August 15, 2024

 


großmutter



 – so gerne fall ich

in dein butterblumenlächeln

betracht ich deine altersweisen

hände um zu wissen: suchte

ich ein wenig tiefer noch ich

fände dort die wurzel deiner

stets bescheidnen wärme - wünschte:

sie zu fächeln sie einzuatmen so

als lauen sommerwind unter

dem zelt der sterne brächte

mich dir zurück als jenes

enkelkind und jene nächte

in denen wir zu zweit

dem dunkel trotzten jene

tage als wir einander

mehr warn als genug uns

singend in den wäldern

neu erfanden. es versanden


jedoch die erinnerungen

das wovon wir so durchdrungen

dass wir damals tanzten

dort wo andere bloß

standen ach, wir fanden

wunder unter jedem toten blatt


nun such ich es - jahrzehnte

später - auf dem bild von dir

schwarzweiß und matt



– claudia neubacher –



August 14, 2024


 

Summer of ‘24



 – Wenn wir nun die Fakten checken,

zählen wir auf unsren Wegen

all‘ die vielen nackten Schnecken,

die das Bild des Sommers prägen.

 

Sind wir dann bei 24,

ist der nächste Check schon fertig:

Manches neue T-Shirt spannt sich,

und der Träger lächelt bärtig.

 

Nackig oder angezogen,

ob es trocken oder nass war –

dieses Jahr führt jeder Bogen

hin zum Modewort «unfassbar».



 – Didi.Costaire –


 


Die Tränen 

des Laurentius



– Gestern Nacht und in den frühen

Morgenstunden brachten sie den

dunklen Himmel zum Erglühen –

ja, ich mein‘ die Perseiden.

 

Stundenlang zum Himmel starren,

warten auf die Leuchtspurtruppe,

ist was für sensible Narren –

mir sind Wunsch und Sterne schnuppe.



– Stefan Pölt –


August 12, 2024

 


canto de verano



Der Mai war schön. Doch DIESE Zeit
ist schöner noch, wenn mit aparten
Gesängen aus dem Nachbargarten
die Sommernacht mein Herz befreit.

‘Gezwitschert‘ wird dort stets zu zweit:
erst Lento, in getrennten Klängen,
die sich zum Presto hin vermengen:
ein Specht klopft wild; ein Käuzchen schreit

in eine laue Dunkelheit.
Ich sing, erlöst von aller Schwere:
«Wenn ich doch selbst ein Vöglein wäre!»
und schlurf ins Haus, zu Trott und Streit.



 – Dirk Tilsner –



August 11, 2024

 


Befreit 



 – Ein kleines Mütchen 

kommt nicht auf Trab 

begraben vom Gut 

verschüttet vom Hab 


gelähmt von der Schwerje 

der trägen Materje 

hebt es nicht ab 


Im kleinen Mütchen 

erwächst große Wut 

es löst sich vom Hab 

befreit sich vom Gut 


und bald ist dem Mütchen 

viel leichter zumut 



 – niemand –



August 10, 2024



stillgelegt



 – ein atelier in regalen

feinsäuberlich gestapelt

vergessene ideen

verworfene entwürfe

sich selbst überlassen

verblichen

die freude am schaffen

unter schichten von staub

begraben träume


tuben schweigen sich an

auch das cadmiumgelb schreit

nicht länger zu lange schon

recken pinsel dürre borsten

in einst aus- und nicht

wieder eingeatmetes

kein hauch der ahnen ließe

wieviel erfüllung hier

schon war und noch

zu finden wäre


nur die sommersonne

sucht einen weg

durch blinde fenster



 – Claudia Neubacher –



August 09, 2024

 


Gesdern Nachd 



 – da hob i a weng de Sternla am Himml ogschaud 

mir ausgmold
wis wär da ohm a weng rum zu flieng 

Aufpassn muss ma do freili scho 

wecher die schwazn Lecher
die sichd mer nämli ned 



– AlmaMarieSchneider –