Januar 03, 2026
Januar 02, 2026
Warum der Elefant
einen Rüssel hat
(Märchen aus Botswana)
– Der Elefant betrat die Bühne
der Schöpfung schon als grauer Hüne,
allein: Sein wohlbekannter Rüssel,
der stets bereite Allzweckschlüssel
für alles unterm Brotbaumwipfel,
war anfangs nur ein kurzer Zipfel.
Einst streifte eine kleine Herde
auf der noch jugendfrischen Erde
durch staubiges Savannenland,
wo sich zum Glück ein Tümpel fand.
Sie knieten tief, um mit den Lippen
vom heiß ersehnten Nass zu nippen.
Ein Bulle in den Flegeljahren,
verträumt und etwas unerfahren,
sah sich zu Rast und Ruh bewogen,
als schon die Alten weiterzogen.
Der Kleine ist im Sonnenschein
an diesem Tümpel nicht allein.
Ein eingetauchtes Krokodil
erwählt sich diesen Gast zum Ziel.
Es schnellt hervor wie von der Wippe,
verbeißt sich in erwähnte Lippe,
lässt ihren Träger nicht entfliehen
und will ihn unter Wasser ziehen.
Die Panzerechse zurrt und zerrt,
jedoch: Der junge Streuner sperrt
sich tapfer und behält die Stellung.
Wohl spürt er schon den Schmerz der Schwellung -
da löst die Echse ihre Kiefer.
(Die Sonne steht schon deutlich tiefer.)
Was ihm der Wasserspiegel zeigt,
als er das Haupt erleichtert neigt,
das lässt ihn freilich jäh erschrecken
und sich im Dorngebüsch verstecken:
Sein Mundwerk baumelt bis zum Bauch
gleich einem alten Gartenschlauch.
So umgestaltet, will er heute,
nein: niemals wieder unter Leute.
Sein Anhang, Wurzel dieser Nöte,
erglüht in tiefer Schamesröte,
doch ist er keineswegs erschlafft:
Durch ihn strömt ungeahnte Kraft.
Im kleinen Dickkopf reift sogleich
der Plan zu einem kühnen Streich:
Mit diesem Werkzeug mag es glücken,
das Affenbrot vom Baum zu pflücken,
dort, wo der Webervogel singt.
Ein kurzer Schwung - der Griff gelingt.
Die süßen, hoch gehängten Früchte,
bislang für Jumbos nur Gerüchte,
sind mit dem Rüssel zu beschleichen
und ohne Mühe zu erreichen.
Selbst Leckereien in entfernten
Geästen weiß er so zu ernten.
Derart getröstet, wird die Nacht
in sanftem Schlummer zugebracht.
Sein Status bleibt am neuen Morgen
den Seinen freilich nicht verborgen.
Auch wenn man ihn fürs Erste meidet -
er wird doch insgeheim beneidet.
Darauf erzählt er ohne Scham,
wie er zu seinem Rüssel kam.
Der Abend naht, und zu den Teichen
sieht man die Elefanten schleichen,
um dort Geheimes zu verrichten.
Das Krokodil schiebt Sonderschichten …
– Cornelius –
Januar 01, 2026
Wir gehen nach Haus
– Die Stille hier drinnen.
Ich weiß, dass sie mir zuhört.
Und nur darauf wartet.
Ja, ich glaube inzwischen,
sie wartet nicht auf ein Kommando von mir.
Sie will ertragen werden.
Sie lauert.
Ja, das tut sie.
Sie hört das Geräusch des Kritzelns,
wenn ich auf Papier schreibe über sie.
Sie hört mich sogar noch ein Streichholz nehmen.
– ubertas –
Dezember 31, 2025
Silvesterliedchen
– Ich wünsch mir nix fürs neue Jahr,
Ich sing mir nur ein Liedchen,
Und wird es, wie das alte war,
Machts kaum ein Unterschiedchen.
Ich wünsch den andern Leuten Glück
Beim Jagen und beim Sammeln,
Ich zieh mich in mich selbst zurück
Und höre Wiener Schrammeln.
Vor meinem Fenster dreht die Welt
Sich unter tausend Flocken,
Ich hab mich mal dazugestellt
In dicken Wollesocken.
Ich schlüpf gleich wieder unters Dach
Und zähl Tapetenschäfchen,
Und mitten im Silvesterkrach
Mach ich ein Neujahrsschläfchen.
Ihr andern Leute, tobt euch aus,
Lasst die Raketen schweifen,
Ich pack in meinen Träumerein
Die Welt in rosa Watte ein
Mit goldnen Glitzerstreifen.
– tordilo –
Dezember 30, 2025
Jahres(w)ende
– Was war das für ein tolles Jahr
(in dubio pro reo)!
Es hieß bereits im Januar
»Habemus papam Leo!«
Ach nee, das war ja erst im Mai,
auch Merz kam mit Verspätung,
man wählte ihn in Runde zwei
zum Chef der Volksvertretung.
Ansonsten ging es steil bergauf
mit Preisen, Pleiten, Mieten,
die sich bis jetzt im Zeitverlauf
einander überbieten.
Auch ›Stromberg‹ kam vom Abstellgleis
zurück ins Deutsche Kino
und Trump erhielt den Friedenspreis
von Kumpel Infantino.
Im Kühlschrank steht der Schampus kalt,
bis nicht nur Korken fliegen,
zum Schluss wird noch mal durchgeknallt,
als müsst man was besiegen.
Ich hoffe, auch das neue Jahr
wird annähernd so wunderbar.
– Stefan Pölt –
Kästners Stilblüte
– Mein Vater hat gerne Gedichte gelesen
und ab und zu gab er bei Feiern und Festen
auch Verse von Rilke und Kästner zum Besten.
Wir liebten vor allem sein heiteres Wesen.
Mein Bruderherz grinste und hat mich gekniffen,
als Papa ganz trocken hinzufügte: «… WINKEN.»
– Didi.Costaire –