Erinnerung
– Andrea M. Fruehauf –
– Andrea M. Fruehauf –
– Vor einiger Zeit in 'ner fürchterlich kalten
Dezembernacht eilen drei finstre Gestalten
durchs Land, denn sie müssen bei eisigen Winden
noch schnell einen schützenden Unterschlupf finden.
Der erste, ein Goldiger, zeigt in die Ferne,
dem Weingeist nicht abgeneigt sieht er schon Sterne.
Der zweite, mit ihm in die Wolle geraten,
beweihräuchert sich an den eigenen Taten.
Der Dritte im Bunde, ein mürrischer Alter,
zitiert ständig irgend 'nen Vers aus dem Psalter.
So stapfen sie schimpfend, das Blut schwer in Wallung,
und finden im Schneetreiben endlich 'ne Stallung.
Sie öffnen das Tor, doch da steht schon Gesindel
im Stroh um ein winziges Kindl mit Windel.
Laut fluchen die drei, von dem Anblick vergrätzt:
»O Jessas, Maria und Josef! – Besetzt!«
– Stefan Pölt –
– Adeventus spekulores,
Innehaltum für die Katz!
In Discounters und in Stores,
Run auf Fun und Schmakofatz.
Muti, Vati, Omi, Opi,
shopi bis zum Infarktat.
Personalum non Humores –
allesamtum maledat!
Jingle piept im Waren-Jungle:
Happy Christmas XXL!
Alle Tassen, oder Mangel,
schon im Schrank, eventuell?
Stupsen, schubsen im Gemenge,
Omi, Opi nicht mehr top –
Mutti: Tuti aus der Enge!
Allesamt zum Coffee-Shop!
Ploppt die Sippe auf die Matte,
kommt von Omi gleich der Schrei:
Frollein, einen Cafe-Late!
Schreit der Teenie: Mir ein Chai!
Mary Christmas tönts vom Jingle,
Mutti will Schwarzwälder Kirsch,
Vati reicht ein Schokokringel –
Mutti denkt nur: Welch ein Hirsch,
immer dieser Geiz beim Essen!
Da springt Vati plötzlich uff:
Hab den Parkplatz voll vergessen –
und dann sucht er seinen SUV!
– niemand –
– Ich lese keine Gedichte,
ich lese
Rechnungen,
Strafzettel
Mahnungen
- und Pfandflaschen
vom Boden auf.
Ich lese
Wahlversprechen,
Zeitungsannoncen,
Werbeanzeigen
- und die Zukunft
unserer Kinder
aus den Eingeweiden
überfahrener Katzen.
Ich lese keine Gedichte,
ich lese
Morddrohungen,
Gewaltaufrufe,
immer
länger
werdende
Todeslisten
– und die Angst
in euren Gesichtern.
– klaatu –
– Hart war der Winter damals,
Begrub das Feld und die defätistischen Kreaturen.
Manchmal verharrt einer für einen Augenblick,
Bis auch er entkräftet seiner Bestimmung folgt.
Der kurze Traum von einem Kuss der Königin. Umsonst.
Sie schneit schon seit Jahren
Nicht mehr vorbei.
– Dirk Tilsner –
es wird zeit mich anzuziehen
ich friere
die kälte kriecht mir unters hemd
es wird zeit
draußen scheint die sonne
die gegnerin der dunkelheit
im garten blühen noch die letzten rosen
gelbe und weiße
sie üben sich im widerstand
gegen den raureif auf den dächern der nachbarhäuser
auch ich werde mich
wappnen
starkmachen
für und gegen
für alle fälle
es wird zwar niemand an der tür klingeln
oder klopfen
aber ich will vorbereitet sein
vielleicht bringt ja jemand
eine tüte mit weichem quittenkonfekt vorbei
oder mit knusperharten springerle
ich würde die tür öffnen
bedenkenlos
– tulpenrot –
– Ach heile, heile, heilich:
Der Himmel schließt, beeil dich!
Trenn dich vom Daseinsmoder
per Schrotschuss, Starkstrom oder
tu dir halt Gift ins Essen,
sonst kannst du es vergessen,
auf einer Wolke 7
ein Engelchen zu lieben.
Willst du im Himmelswallen,
dir eine Schnalle krallen,
muss du zu Taten finden:
Im Po Granaten zünden,
dich einfach fallen lassen
von Hochhausdachterassen,
auch mit Piranhas baden
bringt dir genügend Schaden.
Am besten aber wär es
du wählst was, was nicht schwer ist:
Der Freund von meiner Nichte
schreibt liebend gern Gedichte –
drei Proben dieser Kacke:
Schon schmilzt dein Hirn zu Schlacke.
– sufnus –