Dezember 28, 2024

 


Ungeschlagen



 – Der Weg durch den Wald

ist voller Zauber

unberührt

steht der Tannenbaum


das grüne Gewand

ist einfach genadelt


die Stille adelt

ihn und

den Raum



 – niemand –



Dezember 25, 2024

 


Erdbeermilch 



Leg dich auf mich
Du süßes Stück
Und lass dich kühl umschlingen 
Die Welt kann uns
Im Rosenglück
Von Herzen berlichingen 



 – Andrea M. Fruehauf –



Dezember 24, 2024

 


nicht zu fassen 



verpasst 


manche momente 

zum beispiel 


als wir uns 

auf der rolltreppe 

begegnen 


du dir lächelnd 

durchs haar 

streichst und 


ich vergesse 

mich umzudrehen 


wegen dir 



 – Jörg Schaffelhofer – 



Dezember 23, 2024

 


Aus den Chroniken 

eines Steppkes 



 – Die Straße hatte damals eine Länge
von etwa sieben Lederstrumpfgeschichten. 
Wir konnten jagen, stromern ... ohne Zwänge, 

und wenn es hart kam, auf Bonbons verzichten. 


Am Strand im Urlaub sammelten wir Muscheln 

und ihrer Schönheit wegen(!) Kieselsteine. 

Im Schilfgras hörten wir die Nymphen tuscheln: 

«Der See birgt alte Schätze und Gebeine.» 


Im Kirschkern-Spucken warn wir echte Meister, 

bei Sauriern, ha! In jedem Streit die Schlausten. 

Wir glaubten an die Kraft der Poltergeister 

und dass Zyklopen nur in Märchen hausten. 


Der Kuchen Omas ließ uns dicker werden. 

Wenn Opa nieste, wackelten die Wände.
Ihr Garten galt als Paradies auf Erden:
Die Himbeerstaude nahm und nahm kein Ende. 


Den Becher Milch trank ich stets bis zur Neige. 

Ich war Korsar, ein guter, mit Gewissen. 

Mitunter leider auch ein wenig feige –
ich habe nie in einen Frosch gebissen. 



 – Dirk Tilsner –




Dezember 22, 2024



Winteres



 – Mein Mund schmeckt den Atem der Nacht, ihr Kadaver

zersetzt sich bereits, wird zu schwammigem Blau.

Das Funkeln der Sterne vergreist im Palaver

und fällt in den Rinnstein, zerschlissen und mau.

 

Ich mag kein verkrustendes Sehnen mehr, schleiche,

mein Herz in der Tasche, am Ufer entlang.

Die Wasser sind sprachlos, und Sturm trägt das bleiche

Gewölle der Zuversicht über den Hang.

 

Das Ding aber flattert, erbarmungslos brennend,

wie schwärendes Blut unter baumhohem Grind,

zerstörerisch krampft es mich niederzuzwingen.

 

Doch endlich ertrinkt es. Ein trotziges Kind,

das wütend zurückschlägt, sein Schicksal erkennend.

Vermag eine Nachtigall winters zu singen?



 – Andrea M. Fruehauf –



 

Dezember 19, 2024



 Im diffusen Licht 

des Nachmittags



vorhin
beim Blick durchs Küchenfenster dachte ich
der Wind treibt eine helle Plastiktüte 
gemächlich durch die Schatten des Innenhofs 


(dann aber sah ich
es hing noch
in dunklen Kleidern
ein flatternder Mann aus dem Hinterhaus dran) 



 – Christian Fechtner –



Dezember 18, 2024



 Die heiligen vier Könige



 – Drei Weise aus dem Morgenland,
sprich Osten, kamen angerannt,
durch Wüste, Trockenheit und Dürre,
sie brachten Weihrauch, Gold und Myrrhe.

 

Der Caspar und der Melchior

erreichten Bethlehem noch vor

dem Balthasar, der hatte Blasen

und konnte deshalb nicht so rasen.

 

Ein vierter wollt nicht huldigen

und ließ sich drum entschuldigen,

doch fehlte den drei Königen

der Wille zu beschönigen.

 

Sie beichteten im hellen Schein,

es fehle noch der Edelstein

von Phlegmar, denn so hieß der vierte

in Quellen nicht so oft zitierte.



 – Stefan Pölt –