November 29, 2025



Mein Kälbchen



 – Lieb stöckelst du vom Bohlenbrett gebunden

Hinab zur Hölle die dein Fleisch begehrt

Das was du bist im Tode nur verehrt

Verkehrt hängst du schon bald in ein paar Stunden


In Reih und Glied gleich zwischen deinen Alten

Die eben noch Familie Heimat sind

Frau Kuh Herr Stier und du das Rinderkind

Am Haken Kälbchen werdet Ihr erkalten


Sei froh du Vieh dass Gott dich dämlich schuf

Nachdem er sich beim Menschen schwer vertan

Der sich am liebsten selber fressen tät 


Du muhst das Schwätzen wäre mein Beruf 

Ganz Recht hast du ich schwätz von Pietät 

Zerkaue dich dabei wie Marzipan



– Aron Manfeld –



November 28, 2025



Winter 



– Ein Flugzeug fliegt in Seitenlage 
Es hält die Position nur vage
An Bord befindet sich der König 
Der Rauschgiftgang von halb Venedig 

Es feiern Dealer, Hintermänner 
Auch der Pilot schnupft wie ein Kenner 
Fühlt sich beschwingt und vogelfrei 
Und greift am Steuerknauf vorbei 

Nun wird der Flug sehr unbequem 
Doch sich beschweren? Und bei wem? 
Und dann am Berg, die Havarie 
So viel an Schnee gab‘s da noch nie 



– Volker Teodorczyk –


November 27, 2025



paralyse



 – in dir legt sich dunkel auf das

an halt ende ein aus

und wieder die suche nach der frage


ja. atme. immer noch!


findest sie nicht

hast mit ihr gerungen, zu lange

glaubtest sie besiegt, endgültig


doch dieser schatten

ein ... blick ... fällst hinab in ihre asche

und diese trübe

aus ... halten ... driftest durch ihren vampiratem

und dieses echo

ein ... brechen ... verdorrst in ihrem sirenengesang

und dieses erinnern

aus ... weg ... fühlst ihr keusches gewicht


immer noch. ja. atme!


ein ... sie war sie ist sie bleibt

aus ... vermächtnis jedes tages

ein ... geißel jeder emotion

aus ... provokation jeder nacht

ein ... tränen jedes kusses

aus ... das wimmern vor dem augenaufschlag

ein ... die unendliche leere in deiner brust

aus ...


die frage? vielleicht gibt es sie wirklich nicht mehr

nur die zeit. so verdammt viel zeit


atme. immer noch. ja!



– Marcus Sommerstange –



November 26, 2025

 


Das Jahr neigt sich 

dem Ende zu



 – Das Jahr neigt sich dem Ende zu,

die Felder legen sich zur Ruh

von Flocken sanft bedecket,


da hast wohl, frecher Winter, Du

gar hurtig Schnee und Frost im Nu

aus tiefem Schlaf erwecket.


Die Nacht erstarrt in kaltem Blau,

die Feldmaus träumt in ihrem Bau

von Bucheckern mit Schleifen,


und ich bin kurz vor Gaggenau

der Grund für einen Megastau

mit meinen Sommerreifen.



 – Rudolf Anton Fichtl –



November 25, 2025



An Gustav Goldfisch



 – Oh Fisch aus Gold orangenrot im Rund

Des Glases schwimmst von links nach rechts umher

Von rechts nach links und glaubst du wärst ein Herr

Verblubberst Bläschen aus dem Schmollemund


Was magst du Blender denken frag ich dich

Ans Geld ans Weibchen Butterbrot und Mord 

An unbezahlte Rechnungen kein Wort

Entglitscht dir Schweiger aber sicherlich


Vergisst du stets am Ende deiner Bahn

Vergangenheit sonst könntest du nicht gleich 

Erneut den ewig alten Weg zurück 


Ertragen stets im eingespielten Tran

Gefangen in dem satten Goldfischreich 

Beneide ich dein stilles Daseinsglück 



– Aron Manfeld –



November 24, 2025



Canción de amor



 – Dulzinea von Toboso,

Deine Wimpern schlagen leise,

Deine Augen malen Kreise,

Deine Lippen glühen rot.


Dulzinea von Toboso,

Ach, so sternenferne Schöne,

Du, ich seh dich nur in Schatten,

Welche mir die Nächte werfen.


Dulzinea von Toboso,

Ach, wann werd ich dich berühren,

Denk dich hinter tausend Türen,

Träum die Sehnsucht bis zum Tod.


Dulzinea von Toboso,

Ewig will ich nach dir suchen,

Seh dich hinter allen Blicken

Und Gedanken unenträtselt.



– Peter Welk –



November 23, 2025



Interpunktion



Ich kann einen Punkt setzen

.

es ist mein Leben


hinter mein Komma

,

trete dann ich


Und einen Gedankenstrich

-

für alles was ich nicht getan hab


Nach meinem Doppelpunkt

:

zu einem gleichem ich


Ein Fragezeichen weglassen

?

an einem Tag ohne Antwort


Um keinen Ausruf zu erzeugen

!

bei dem ich immer noch schrei


Und selbst in diesem Unterstrich

_

bin ich ich



– ubertas –