Mai 23, 2024

 


Passantin



gut anderthalb Meter
über dem Asphalt
eine energisch schwebende
Riesenschildkröte
die pink
durch den Regenmorgen leuchtet



– Christian Fechtner –





Käsekrümel und Rose


(Kindergedicht)
– Auf Omas großem Gartentisch
ist Platz genug für dicke Fliegen, 
die haben sich gerade auf den Tisch gehockt,
ein Käsekrümel hat dicken Fliegen angelockt. 
Ein schöner weißer Schmetterling
kann auf dem Gartentisch nicht landen,
die Fliegen rennen alle kreuz und quer,
mal eine vorneweg, mal alle hinterher,
ganz plötzlich alle hin zum Käsekrümel,
der Schmetterling steht flatternd in der Luft,
die Sonne hat den Käse weich gemacht und drum
treibts alle dicken Fliegen um den Käse rum.
Da kommt ein gelber Schmetterling herangeflogen
und hat den weißen mit sich fortgezogen
zu einer dunkelroten Rose hin. Dort sitzen
die beiden jetzt an dunklen Blütenblätterritzen
und saugen süßes Rosenwasser ein …
in Omas Garten wird’s bald Sommer sein.



– Peter Welk –


 


Irgendwo auf einem Ast hockt eine Meise.

Käfer laufen schnell. Der Wald ist leise.



 


Karrieresprung 



 – Es tritt die Jill-Inge aus Wocken

Dem Maddox gepflegt in die Glocken

Der trifft nun im Chor

Wie niemals zuvor

Die Höhen, ganz ohne zu stocken



– Volker Teodorczyk –



Mai 21, 2024



Bestandsaufnahme



– Zwischen Nelken, Veilchen, Rosen

sitze ich mit Kopfverband,

hinter mir die Düngerdosen,

hier in meinem Blumenstand.


Heute früh – mein lieber Schieber! –

fiel der Terrakottatopf,

aus der Blumenampel über

mir, auf meinen Hinterkopf.


Dass die Veilchen, Rosen, Nelken

nun in meinem Blumenstand

demzufolge nicht verwelken,

halt ich durch mit Kopfverband


und sinniere schon seit Stunden,

grüble hin und grüble her,

akkurat den Kopf verbunden,

was denn jetzt das Beste wär


für die Rosen, Nelken, Veilchen.

Aktueller Zwischenstand:

Heute bleib ich noch ein Weilchen,

morgen kommt dann Ferdinand.



– Rudolf Anton Fichtl –




Mai 20, 2024

 


Auszeit 



– Die Zeit, sie rennt. Sie rennt mir fort. 

Ich hinke hinterher.
Kaum bin ich hier, ist sie schon dort, 
Macht mir das Leben schwer. 


Mir fehlen Flügel, um zu fliegen. 

Die Zeit verfliegt im Nu.
So bleibt mal wieder alles liegen. 
Ich lege mich dazu. 



– Didi.Costaire – 



 


Oderufer 1947 



– Kinderbeine baumeln 

Von den Mauerresten 

Auf den Wellen taumeln 

Halbwegs Richtung Westen 

Kleine Schiffsfiguren 

Sie vollführen Tänze 

Auf der Strömung Spuren 

An und auf der Grenze 


Cześć! Ertönt‘s von Weitem 

Von der Ufer Auen
Auf den Feindesseiten 
Wo sich Arme trauen 

Aufgeregt sich strecken 

Über Grenzanlagen 

Und sich nicht verstecken 

Mutig Freundschaft wagen 



– Volker Teodorczyk –