Januar 30, 2026



Dies irae



 – Es donnert, die Posaunen schallen.

Ein Schweifstern fällt vom Firmament.

In Flammen stehn des Himmels Hallen.

Es blitzt, die Atmosphäre brennt.


Der Lauf der Zeit ist abgeschlossen.

Das Weltmeer siedet, braust und zischt.

Zum Mond, vom Blutstrom überflossen,

hinauf zur Sonne sprüht die Gischt.


Beim Toben der Naturgewalten,

im Glanz des kalten Himmelslichts,

wird heute Weltgericht gehalten.

Danach versinkt das All ins Nichts.


Die Gräber jeder Erdenzone

beginnen Tote auszuspein.

Gleich wie Milliarden Xylophone,

so klappert schaurig ihr Gebein.


Die Seele wirft man in die Waage,

und fehlt auch nur das letzte Gramm:

Schon stürzt sie mit gedehnter Klage

in bodenlose Höllenklamm.


Im Norden, Süden, Westen, Osten,

da brodelt heute das Gericht.

Ein jeder Mensch muss davon kosten,

es mundet manchem Gaumen nicht.


Der Wind weht schweflige Gerüche.

Die Welt hat sich ins Ziel geschleppt.

Wers glaubt, der kommt in Teufels Küche

und steht dort ohne Kochrezept ...



– Cornelius (aus der Schublade) –