Januar 14, 2026



Allgemeine 

Auflösungserscheinungen



 – An der Endstation

warten schon letzte,

fast zersetzte Reste Realität.


Kafkaeske Krümel,

die wieder und wieder

neu zusammengesetzt werden.


Die Wahrnehmung

ist weitgehend verwirkt,

während die Wirklichkeit

zunehmend verwahrlost.


Das Karussell der Wahrheiten

dreht immer weiter

seine Runden


&


nur ein völlig Blinder

kann noch ernsthaft glauben,

den Durchblick zu haben.


+++


Alles nur noch

unbezahlte Lobbyarbeit.


Nichts ist wie es scheint.


Jede neue Zeile

nur eine neue Stufe

der Eskalation.


Draußen hagelt es Meteorologen


&


über den Kriegsgebieten

werfen sie Friedensforscher ab.


Die angeblichen Worte

deiner vorgeschobenen Feinde,

sind bloß deine scheinbaren Freunde


mit verstellten Stimmen.


+++


Personifizierte Altherrenwitze

wollen weiter die Welt beherrschen!


Doch leider endet

jeder Flirt mit Autokratie


in Vergewaltigung.


Und überhaupt …


hätte Jesus eine Peitsche genommen


&


euch in die Fresse gehauen!


+++


Fässer laufen nicht mehr über,

sie schwimmen ziellos davon.


Fundamente erzittern

wie Arschbacken beim Twerken


&


Grundpfeiler verbiegen sich dermaßen,

dass sie selbst das Niveau im Limbo schlagen.


Das ist

Kontinentaldrift

im Zeitraffer.


Alle Leitsterne

schicken dir gleichzeitig

die Abschlussrechnung.


Der Boden unter dir

geht plötzlich

einfach über dich hinweg


- und geradewegs an die Börse.


+++


Alle Akten sind geschlossen.


Finale Schuldzuweisungen wurden

wie Werbeflyer verteilt


&


himmlischer Frieden

mit brutaler Gewalt durchgesetzt.


Vom Vorstand

gesalbt und abgesegnet.


Welches Land

als nächstes bombardiert wird,

erfahrt ihr nach

einer kurzen Mitteilung

unseres Sponsors.


Das Ende der Welt

- jetzt in jedem 7. Ei.


+++


All die Worte über mir

können doch

nichts Gutes bedeuten!


ich distanziere mich

- vorsichtshalber -

von uns allen


&


verlasse das Gedicht.


+++



– klaatu –



Januar 13, 2026



Am neblig zerfließenden 

Strand ... (Zevenaar)



 – am neblig zerfließenden strand

verstreue ich die asche des sommers.

wohin entschwebte der opferrauch?

welle für welle schlürft der see

aus lotosfrüchten letzte gesänge.

am neblig zerfließenden strand

verstreue ich die asche des sommers.



 – Hans Herrmann –



Januar 12, 2026



in jedem Kristall



 schau

ich stehe wieder

auf unserer Brücke

Enten in den eisigen Fluten


eine Schneeflocke

verirrt sich auf meine Hand

sie hinterlässt

drei winzige Wassertropfen

in jedem

ist die Sonne versteckt


schau

an manchen Stellen

hält sich der Schnee

nicht auf den Ästen

schwache Böen

stoßen ihn in die Tiefe

er zerfällt zu Staub


in jedem Kristall

ist dein Name



– Önder Özkan –



Januar 10, 2026



Das Ohrabschneidegerät



 – Im Bahnhof steht seit kurzem eine Box

Glanzschwanzlackiert mit einem runden Loch

Den Schädel steckt hinein der Wachmann Koch

Gleich sammelt sich im Halbkreis Gaffgesocks


Die Halle zittert voller Schmerzgeschrei

Dickölig plätschert Blut auf schwarzen Teer

Zwei Ohren zucken kreidebleich umher

Beschnüffelt durch den Hund der Polizei 


Ein kleines Mädel brüllt ins Sturmgeläut 

Frau Mutter wirft es grinsend übers Rund

Gelächter übertönt das Wehgekreisch 


Es stöhnen im Verschmelzen tausend Leut

Grautaubenblau verbrennt ins Feuerbunt 

Aus Geilheit beißt man sich ins weiche Fleisch 



– Aron Manfeld –




 


gassen



– laternen leuchten

durch die schmalen gassen und

keine spur von mir



– Jörg Schaffelhofer –



Januar 09, 2026



The same procedure 

as every four years



 – Der Weltverband ist ungehemmt und gierig

und »Johnny« Infantino heißt der Boss.

Der Typ, total gewissenlos und schmierig,

sitzt fest im Sattel auf dem hohen Ross.

 

Er hat 'nen Draht zu Lügnern und Halunken

wie Putin und den Emir oder Trump.

Sein Weltbild wirkt erlogen und erstunken.

Ich brauche dringend einen Boonekamp!

 

Ach nein, der hilft mir nur beim Reimen weiter,

als Fußballfan jedoch wird mir gewahr:

Ein Scheißgefühl bleibt ständiger Begleiter

beim FIFA World Cup auch in diesem Jahr.



– Didi.Costaire –



Januar 08, 2026



(Bild Wikipedia)



Längs der Straße



 – Längs der Straße, in den Gärten,

wo ich hin schau, Weggefährten,

und damit man sie beneidet,

sind sie festlich weiß gekleidet.


Ich betrachte sie verstohlen.

Welch ein Blick in ihren Kohlen!

Wieviel Nasen, frisch und spitzig!

Und welch Lächeln, lieb und witzig!


Wohl geformt sind auch die Bäuche.

Wüsste ich nur ihre Bräuche!

Winken sie nicht mit den Besen?

Heißt das, ich bin auserlesen?


Niedrig sind die Gartenzäune,

und dahinter lockt die Scheune …

Doch ich gebe besser Pfeffer,

denn schon bellen hundert Kläffer …



– Gummibaum –