Februar 12, 2026



Die Anti-Revolution



XXX


 Das ist die

Anti-Revolution.


Die feindliche

Übernahme

der Zukunft.


Ein

voranschreitender

Rückschritt,


der lautstark

den Rücktritt

vom Fortschritt

einfordert.


Ein endloses

Laufen im Kreis,


auf der Suche nach

dem rechten Winkel.


Das ist

das verstaubte Rezept

für die gute, alte Suppe

der Urgroßväter,


die man am Ende

stets selbst auslöffeln muss.


Das ist

der Abbau der Kulissen

vor zahlenden Zuschauern.


Die Alternative

zu allem,

was hätte sein können.


XXX



– klaatu –



Februar 11, 2026



Die stille Verschiebung der Welt



 – Ich trage den Morgen

wie eine Frage in den Händen.

Noch ist er kühl,

noch weiß er nicht,

welches Licht er werden will.


Die Zeit geht barfuß

durch meine Gedanken,

sie hinterlässt keine Spuren,

nur ein leises Verschieben

der Dinge, die ich sicher glaubte.


Ein Vogel hält inne

zwischen zwei Flügelschlägen.

In diesem Augenblick

passt die ganze Welt

in ein ungesagtes Wort.


Ich lerne,

dem Unfertigen zu vertrauen.

Dem Zittern vor dem Mut.

Dem Atem vor der Entscheidung.


Und irgendwo,

ohne Namen und ohne Ziel,

beginnt etwas in mir

zu bleiben.



– Önder Özkan –



Februar 10, 2026



Jammerlappen



 – Besonders hier, in Deutschland-Ost,

Elbjenseits, in den neuen Ländern,

Da herrscht seit Wochen starker Frost,

Das ist nun einmal nicht zu ändern!

 

Doch ist es kaum noch zu ertragen,

Wie alle übers Wetter klagen!

 

Tatsächlich: Tante, Onkel, Vetter,

Bekannte, Freunde und die Enkel,

Die schimpfen immerzu aufs Wetter;

Das geht mir ziemlich auf den Senkel!

 

Ich hoffe sehr, ihr schnallt es bald:

Im Winter ist es nun mal kalt!



– Fritz Pfeiffer –



Februar 09, 2026



Mit dir im Wort bleiben



 – Darüber hinaus

Bleiben


Mich still

Immer wieder aufs Neue

In dich verlieben


Stiller

Aber um die Brotkrumen

Wissend


Im Wort bleiben


Und darüber hinaus



– Otto Lenk –



Februar 08, 2026



Besuchsprotokoll



 – Heut kam Besuch und hat entschieden,

der Zimmerboden wird gemieden.

Wir legten Kissen aufs Parkett

und hüpften über diese Inseln

vom Sofa sorgsam bis zum Bett,

doch musste ich ein paar Mal winseln,

weil ich doch in die Lava trat,

die überall ihr Böses tat.


Mein Gast ersann dann in der Diele

mit Gift bewehrte Krokodile.

Wir fütterten sie bald am Fluss

mit seinen Keksen aus der Dose.

Die Monster lobten den Genuss

und bissen uns vergnügt nur lose,

zuletzt jedoch fiel ihnen ein

doch abgrundtief gemein zu sein.


In einer Höhle hinter Sesseln

begannen sie uns anzufesseln.

Ich fragte ängstlich, was das soll.

Da machten sie aus uns zwei Stoffeln,

damit wir schwiegen jammervoll,

im Handstreich einfach Bratkartoffeln.

Zum Glück erscholl die Klingel dann -

Man holte ab den kleinen Mann …



– gummibaum –



Februar 07, 2026



Volk im Wind



 – Ich trage dich aus,

Sturm.


Kein Blatt von mir

will weiter fallen.


Ich zähle dich an,

Sturm.


Keine Ader von mir

schlägt in deinen Schneisen nach.


Ich fege dich ein,

Sturm.


In mir

wirst du

Kronen.



– ubertas –



Februar 06, 2026



Winterwanderung



– Endlich liegt wieder Schnee

auf kahlgewehten Bäumen.

Schweigen, das sich

einen Körper gibt.

Und wer die Stille wirklich liebt,

der findet sie beim Wandern

in den weiß verschneiten

Räumen.


Im Wald, da wohnt jetzt eine Ferne

von allem Leben, wie die

fast perfekte

Einsamkeit.

Und glänzten dort am Himmel nicht die Sterne,

man sähe nichts und spürte

bloß die Zärtlichkeit

der Kälte.


Birkenspiel.

Bräute in weißem Kleid aus Reif.

Mit letzten Ästen fassen sie sich an.

Das Sternenlicht auf Eis,

es frommt

dem späten Wandersmann,

der leis anstimmt den alten Sang

an Steingerðr,

die Wintermaid.


Nacht kommt.

Hand, die so gerne trösten will

und doch nicht kann.

Gottes Nähe hängt daran,

sagt man.

Nicht, weil er still

in größter Dunkelheit verschwand,

nein, weil man

spüren kann,

wie sehr er in den rauen Nächten

fehlt.


Vieles bleibt fern

in diesen stillen kalten Tagen,

so fern, dass selbst die Sehnsucht nicht mehr reicht.

Schneeflocken beklagen.

Ein längst verloschener Stern.

Kunst, die schmilzt,

bevor man sie begreift.



 – Dionysos von Enno –