Leise
– Eisgesträhnte Grabesruh
wabert auf dem Weiher,
beugt das Riet der Erde zu
und zerzaust den Reiher.
Doch ein Wunder, winzig klein,
singt mir traumesleise
tief im winterkahlen Hain
seine Frühlingweise.
– Andrea M. Fruehauf –
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Mit kriegerischer Körperbemalung
unter Discounterklamotten,
taumele ich
durch
Bühnenbilder für Blinde;
ein Totem
aus dem 3D-Drucker
in jeder Hand.
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Mit den Fingern
male ich Worte
auf die Wände
meiner Höhle,
während draußen Flugzeuge
durch den Himmel dröhnen.
Wie Polaroids
aus einer fernen Zukunft,
die längst hinter uns liegt.
Wie ein Stand
voller Handyhüllen
auf einem mittelalterlichen Wochenmarkt.
Wie Urzeitlaute im Live-Podcast.
Uga Uga, Motherfucker!
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Das hier ist
meine eigene Affenhand,
wie ich sie in die Farbe
meiner Gedanken tauche
&
blind ins weltweite Bewusstsein strecke,
wo sie nach einer Wand tastet,
auf der sie einen Abdruck
hinterlassen kann.
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Das hier ist
Kunst für Quastenflosser.
Eine gurrende Brieftaube
in einer Glasfaserleitung.
Magische Runen
auf Computerchips.
Das hier ist
das eigene Gesicht
in einen Stein geritzt,
um damit
sämtliche Displays
zu zerschlagen.
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– klaatu –
– Ein Vollmond fließt zum Fenster rein,
kriecht hoch hinauf zur Decke.
Dort wickelt er, mit Charme & Schein,
die weiße Kugelleuchte ein,
wovor ich fast erschrecke.
Umwirbt, wenn auch recht ungesund,
das aufgeblas’ne Ding –
mir dünkt als ob, durch Glases Rund,
der Dickwanst Feuer fing.
Ich geh und suche, leicht verstört,
mir Hilfe gleich bei Google:
Hat wer von Mondes Flirt gehört
mit einer Deckenkugel?
Nicht einer, der sich äußern will
zu dem, was ich gesehen.
Und meine Kugel? Hängt steril,
lässt Mondes Tanz geschehen.
– niemand –
– Am Ende der Gleise
Alles Anfang
Chöre, Hoffnung, Huren
Marmorgesichter aus Nebel
Alle Fremden weiße Hemden
Angst fressen Liebe auf
Hunde gehorchen. Immer.
Damit wir in Liebe baden
Am Ende der Gleise
Hundekinder, Hoffnung, Engel
Alles neu
Nachteulen im Sonnenlicht
Das Ende der Gleise
Die Fahrt geht im Kreis
Angst essen Seele auf
Wie Bluthunde
Wie Bluthunde
– Max Neumann –
– Der Schnee fiel heimlich. Draußen kauert
ein blindes Weiß, das Farben schluckt,
und eine wüste Stille lauert,
sodass kein Mund mehr Töne spuckt.
Nur eine große Schaufel hört
man kratzend immer näherkommen,
als ob sie wegreißt, was sie stört,
was ihr zu frei ist und verschwommen.
Wir halten still, von Angst durchschauert,
bis Frühling in die Fenster guckt,
und wissen doch, die Herrschaft dauert,
die alle Hoffnung eisern duckt …
– gummibaum –
– Frau Schmidtchen geht zum Karneval als Flittchen.
Frau Schmidtchen ist ein Ausbund an Moral
normalerweise, dort im Zillertal,
wo man sie kennt als Zillertalschneewittchen,
das couragiert den Zillertaler Kerlen
den Weisel gibt, wenn diese sie umgurren,
dann hört man Schmidtchens Kicherkatzenknurren:
Sie werfe vor die Säue keine Perlen,
es sei denn …! Und es ist im Karneval,
dass im Schneewittchen seltne Säfte gären,
die rosenmontags ihm das Herz beschweren,
dann pfeift Schneewittchen hörbar auf Moral …
dann haut's Frau Schmidtchens Haltung in den Keller,
ihr schwillt ein Giergesicht plus Lustpropeller.
– tordilo –