April 06, 2026



subtraktion der engel



 – es weht dich

durch die kirchenschiffe


voraus

geht dir mondgeleit


um hörner der altäre

schlängelnd

ein abziehbild


legst du dich

ins blumenweiß


ein licht

geht an

ein licht

verlischt dich


ein falter

noch

im flügelschlag



– ubertas –



👉  Interpretationsversuch:

Das Gedicht beschreibt einen Menschen, der sich wie in einem Traum oder in einer anderen Welt bewegt. Er wird nicht selbst aktiv, sondern «wird geweht» – also von etwas Unsichtbarem geführt. Der Ort wirkt wie eine Kirche, was auf etwas Religiöses oder auf den Tod hinweisen kann. Der Mond begleitet den Weg. Das Licht des Mondes ist aber kein echtes Licht, sondern nur ein Spiegelbild. Das zeigt: Alles wirkt etwas unwirklich oder wie eine Illusion.

Später legt sich die Person «ins Blumenweiß». Das kann an Blumen bei einer Beerdigung erinnern. Es könnte also bedeuten, dass die Person stirbt oder sich dem Tod nähert.

Dann kommt ein wichtiges Bild: Ein Licht geht an, aber dieses Licht «löscht» den Menschen aus. Das heißt, das Licht steht hier nicht für Leben, sondern eher dafür, dass das Ich verschwindet.

Am Ende bleibt nur noch ein «Falter im Flügelschlag». Der Falter (Schmetterling) ist ein Symbol für die Seele und für Vergänglichkeit. Das «noch» zeigt, dass nur ein letzter Rest von Leben oder Bewegung da ist.

 «Subtraktion der Engel» handelt wahrscheinlich vom Sterben oder vom Verschwinden des eigenen Ichs. Es zeigt diesen Moment ruhig und in schönen, aber auch etwas unheimlichen Bildern.