Februar 02, 2026
Februar 01, 2026
Poesie
– Es ist gedankliches Entrücken,
Verlust an Haftung und an Halt.
Gleich einer bunten Traumkaskade
wird Wunsch zur festen Wirklichkeit,
gewinnt an Form und an Gestalt.
Welch wunderschöne Maskerade!
Und so wird man hineingezogen
in eine dichte Wörterwelt,
um wie betäubt dann zu verweilen,
gibt sich den Sätzen haltlos hin.
Dann fällt fast jeder wie bestellt
herein auf diese Macht der Zeilen.
Welch Poesie, welch sanfte Worte!
Und letzte Zweifel sind versiebt.
Ein Lebensborn statt einer Brache.
Kritik ist ihrer Macht beraubt.
Was sich noch vor die Sonne schiebt
verschwindet mit der Kraft der Sprache.
Doch wenn sie platzt, die zarte Blase,
Die schnell zur Träumerei verführt.
Dann schließen Wolkenkuckucksheime.
Sie ist enttarnt, die Illusion.
Der Leser wach, denkt irritiert:
Sie waren täuschend schön, die Reime!
– Volker Teodorczyk –
Januar 31, 2026
Verschwiegen
– Mir scheint
Als dringe nichts nach draußen
Obwohl ich doch ein fenster bin
Eines
Nur gedacht gemacht
Für diesen blick
Nach außen hin
Mir scheint
Als ob die blicke
Nur nach innen dringen
In diesen raum
Der mauer gleich
Aus dem das fenster einst gehauen
Mir scheint
Man hat mir was verschwiegen
– Otto Lenk –
Januar 30, 2026
Dies irae
– Es donnert, die Posaunen schallen.
Ein Schweifstern fällt vom Firmament.
In Flammen stehn des Himmels Hallen.
Es blitzt, die Atmosphäre brennt.
Der Lauf der Zeit ist abgeschlossen.
Das Weltmeer siedet, braust und zischt.
Zum Mond, vom Blutstrom überflossen,
hinauf zur Sonne sprüht die Gischt.
Beim Toben der Naturgewalten,
im Glanz des kalten Himmelslichts,
wird heute Weltgericht gehalten.
Danach versinkt das All ins Nichts.
Die Gräber jeder Erdenzone
beginnen Tote auszuspein.
Gleich wie Milliarden Xylophone,
so klappert schaurig ihr Gebein.
Die Seele wirft man in die Waage,
und fehlt auch nur das letzte Gramm:
Schon stürzt sie mit gedehnter Klage
in bodenlose Höllenklamm.
Im Norden, Süden, Westen, Osten,
da brodelt heute das Gericht.
Ein jeder Mensch muss davon kosten,
es mundet manchem Gaumen nicht.
Der Wind weht schweflige Gerüche.
Die Welt hat sich ins Ziel geschleppt.
Wers glaubt, der kommt in Teufels Küche
und steht dort ohne Kochrezept ...
– Cornelius (aus der Schublade) –
Januar 29, 2026
Januar 28, 2026
Weil niemand da war
– Im Auge der Suche
Auge der Zuflucht
Auge der Angst
Auge der Augen
Nichts anderes am roten Strand
Strand im Herzen
Strand im Denken
Strand aus Sand
Weil niemand da war
Weil der leere Altbau
Weil die knarrenden Dielen
Weil die Ritzen voller Staub
Keine Blicke am Horizont
Kein Leid würde uns heimsuchen
Kein Wort uns verletzen
Keine Einsamkeit überlisten
Diese Jahre sind gestorben
Im Goldbad der Reichen
Grauen Ghettos der Stadttauben
Diese Jahre sind gestorben
Weil niemand da war
– Max Neumann –
Januar 27, 2026
etwas von dir
– der Morgen tastet sich
über den Fluss
ein dünner Nebel
lernt das Licht
ein Vogel löst sich
aus dem Schweigen
sein Flügelschlag
schreibt Kreise
in die Luft
das neue Blatt erblickt
den ersten Tag
es weiß nichts
vom Ziel
nur vom Jetzt
das Wasser vergisst
seinen Namen
es trägt den Himmel
im Vorübergehen davon
in jeder Bewegung
finde ich etwas von dir
– Önder Özkan –