März 24, 2026

 


befreiung



 – winzige tode liebkosen den himmel

sie singen in silbernen zungen

stoßen in wolkiges menschengewimmel

und ist ihr lied schließlich verklungen


greift ein gesäusel nach dampfenden herzen

bevor sie zu traumstaub gerinnen

führt ihren glauben weit hinter die schmerzen

und faltet das diesseits nach innen


unbeirrt predigen untote wächter

seid folgsam und betet sie nieder

doch nur das echo der lachenden schlächter

hallt von ihren hoffnungen wider


endlich betritt eine stille den tatort

und nimmt sich der heiligen schein

brennt dann ein einsames amen als schlusswort

in jedes erlöste gebein



– Marcus Sommerstange – 



👉  Interpretationsversuch: 

  

Die «Befreiung» im Titel ist bewusst ambivalent. Es geht nicht um eine eindeutig positive Erlösung, sondern eher um ein Entkommen aus Schmerz, Illusionen und vielleicht auch religiöser Bevormundung – allerdings um den Preis des Todes oder der völligen Auflösung.


Das Gedicht beschreibt eine Welt voller Leid und trügerischer Heilsversprechen. Die eigentliche Befreiung liegt nicht im Glauben oder in äußeren Autoritäten, sondern in einer stillen, endgültigen Auflösung – die gleichzeitig Frieden und Leere bedeutet.