November 17, 2024

 


In da Scheun 


(ein Weihnachtslied)



I

– foid gaunz socht

koide procht

stüh bein mondnschein

weißes tuach so fein

deckt de wies'n ein

grod erwocht

's kindal locht

in da scheun


II

hirtn stumm

schaugn si um

leicht gaunz hö a stern

und vo noh und fern

eil'n sogleich se gern

hin zan stoi

wo sie oi

si tan gfrein


III

dass da christ

kemman ist

der die wöhd befreit

boid vo sorgn und leid

und as herz werd weit

weu ma waas

oiss wiad guad

in der scheun


IV (Coda)

nie mehr sorgn und leid

und as herz werd weit

durt bein kind

bei da nocht

in da scheun



– Claudia Neubacher –



November 16, 2024

 


Eine Frage 

der Motivation 



Die Püdelin sprach zu dem Pudel:

«Ach, schenk mir doch ein Pudelrudel

mithilfe deiner Pudelnudel,

dann back ich dir nen Nudelstrudel.»


Der Pudel drauf zur Püdelin:

«Obwohl ich reichlich prüde in

der Liebe und auch müde bin,

geb ich mich dir als Rüde hin.»


Schon bald gab’s dann ein Rudel Pudel

(sprich, das besagte Pudelrudel)

und für den Pudel für den Trubel

den Pudelrudelnudelstrudel.



– Rudolf Anton Fichtl –



November 14, 2024

 


Guten Rutsch!



 – Was ist das, woher kommt das bloß,

das auf den Darm so schlägt?

Man spürt den Drang, man müsste groß ...

Und weiß, so schnell wird mans nicht los,

auf kultivierte Art -

hier wird doch nicht gespart?


Doch ja, es wird! Der Drang, er wächst!

Um noch gelassen, sprich: Relaxt

zu sein, ist es zu spät -

weil gleich, aus Mangel an Papier,

was in die Hose geht!


Dann steht man da, um allemal

zu sagen: Es gab keine Wahl!



 – niemand –



November 13, 2024



Sonett mit 

Enschambemong

 

(so manchen Lyrikforengesellen gewidmet)



– Sehr gerne schreib ich mit Enschambemong
Gedichte, denn dann flutschen alle Zeilen
so supi ineinander. Zum Verweilen
solln Leser gar nicht kommen. Am Plafong

der Dichtkunst wird gekratzt, wenn im Kartong
es rappelt, dass es kracht. Und beim Zerteilen
von Sätzen muss ich oft recht dolle feilen.
Das soll man bloß nicht sehn. Ein Komplimong

bekomm ich allerdings nicht oft geschrieben.
Hab sie vermutlich alle aufgerieben,
indem ich wähl echt schwierige Metaphern

und spar auch nicht mit coolen Inversionen.
Es kann nun mal hoch oben der nur thronen,
der mehr kann als der Rest an Lyrik-Raffern.



– Claudia Neubacher –


November 11, 2024






Schattenspielend



– Manchmal denk ich mich am Abend

aus mir selber weg und gleite,

schattenspielend zwischen Welten,

hin ins aufgeklappte Weite.


Manchmal häng ich dann an Bildern

oder Wörtern fest und menge

mich mit allem durcheinander

und verlier mich im Gedränge.


Manchmal fall ich dann in Tiefen,

über mir enteilen Räume …

und ein fremdes Ich am Morgen

löffelt Ei und deutet Träume.



– Peter Welk –



November 10, 2024

 


Die Fußgängerampel



 – Hier heult ein Merzedes, dort poltert ein Trampel,

und mittendrin waltet die Fußgängerampel.

 

Die Zeichen der Ampel, sie stehen auf Gehen.

So kommt der Verkehr auf der Fahrbahn zum Stehen.

 

Schon gibt es Gequengel im dichten Gedrängel.

«Das Ding hat», ruft jemand, «kein Sinn, aber Mängel.»

 

Ein andrer warnt alle vor Kröten und Fröschen

und tippt auf sein Smartphone, um Kukies zu löschen.

 

Da kreuzt wer die Straße mit blassgelbem Helm.

«Gewiss», singt ein Spatz, «ist das Volker, der Schelm.»



 – Didi.Costaire –



November 09, 2024



 Grenzschlaf



Grenzschlaf
wirre Träume
in die schon das grammatische
Bewusstsein funkt


in halbwachen Sekunden
sucht der Blick
den Tag hinter den Ritzen
des Rollladens



 – Christian Fechtner –