Stroboskopie
( Fatras )
– FrankReich –
– FrankReich –
– Melodisch grüßt ein Finkenschlag
im Zoo Berlin den jungen Tag.
Am Eingang, unweit vom Gorilla,
steht stolz die Direktorenvilla.
Der Hausherr, noch im Morgenrock,
greift wohlgemut zum Wanderstock,
um seine Runde zu beginnen
und über Manches nachzusinnen.
Auf lichten dreiunddreißig Hektar
enthält die Flora reichlich Nektar.
Auch eine Hummel sieht man rasten,
um diesen Vorrat anzutasten.
«wohl mit Verlaub zu adipös,
um in die Lüfte zu entschweben.
Rein physikalisch …» Doch soeben
lässt ein sonores, tiefes Brummen
den Emeriten jäh verstummen.
Das Kerbtier summt an ihm vorüber,
versetzt ihm einen Nasenstüber
und landet sanft und elegant
schon auf dem nächsten Blütenstand.
Der Weise will nun weiterstreben –
zu Tieren, die nach Lehrbuch leben …
– Cornelius –
Wenn dies eine Reise ist –
ohne Ziel,
leer und ohne
Pfad –
die ewige
Wiederholung
desselben Weges
mit neuer Erwartung.
Erst im Gehen –
zeigt sich
der Weg.
Wer,
in einer irrationalen
Gewissheit,
das Ziel
zu kennen meint,
bleibt
bewegungs-
und bewusstlos –
ein Verwalter.
Jeder Blick ist schon
Erwartung.
Der Blick zurück –
das Exponat
einer Erfahrung –
schauen wir
dem Kurator
gleich.
Und manche sehen
dort sogar:
Wahnsinnige,
die auf leeren Pfaden
schreiten.
– Rufus –
– Die Welt trägt ihre Narben mit Würde.
Alte Bäume strecken ihre Äste in den Himmel,
als hätten sie nie aufgehört,
an das Licht zu glauben.
Flüsse bewahren Geschichten,
ohne sie festzuhalten.
Die Berge schweigen,
und gerade deshalb erzählen sie so viel.
Und wenn die Nacht kommt,
legt sie keinen Schatten über das Leben.
Sie sammelt nur die Stimmen des Tages ein
und verwandelt sie in Sterne.
Jeder von ihnen erinnert daran,
dass Licht niemals verschwindet.
Es wartet geduldig darauf,
wieder gesehen zu werden.
Und irgendwo
zwischen dem Schweigen der Berge
und dem Glanz der ersten Sterne
finde ich dich.
– Önder Özkan –
– Am Rande wovon - das führte zu weit.
Der granitne Stein, nicht klein, zeigt mir ein Gesicht: Augen, Nase, Mund.
Er besteht auf keiner Meinung. Derlei überlässt er mir.
Bin einmal hierhergekommen, Nebenflüsse zu besiedeln, bestenfalls mit Poesie.
Hab mich oft zurückgewandt, hin zum breiten Strom des Meinens, hab geworfen
Stock um Stock, Haselnuss und Esche - platsch! Hat man es gehört?
Den Mantel mit schmutzigen Flecken, den tragen seit jeher die andern.
Stimme vom Rand? Führte zu weit?
Magenverstimmung. Müde zudem.
Bestenfalls noch Poesie?
Nebenflüsse suchen, finden.
Auge, Nase, Mund.
Kam einmal hierher
zu siedeln.
– Scal –
– in meinem Kopflabyrinth
gibt es verschlossene Räume
täglich vergesse ich den Inhalt
wie groß sie sind und wo sie liegen
Vermutungen besagen
sie sind nicht größer als eine Walnuss
oder ein Apfel
was man nicht sieht
kann nicht groß sein
aber nachts
spielen meine Träume dort Theater
abstraktes Kabarett
unsichtbare Besucher klatschen Beifall
verlangen Zugaben
es scheint
als ob die verschlossenen Räume
größer sind
als ich dachte
– stachelbeermond –
– Schwarzweißer Dunst der Straße
Die Zeit, Il Tempo, Tobsucht
Herzkoller im Gedankenwahn
Augenblick für den Blutmund
Gefüllt, fett, pochend
Wer den ersten Stein wirft …
Kugelhagel, Gedankenwahn
Blutmund lächelt schief:
"Der is keine gute Mensch"
Il Tempo
Herzkoller
Brandlöcher im Sakko
Carlo, WBM, Fler, Finanzen
Geldwäscheautomaten
Weiße Wörter, weiße Wächter
Weiße Waffen, weiße Wege
Marmorn ist die Gegenwart
Finanzbehörden, Palmen
Die Zeit in Rom
– Max Neumann –