April 09, 2026

 


Träumerei



 – Leise rauschen Meereswellen

an den blütenweißen Strand

einer Insel der Seychellen,

wo ich meine Ruhe fand.


Schaukelnd in der Hängematte

liege ich, wie Gott mich schuf.

Aus der Ferne dringt durchs satte

Palmengrün ein Vogelruf,


scheint mich in den Wald zu locken,

wo die süße Feige reift.

Sorgen sind gleich Baumwollsocken

unauffindbar abgestreift.


Hoch vom Orchideenhügel

weht ein seidenweicher Hauch

sanft um meine Nasenflügel.

- Was ist das? Ein scharfer Rauch


beißt in meine Augenlider

und erstickt die Träumerei.

Unverhofft umgibt mich wieder

graues Großstadt-Einerlei


und ich sehe statt der Palmen

- ach, mein Wahn zerstob verfrüht -

nur den Ventilator qualmen,

welcher grüne Funken sprüht.


Weggerissen ist der Schleier,

Alltag nimmt mich in Besitz.

Nur der vogelwilde Schreier

bleibt im Bilde: Nachbars Fritz ...



– Cornelius –



April 08, 2026

 


Stein



 – Es ist,

was es nicht ist –

ein andereres.


Und


alles schwieg,

als ob –

in dieser Stille

Worte bedeutsamer

wären.


Als ob

ein Wort jemals

Stille bedeuten

könnte.


Ich schrieb,

des Schweigens

trotzend,

dieser wunderlichen

Stille –


Als ob.



– Rufus –



April 07, 2026



Alles für ihn



 – Die Kinder sind im Wald und bauen

für einen Wichtel Haus und Garten.

Er scheint den beiden zuzuschauen

und sorgsam im Versteck zu warten.


Ein lichtes Dach aus vielen Zweigen,

die einen hohen Stamm umstehen

und sich zu seiner Rinde neigen,

kann er von dort aus deutlich sehen.


Darunter steht, ins Laub gebreitet,

für ihn nach harten Arbeitstagen,

ein Bett aus Moos, und es bereitet

ihm schon von Ferne Wohlbehagen.


Im Garten sieht er ein paar Beete,

bestreut mit einer Samenmischung

für Blumen, die ihm eine stete

Gesellschaft bringen und Erfrischung.


Die Kinder, ehe sie nun gehen,

verlassen ihn mit dem Versprechen,

er könne sie bald wieder sehen,

sie kämen, ihm das Laub zu rechen …



– gummibaum –



April 06, 2026



subtraktion der engel



 – es weht dich

durch die kirchenschiffe


voraus

geht dir mondgeleit


um hörner der altäre

schlängelnd

ein abziehbild


legst du dich

ins blumenweiß


ein licht

geht an

ein licht

verlischt dich


ein falter

noch

im flügelschlag



– ubertas –



👉  Interpretationsversuch:

Das Gedicht beschreibt einen Menschen, der sich wie in einem Traum oder in einer anderen Welt bewegt. Er wird nicht selbst aktiv, sondern «wird geweht» – also von etwas Unsichtbarem geführt. Der Ort wirkt wie eine Kirche, was auf etwas Religiöses oder auf den Tod hinweisen kann. Der Mond begleitet den Weg. Das Licht des Mondes ist aber kein echtes Licht, sondern nur ein Spiegelbild. Das zeigt: Alles wirkt etwas unwirklich oder wie eine Illusion.

Später legt sich die Person «ins Blumenweiß». Das kann an Blumen bei einer Beerdigung erinnern. Es könnte also bedeuten, dass die Person stirbt oder sich dem Tod nähert.

Dann kommt ein wichtiges Bild: Ein Licht geht an, aber dieses Licht «löscht» den Menschen aus. Das heißt, das Licht steht hier nicht für Leben, sondern eher dafür, dass das Ich verschwindet.

Am Ende bleibt nur noch ein «Falter im Flügelschlag». Der Falter (Schmetterling) ist ein Symbol für die Seele und für Vergänglichkeit. Das «noch» zeigt, dass nur ein letzter Rest von Leben oder Bewegung da ist.

 «Subtraktion der Engel» handelt wahrscheinlich vom Sterben oder vom Verschwinden des eigenen Ichs. Es zeigt diesen Moment ruhig und in schönen, aber auch etwas unheimlichen Bildern.


April 05, 2026


Osterposter



 – Was schenk ich meiner Gerda bloß zu Ostern,

Sie hätt so gern ein rosa Fahrradschloss?

Sie schenkt mir ihren Po auf rosa Postern,

Die sie beim Selfen in der Dusche schoss


Aus super Perspektive ganz in rosa,

Als es grad rosa aus der Dusche floss,

Und weil den Po kein Mensch bis heute so sah,

Wie sich darauf die rosa Flut ergoss,


Hat ihn die Gerda zum Geschenk erkoren,

Weil sie zu Ostern gern was Buntes schenkt.

Ich schenk ihr rosa Schützer für die Ohren,


Die sie als Muschelwärmer drüberhängt,

Denn Fahrradschlösser gibts nur lilagräulich

Nicht mal, wie‘s fast gepasst hätt, lilabläulich.



– klausKuckuck –




April 04, 2026

 


fluss



 – alle sind wir fließende:

du, ich und der fluss.

wir sind auch verharrende:

du und ich – im fluss.



– Hans Hermann –



April 03, 2026

 


Versuch über 

wohlfeilen Glauben



 – Instantgötter aus der Tüte,

schnell mit Wasser angerührt,

Glaubensinhalt erster Güte,

schluckweis seelisch eingeführt.


Hosianna um die Ohren

und im Herz ein Jubelchor

und im Frostfach eingefroren

hält der Spirit länger vor.


Nichts mehr vom «Verstande, der

glaubend nach Verstehen strebt».

Die Scholastik? Längst verlebt!


Denken macht das Dasein schwer,

also halt dein Hirn schön hohl,

freu dich dumm am Seelenwohl.



 – sufnus –