nicht zu fassen
verpasst
manche momente
zum beispiel
als wir uns
auf der rolltreppe
begegnen
du dir lächelnd
durchs haar
streichst und
ich vergesse
mich umzudrehen
wegen dir
– Jörg Schaffelhofer –
und wenn es hart kam, auf Bonbons verzichten.
Am Strand im Urlaub sammelten wir Muscheln
und ihrer Schönheit wegen(!) Kieselsteine.
Im Schilfgras hörten wir die Nymphen tuscheln:
«Der See birgt alte Schätze und Gebeine.»
Im Kirschkern-Spucken warn wir echte Meister,
bei Sauriern, ha! In jedem Streit die Schlausten.
Wir glaubten an die Kraft der Poltergeister
und dass Zyklopen nur in Märchen hausten.
Der Kuchen Omas ließ uns dicker werden.
Den Becher Milch trank ich stets bis zur Neige.
Ich war Korsar, ein guter, mit Gewissen.
– Dirk Tilsner –
– Mein Mund schmeckt den Atem der Nacht, ihr Kadaver
zersetzt sich bereits, wird zu schwammigem Blau.
Das Funkeln der Sterne vergreist im Palaver
und fällt in den Rinnstein, zerschlissen und mau.
Ich mag kein verkrustendes Sehnen mehr, schleiche,
mein Herz in der Tasche, am Ufer entlang.
Die Wasser sind sprachlos, und Sturm trägt das bleiche
Gewölle der Zuversicht über den Hang.
Das Ding aber flattert, erbarmungslos brennend,
wie schwärendes Blut unter baumhohem Grind,
zerstörerisch krampft es mich niederzuzwingen.
Doch endlich ertrinkt es. Ein trotziges Kind,
das wütend zurückschlägt, sein Schicksal erkennend.
Vermag eine Nachtigall winters zu singen?
– Andrea M. Fruehauf –
Der Caspar und der Melchior
erreichten Bethlehem noch vor
dem Balthasar, der hatte Blasen
und konnte deshalb nicht so rasen.
Ein vierter wollt nicht huldigen
und ließ sich drum entschuldigen,
doch fehlte den drei Königen
der Wille zu beschönigen.
Sie beichteten im hellen Schein,
es fehle noch der Edelstein
von Phlegmar, denn so hieß der vierte
in Quellen nicht so oft zitierte.
– Stefan Pölt –
Er mag nicht mehr, er mag die Nächte nicht,
des Totenvogels elendiges Wimmern,
dies Grinsen, dies verfluchte Mondgesicht
im Aug des Sees, sein bitterböses Schimmern.
Was will ich hier, er weint ein wenig, fegt
den unberührten Schnee mit bloßen Händen
vom Eis, die Scholle, die ihn schwankend trägt,
erbietet sich ein letztes Mal zu wenden.
So halt doch ein! Er träumt von seinem Weib!
Der blinzelt, lacht, den spröden Bart voll Reif,
und formt den Mund zu winterblauem Staunen.
Ein Fischlein spricht zu ihm, ein Silberraunen
kriecht tröstend in sein Herz, in seinen Leib
und wiegt das Schilf, in dem die Dommel schreit.
– Andrea M. Fruehauf –
– Nach dreißig Jahren treffen wir uns wieder.
Ich staune, was aus dir geworden ist!
Du wirkst auf mich so saturiert und bieder;
Mir war erst gar nicht klar, dass du das bist!
Und du erzählst mir viel! Ich höre,
Du hast jetzt Kinder, Frau, ein großes Haus.
Bei einer Bank, da machtest du Karriere
Und lebst, sagst du, in Saus und Braus.
Vor dreißig Jahren warst du voller Ideale,
Voll Wagemut und voll Elan!
Jetzt scheinst du abgedriftet ins Banale.
Dass du nicht glücklich bist, sieht man dir an.
Es ist schon spät. Ich muss jetzt gehen.
Du schaust mich an mit einem Hundeblick
Und fragst, ob wir uns wiedersehen.
Als wir uns trennen, schau ich nicht zurück.
– Fritz Pfeiffer –