November 27, 2025



paralyse



 – in dir legt sich dunkel auf das

an halt ende ein aus

und wieder die suche nach der frage


ja. atme. immer noch!


findest sie nicht

hast mit ihr gerungen, zu lange

glaubtest sie besiegt, endgültig


doch dieser schatten

ein ... blick ... fällst hinab in ihre asche

und diese trübe

aus ... halten ... driftest durch ihren vampiratem

und dieses echo

ein ... brechen ... verdorrst in ihrem sirenengesang

und dieses erinnern

aus ... weg ... fühlst ihr keusches gewicht


immer noch. ja. atme!


ein ... sie war sie ist sie bleibt

aus ... vermächtnis jedes tages

ein ... geißel jeder emotion

aus ... provokation jeder nacht

ein ... tränen jedes kusses

aus ... das wimmern vor dem augenaufschlag

ein ... die unendliche leere in deiner brust

aus ...


die frage? vielleicht gibt es sie wirklich nicht mehr

nur die zeit. so verdammt viel zeit


atme. immer noch. ja!



– Marcus Sommerstange –



November 26, 2025

 


Das Jahr neigt sich 

dem Ende zu



 – Das Jahr neigt sich dem Ende zu,

die Felder legen sich zur Ruh

von Flocken sanft bedecket,


da hast wohl, frecher Winter, Du

gar hurtig Schnee und Frost im Nu

aus tiefem Schlaf erwecket.


Die Nacht erstarrt in kaltem Blau,

die Feldmaus träumt in ihrem Bau

von Bucheckern mit Schleifen,


und ich bin kurz vor Gaggenau

der Grund für einen Megastau

mit meinen Sommerreifen.



 – Rudolf Anton Fichtl –



November 25, 2025



An Gustav Goldfisch



 – Oh Fisch aus Gold orangenrot im Rund

Des Glases schwimmst von links nach rechts umher

Von rechts nach links und glaubst du wärst ein Herr

Verblubberst Bläschen aus dem Schmollemund


Was magst du Blender denken frag ich dich

Ans Geld ans Weibchen Butterbrot und Mord 

An unbezahlte Rechnungen kein Wort

Entglitscht dir Schweiger aber sicherlich


Vergisst du stets am Ende deiner Bahn

Vergangenheit sonst könntest du nicht gleich 

Erneut den ewig alten Weg zurück 


Ertragen stets im eingespielten Tran

Gefangen in dem satten Goldfischreich 

Beneide ich dein stilles Daseinsglück 



– Aron Manfeld –



November 24, 2025



Canción de amor



 – Dulzinea von Toboso,

Deine Wimpern schlagen leise,

Deine Augen malen Kreise,

Deine Lippen glühen rot.


Dulzinea von Toboso,

Ach, so sternenferne Schöne,

Du, ich seh dich nur in Schatten,

Welche mir die Nächte werfen.


Dulzinea von Toboso,

Ach, wann werd ich dich berühren,

Denk dich hinter tausend Türen,

Träum die Sehnsucht bis zum Tod.


Dulzinea von Toboso,

Ewig will ich nach dir suchen,

Seh dich hinter allen Blicken

Und Gedanken unenträtselt.



– Peter Welk –



November 23, 2025



Interpunktion



Ich kann einen Punkt setzen

.

es ist mein Leben


hinter mein Komma

,

trete dann ich


Und einen Gedankenstrich

-

für alles was ich nicht getan hab


Nach meinem Doppelpunkt

:

zu einem gleichem ich


Ein Fragezeichen weglassen

?

an einem Tag ohne Antwort


Um keinen Ausruf zu erzeugen

!

bei dem ich immer noch schrei


Und selbst in diesem Unterstrich

_

bin ich ich



– ubertas –



November 22, 2025



Der kleine Unterschied



 – Mein kleiner Enkelsohn und ich

ähneln sich:

Wir haben je drei Zähne.

Bei ihm gilt das als Sensation.

Ich ernte nichts als Spott und Hohn,

besonders, wenn ich gähne.


Mein kleiner Enkelsohn und ich

ähneln sich:

Wir haben je drei Beißer.

Ein kleiner Unterschied jedoch:

Er hat sie schon, ich hab sie noch.

«Grins nicht so frech, du Scheißer!»



– Günter Nehm –



November 21, 2025



Schlamassel


(Kindergedicht)


(hören)



 – Es war einmal ein Dromedar.

Was ist denn das, was da mal war,

ein Dromedar? «Wer bin ich bloß?

Ein Irgendwer und namenlos?»

Das fragte sich das Dromedar,

das ziemlich durcheinander war,

es guckte dromedarisch scheel:

«Vielleicht bin ich ja ein Kamel,

auf jeden Fall, ich bin ein Tier,

ach, wüsste ich doch mehr von mir!

Ich könnte ja die Hanna fragen:

He, Hanna, könnt‘ ich zu ihr sagen,

ich frage dich als Dromedar,

kommst du in dem Schlamassel klar?

Was bin ich? Ein Kamel? Ein Stier?

Ein Hund? Ein Huhn? Verrat‘ es mir!»



– Peter Welk –