Juli 20, 2025

 


Die Schlacht von Basel



Kathy Hendrich nahm es zu genau,

die Gelegenheit beim Schopf zu packen,

schnappte sich den Zopf der Gegenfrau.

Strafstoß, Rot, Null-eins. Ein Schlag in’n Nacken.

 

Doch das Team hat weiterhin gebrannt.

Nüsken traf nach Eckballvariante,

Jule Brandt ist unentwegt gerannt,

niemand kannte auf dem Platz Verwandte.

 

Vorwärts ging es wenig orthodox

einfach mal auf Hoffmann, hoch und lang.

Frankreich kam recht selten in die Box.

 

Elferschießen dann, mehr Kür als Pflicht.

Anne Berger hielt, was sie verspricht.

Minge meinte, das war geisteskrank.


  

– Didi.Costaire –




Anmerkung von Didi.Costaire:

Frauenfußball-Europameisterschaft, 19.07.2025

Viertelfinale Frankreich gegen Deutschland

1:1 n. V., 5:6 im Elfmeterschießen



 


Verwüstungsgefahr


(Bild Wikipedia)



Trockenheit und Borkenkäfer

schädigen den Wald, als träf er

auf zwei Feinde, übermächtig

und des Mords zurecht verdächtig.

 

Fällt im Schnitt zu wenig Regen,

sind die Bäume unterlegen

und man dachte, mit Erneuern

könnte man dagegen steuern.

 

Doch die völlige Verfichtung

führte in die falsche Richtung

und man wartete mit Spannung

auf Erfolge der Vertannung.

 

Selbst Versuche mit Verbirkung

zeigten keine rechte Wirkung,

brachten höchstens die Verschleppung

der Verödung und Versteppung.

 

So erlag man der Versuchung

konsequenterer Verbuchung.

Die misslang, wie die Erreichung

flächendeckender Vereichung.

 

All dies führte zur Beraubung

letzter Hoffnung auf Verlaubung

und jetzt hilft nur die Entstehung

Wüstenwalds durch Verkakteung.



– Stefan Pölt –




Juli 19, 2025

 


Steinweg



 – eine ameise trägt

den glanz von glas

in ihrem maul

es könnte

der funke sein

der den weg zündet



 – seefeldmaren –



Juli 18, 2025

 


Müller auf Reisen



 – Müller fährt mit seinem Selbst

immer auf der größten Straße,

und sein Selbstgefährt besitzt

dabei fahrbahnbreite Maße.


So begleitet seine Spur

manches Fluchwort, «Fort mit Schaden!»,

«Schwachkopf!», «Dödel!», Müller folgt

trotzdem stur den Aneckpfaden.


Doch ist Müllers Reisenorm

auch ein Spiel mit Karmalaunen:

Kommt ein «Bitte-wenden-Schild»,

sieht man Müller stehn und staunen.



 – sufnus –



Juli 17, 2025



Möppelbömm





 – Entschuldigung, ich heiße Möppelbömm.

Sie heißen, wetten?, nicht so. Mein Problem

Ist gar nicht mal mein Name, vielmehr wohne

Ich armes Schwein in häuslichem Verbund

Zusammen mit Pauline, einem Hund,

Ich wohne lärmgestört und unbequem.


Sie sehens selbst: Es treibt mich auf die Treppe,

Wenn sich die Bestie in der Luft zerreißt,

Sie kläfft mich an, als hätt ich ihr ins Fressen

Was weiß ich, Rattengift gemischt,

Hätt ihr eins übern Latz gewischt,

Ein böser Geist hat mich mit der verschweißt.


Ich heiße Möppelbömm, und von Natur

Bin ich ein ausgesprochen stilles Tier,

In meinen Augen spiegelt sich die Ruhe,

Ich dämmre gern im Schatten einer Truhe,

Mir ist die Sanftmut um den Bart geförkelt,

Ich halt den Schwanz in Eleganz geschnörkelt,

Doch wenn die Bestie naht, jawoll, vajess ick mir!



 – Peter Welk –



Juli 16, 2025

 


Schwelle der Erde



 – Ist dir das Erwachen auf einer Welle zu

Hektisch?

Dabei hast du vom Meer geträumt


Ich möchte dich ins Wasser tragen zur

Grenze

Dort springen wir von der Erde


Ich wünschte du wärst hier um zu

Jubeln!

Denn wir sind befreit worden


Es gibt allen Grund zu feiern zu

Toben

Leg dich in meine Hände


Leg dich zwischen die Handlinien zum

Verreisen

Du wirst nicht einschlafen


Unruhe wird regieren bis zum

Wellenland

Im Wasser wirst du tief schlafen


Ahornbäumchen auf dem Weg zur

Erde

Wasser wird dich im Bauch wiegen


Zähl die Wellen mein Kind

Fühl das Salz auf der Haut

Die kühlen Winde

An der Schwelle der Erde


Riech das Salz mein Kind

Mal die Wellen aus

Sprich Wörter aus Wind

An der Schwelle der Erde



– Max Neumann –



Juli 15, 2025

 


Restwärme



 – Ein Text liegt offen.

Kein Schutz. Kein Glanz.

Nur das,

was nicht mehr schweigt.


Die ersten kamen mit weißen Handschuhen,

schnitten sich an Adjektiven.

Sie sagten:

„Interessant.“

Sie sagten:

„Strukturell fragwürdig.“

Dann fraßen sie nur den Anfang.

Der Rest blieb liegen,

wie ein Satz zu viel.


Später schlichen die Hungrigen heran.

Zungen aus Blech,

Augen wie leere Fußnoten.

Sie rochen nichts,

doch kauten gründlich.


Ein Mädchen pflückte sich ein Verb,

steckte es sich hinters Ohr.

Ein Alter schluckte eine Metapher

und schwieg den ganzen Abend.


Ich sah dir zu,

wie du das letzte Stück Bedeutung

vom Knochen löstest.

Mit den Fingern.

Langsam.

Fast zärtlich.


Und als nichts mehr blieb,

setzten wir uns

auf das warme Pflaster

und schrieben den nächsten.



 – N.Valen –