgas ziemlich gut.


Doch eine will nun wieder Mörder spielen,

indem sie dessen Nutzung übertreibt,

schon sterben die Empfindlichsten der Vielen,

wer weiß, ob diesmal jemand übrig bleibt …



– gummibaum –



👉  Cornelius kommentiert das Gedicht so:

Die «große Sauerstoffkatastrophe» vor knapp zweieinhalb Milliarden Jahren hast du so wunderbar lyrisch dargestellt, dass man buchstäblich den Atem anhalten muss.


Was die mikroskopisch kleinen Cyanobakterien damals mit ihrer «Wasserspalterei» anrichteten, führte zwar zu einem Massenaussterben anaerober Daseinsformen, legte aber die Grundlage für die Entfaltung des Lebens, wie es bis heute existiert – und hoffentlich weiter bestehen wird, wenn nicht, wie in deinem Gedicht angedeutet, eine einzelne aerobe Spezies allen anderen die Luft zum Atmen nimmt.


Leider neigt Geschichte, auch Naturgeschichte, dazu, sich zu wiederholen ...