September 11, 2025

 


Im Eisglanz der Skyline



 – Im Eisglanz der Skyline

Möbelpacker und Tauben

Singende Kinder


Ein Aufzug durch die Zeit

Anzüge und Bettler

Lange Limousinen


Im Eisglanz der Skyline

Morgentau glitzert zerbrechlich

Schwalben fliegen aus der Stadt


Stimmen und Sirenen

Damit wir die Köpfe heben

Handydisplays scheinen stumm


Im Eisglanz der Skyline

Boden voller Krümel

Kein Ende in Sicht


Wachsen und Weitermachen

Am Brunnen der Stille

Von Unsterblichen beschattet


Im Eisglanz der Skyline

Ein Kind wurde geboren

Über diesen Ort zu schreiben



– Max Neumann –



September 10, 2025





Zwei Strophen 

über die Abwesenheit 



–  Ich ziehe das Schweigen dem Winter der Worte vor,
und ich weiß, das Meer wird nie mehr dasselbe sein.
Ich ziehe dieses Schweigen dem Morgen ohne dich vor,
der Nacht ohne dich,
und ich weiß, das Meer, das Land, die Stadt bedeuten nichts mehr.

Du entschwindest mir im Zwielicht der Dämmerung, wo wir einst unsere Hände lösten.
Ich bin der kämpfende Torso jener Schreie in der Nacht.
Doch ich ziehe dieses Schweigen der Nacht ohne dich vor, 
den Worten, dem Winter ohne dich,
und ich weiß nicht, an welchem Morgen wir zurückkehren werden.


 – Rui Luis –


website (blog) von Rui Luis: 

 


September 09, 2025



Ich weiß nicht



 – Ich weiß nicht, was mich träumen lässt,

ich sei ein dürrer Baum,

und dass du kommst und gießt den Rest

am toten Wurzelsaum.


Und dass du dich dann zu mir setzt,

als sei ich jung und grün,

und meine kahlen Äste jetzt

auch ohne Blätter blühn …



– gummibaum –



September 08, 2025



Gebet mit gell



 – Lieber Gott, ich weiß, es wohnt

Außer dir eventuell

Und den Engeln hinterm Mond

Niemand sonst, das stimmt doch, gell?


Oder auf? Ist deine Bleibe

Auf dem Mond? Bist du der Mann,

Der uns nachts im Schein der Scheibe

Immerzu betrachten kann?


Guckst du uns in die Gehirne?

Fragst du dich, was da so liegt?

Was im Flackern der Gestirne

Träumend sich in Kissen schmiegt?


Du! Du hast uns doch gezimmert,

Allesamt nach deinem Out-

fit, und Göttergleiches schimmert

Uns beim Träumen auf der Haut,


Stimmts? – Drum guck, solang wir schlafend

Liegen, bitteschön nicht strafend

Auf uns runter. Wirds dann hell,

Gehste selber schlafen, gell?


Und derweil die Engel oben mit dir ruhn,

Scherts den Teufel euch, was wir hier unten tun –

gell? 



– Peter Welk –



September 07, 2025

 


Juni-Elegie



 – Wenn du erklingst - ein geknickter schmaler Hals, grau-verfilzte Schläfen.

Abgewandter Pilger, daneben seidene Säulen und nur nächtliche Kühle im Sinn.

Die Einfachheit unberechenbarer Sand-Ströme: Stumm wie ein Glasblau voller Risse,

ein Rausch mitten durch schattiges und schneidendes Gestein. Zeitfalten Orgelklang, entfernte Wagen.


Bierlachengeruch am Waldesrand, ein sich dahinzüngelnder Waldpfad, das Klirren

in der Nettoplastiktüte, der Himmel kippt, verschrägt die Umlaufbahn der Blicke,

wir werden euch suchen, wenn ihr vergeht. Ich bin entstellt, ein Arm

an der Wand, erinnere: ferne Versprechen Bahre des Stromes, Fragmente

von denen ich dir erzähle, während du durch die Fenster tastest, ins Fremde.


Schimmer eines Karussells, vor der Dämmerung, ein krächzender Reiher

– taumelnde Florelegien, ich atme, nur in dieser Ordnung, zähle

die Balken der Brücke. Das matte Flussufer, ein Kinderdrachen

taucht ein in das Dickicht der Weiden, mir ist, als ob ich träumend wachte.


Laute versiegen, der Mond kreist – und ruht sich aus im Gedicht

wir werden dich heben, wenn du ermattest. Ich stehe verloren, ein Knie

auf der Schwelle, erinnere: Milde Umarmung Mutter der Wälder, Geschichten

von denen ich dir erzähle, während du über die Dächer schaust, ins Offene.


Stillstand erschien als Abriss. die Stunde verharrte im Geröll

– was war, war wie verätzt. Über den zerbrochenen Dächern, in der letzten Glut

einige Drohnen im versickerndem Eigelb. Rückkehr über gläserne Rampen. Ersticktes.

Und unser Schweigen dauerte an als wir durch die Wasserfedern schwammen.



 – seefeldmaren –



September 06, 2025

 


Und wat machen wir jetzt 
mit der Erkenntnis?



 – Da sitzt sie.

Mitten im Raum.

Hat sich nicht angekündigt,

nicht geblinkt,

nicht gewunken.

War einfach plötzlich da.


Groß ist sie nicht.

Aber schwer.

So ein Ding,

das nicht weggeht,

nur weil man wegguckt.


Erkenntnis.

Ach so.

Aha.

Hm.

Jo.



 – N.Valen –



September 05, 2025



Blue Moon



 – Auch ich bin mit dem Mond per Du,

Wir kennen uns schon lang,

Er streift mir manchmal übern Schuh,

Und spukt mir Mondgeschichten zu

Von Mädchen, die er blau bescheint

(jetzt bist womöglich du gemeint)

Er taucht die Mädchen in ein blau erfundnes Fragen

Und mich in blau bemaltes Fingernägelnagen.



– ogolo –