März 19, 2026



Nagel zu meinem Herz



 – Heute zerschlug ich meine Hände

Sie schmolzen zu Blut

Das Blut lief über meine Augen

Weil ich alles verrieb


Eine lange Reise ging zu Ende

Vorbei an den Ufern von Moses

Den Flüssen der ewigen Nacht

Dort klebt noch mein Blut


Dort stahl ich eine Gitarre

Dort wurde ich zum Wolf

Dort schrie ich und dort

Schrieb ich


Meine Hände kamen zurück

Nach dieser Reise

Zu einem Schlüssel geformt

Dem Schlüssel für meinen Stolz


Dieser Schlüssel war ein Nagel

Den rammte ich in Gesichter

In die Gesichter aller die mich

Quälten als Kind


Ihre Gesichter verschwanden

Unter meinen Schlägen

Dieser Nagel war gottgleich

Mir über Jahrzehnte gefolgt


Damit ich einen warmen Ort fand

Eine Heimat

Liebe

Mich selbst


Das war die Aufgabe des Nagels.

Nach dem Zerschlagen der Gesichter

Froh und glücklich bin ich nun

Und der Nagel ist der Schlüssel

Zu meinem Herz



– Max Neumann –



März 18, 2026



Rheumatoid



 – Leicht fliegt ein Spatz und setzt sich nieder

auf grauem Zweig. «Der Lenz ist da ...»

entnehme ich dem Klang der Lieder.

Ich reck und strecke meine Glieder -

was ausbleibt ist ein Trallala ...


Es zwickt und zwackt in allen Knochen -

jetzt hülfe nur der Sonne Schein.

Doch die hat sich im Grau verkrochen,

ihr Heilsversprechen längst gebrochen,

vielleicht wirds morgen anders sein.


Der Ginster scheint auch nichts zu taugen,

(grad heute hätt ich ihn gebraucht)

schaut aus verwaschnen Blütenaugen,

als hätt er sie in tausend Laugen

zum Farb-Entgolden eingetaucht.


Das Beet fragt, ob ich es denn wisse,

dass man es neu bepflanzen soll,

denn eine kleine Zwerg-Narzisse

(nicht höher als der Spann der Füße)

macht sich dekorativ nicht toll.


Ach, habt mich alle heute gerne -

mein Kopf tut weh, das ist nicht schön.

Der Nacken spannt, ich sehe Sterne

und zu, dass ich mich gleich entferne.

Jetzt hilft nur noch Ibuprofen!



– niemand –



März 17, 2026



nichts mit heute



 – mit dreizehn wollte ich nichts werden

eine schwester an der barbie die andere


mit taschengeld zur sparbüchse

und nichts als hausaufgaben


ich hörte nichts auf witzplatten

«ja wo laufen sie denn?»


wollte nichts mit dschungel

«probiers mal mit gemütlichkeit»


mit nichts als nur gemütlichkeit

das war auch alles nichts – nichts mit fünfzehn


und heute? nichts als jetzt?

sarg an totholz sarg an totholz


unter dem verfuckten deckel

große – weite – welt – nichts


als überfall und überall nichts als

krieg oder frieden nichts



– Rachel –



März 16, 2026



Mit dem Wind



Und so sitze ich auf dem Dach …


und warte darauf

ein Teil des Mooses zu werden

Bis dahin denke ich

an all die Träume

von denen die Sterne erzählten

Vergleiche

Realität und Traum

Komme zu dem Schluss

dass sich das Warten lohnt


Ich erzähle den Sternen davon

wie es ist so zu sein

die Bäume ringsherum beginnen bedächtig

zu lauschen verstehen

und schlängeln ihre Wurzeln

hinauf zu mir aufs Dach

beginnen mich zu umarmen


… und der Wind singt sein Lied dazu



– Otto Lenk –



März 15, 2026



Epischer Zorn



 – Wir sind die Guten, und sie sind die Bösen.

Wie Gottes Zorn sind wir, und wir erlösen

ein Volk von seinen Peinigern präzise,

und stirbt ein Haufen Mädchen, warn es diese.


Es irrt kein Gott, und sollte ihm gefallen,

zwecks Body Count ein Dörfchen abzuknallen,

ein Krankenhaus mit seiner Faust zu treffen,

so darf er das, auch wenn Idioten kläffen.


Kein Mensch ist doch befugt, das breitzutreten

worüber Gott selbst schweigt. Er hat zu beten,

und wenn der Herr durch Foltern seine Feinde

zu Tode bringt, was kümmerts die Gemeinde.


Gott schickte einst die Schwarzen und die Roten

in seiner Neuen Welt ins Reich der Toten,

und nimmt den Tomahawk nach neuem Schärfen

nun selbst zur Hand, um cool damit zu werfen …



– gummibaum –



März 14, 2026



Es schlägt noch



 – In deiner stillen Wohnung stapelt sich dein Leben.

Jede Ecke vibriert, ist bis zum Zerbersten gefüllt.


Wir tauchen ab bis in den Keller

und wühlen in den Taschen

alter Nerzfellmäntel.

So voll wie gestopfte Weihnachtsgänse.


Wir lassen los, mit leeren Händen treiben wir hinauf.

In deiner Wohnung fliegt uns um die Ohren,

was du nicht mitnehmen konntest.


Deine Schuhe, Bilder und die Figuren aus Glas.

Wir strecken uns und stecken ein, was hängen bleibt.


Und in all deinem stummen Trubel

stehen wir hier ohne dich,

und wo du weg bist,

ist alles erfüllt von dir.



– Liesa Schier –