Mai 10, 2026

 


Endlich wieder Muttertag



 – Es treffen die Mütter sich unter der Linde

und gießen sich schön einen hinter die Binde.

Die johlenden Bräute verursachen Krach,

so klappern die Flaschen am rauschenden Bach.

 

Dann wird auch gewandert und Jenny geht vorn,

bewaffnet mit Starkbier und Kippe und Korn.

Larissa und Elena ziehen den Karren

mit Drinks und dem Grill und die Achsen, die knarren.

 

Rasch machen die Ladys das erste Mal Pause

und mischen den Wodka mit zuckriger Brause.

Kim öffnet ’ne Sektpulle, raus kommt bloß Schaum.

Fiona und Jill pinkeln gegen ’nen Baum.

 

Bald ziehen sie weiter, jedoch nicht sehr weit,

sind fröhlich am Labern und allesamt breit,

da locken drei Bänke zum seligen Chillen.

Die Damen beschließen, jetzt endlich zu grillen.

 

Schon brutzeln die Würstchen, die Steaks und der Nacken

und Lara sitzt zwischen den Büschen zum Kiffen.

Die Mädels benehmen sich heute wie Sau,

dazu macht die Soundbox gehörig Radau.

  

Den Alkohol kippen sie in sich hinein,

das Leergut, das sammelt gleich irgendwer ein.

So wird halt gefeiert, das Ende bleibt offen,

nur eines ist klar: Alle sind sie besoffen.



– Didi.Costaire –



Mai 09, 2026



Ursel



 – Ursel steht am Fenster, und sie lächelt

Hoch zum Mond, der heute Henry heißt,

Henry seinerseits guckt auf die Ursel,

Die nach oben lächelnd Fingernägel beißt.


Ursel sucht nach einer leichten Zeile,

Die sie zum Gedicht verlängern will,

Einen Kuss schickt Henry ihr vom Himmel,

Um die Ursel wirds gedankenschwer und still.


Ursel sieht die Welt umarmt von Henry,

Wörter fliegen um die Ursel rum …


Aus den Wörtern werden Träume,

Um die Ursel wachsen Räume …


Ob die Ursel schließlich henrywärts entschwebt?

Wenn, dann – hat sie dies‘ Gedicht nicht überlebt.



– Peter Welk –



Mai 08, 2026



Der Mond im Keller



 – Im Keller liegt ein Mond

Aus glänzenden Brocken

Auf den Brocken sitzen zwei Mädchen

Aneinander geschmiegt

Still und friedlich

Die Mädchen lächeln

Schlafen sie?

Falls ja – träumen sie

Mit Sicherheit

Sie lächeln so glücklich

Bestimmt träumen sie was Schönes


Irgendwo ist ein Mond im Keller

Voller Mondgestein

Bewohnt von zwei Träumenden



– Max Neumann –



Mai 07, 2026



ausklang



 – nachts,

wenn die träume ihre kulissen aufbauen,

der mond, sich hinter wolken versteckend,

nach gründen für sein halbes gesicht sucht,

jeder schlag der kirchturmuhr ein tiefes oommm hinter sich herzieht,

der efeu sich nach und nach durch unser zimmer rankt,

licht und schatten, von vorbeifahrenden autos in den raum geworfen,

«ich fang dich» spielen,

das ticken und tacken des weckers, schon längst nicht mehr nervend,

mehr willkommener schlaftrunk,

das grüne standby des receivers an einen leuchtturm

in den tiefen des grau und schwarz erinnert … 


lausche ich heimlich der spinne beim bau ihres netzes,

beobachte glühwürmchen beim irrenden-wirrenden flug

und erzähle dir still von meiner liebe.



 – Otto Lenk – 



Mai 06, 2026



Zeit ohne Punkt 



 – Zwischen einer Unschärfe 

zwischen Ebbe und Flut 

bin ich ein Schrödinger-Mensch. 

Von Geburt an

lebenslänglich undefiniert! 

Geboren aus dem Zellgestöber 

einer Zufälligkeit 

am Rande des Kontinuums. 

Immer ohne zu wissen 

in welchem Bewusstseinsaggregat, 

zwischen welcher Welle 

ich gerade ertrinke.



– Morphea –



👉  Mit dem Bild des «Schrödinger-Menschen» wird ein Bezug zur Quantenphysik hergestellt – ähnlich, wie Schrödingers Katze gleichzeitig lebendig und tot ist, empfindet sich der moderne Mensch als nicht eindeutig festlegbar. Er bezieht sich auf Relationen, er braucht Koordinaten, um sich als solcher wahrzunehmen.

 

«Was wir wirklich sind, waren und werden, das lässt sich leider nicht auf die Quantenebene herunterbrechen, aber genau das wäre hochinteressant, und wir wären  superpositionär, funktioniert aber im Makroversum nicht.» (Morphea)


 

Mai 05, 2026



Doppeltes Erinnern



 – Ein Geniales, das ich habe,

(manche zählen mich zu Spinnern)

ist die ausgeprägte Gabe,

mich an Frühstes zu erinnern.


Diese Fähigkeit ist doppelt:

Schwimme ich in Mutters Teich,

öffnet sich, daran gekoppelt,

der Ur-Ozean sogleich.


Embryo mit Kiemenbögen,

winke ich dem Lungenfisch,

unser Darm lernt das Vermögen,

Luft zu atmen, atemfrisch.


Kurz danach kann ich jetzt schon

meine Gliederknospen zeigen,

und im wärmenden Devon

flossenlos das Land besteigen.


Danach bin ich Fötus gerne,

sehe, höre mit Pläsier,

und Erinnern schenkt aus Ferne

Saurier und Säugertier.


Schön ist schließlich die Geburt,

als die Eltern mich begrüßen.

Und ich blick sie an – absurd –

mit vorangeschickten Füßen …



– gummibaum –



Mai 04, 2026



gebet 

an einen zweifel



 – verweigere die wärme

sei spiegelndes irrlicht

in klirrender nacht


bereite mir die ferne

schenk zeitlose einsicht

belanglose macht


erwarte nicht belohnung

weitab vom gestade

der endlosigkeit


gewähre keine schonung

gewähre die gnade

der gottlosigkeit


durchtrenne meine bande

mit mitleid und zucht

und gieriger schuld


wo immer ich auch lande

sei stets meine flucht

von glauben und kult



– Marcus Sommerstange –