November 03, 2025



Verdunkelung



In den Schlaf stolpern.

Verdammt schlecht ausgeleuchtet

der Notausgang in die Nacht.

Ein paar letzte Sorgen

lassen dich auf sich beruhen

und von hier an ist dann wohl

Austräumen angesagt.



– sufnus –



November 02, 2025



Zwischen Theorie und Praxis 
liegt eine Galaxis



 – Hach! Wie lebt es sich im Grünen,

fern von Unrat, Stadt und Müll,

hier ein Wäldchen, dort paar Dünen

und das vage Mehr-Gefühl.


Hier kann keinem was passieren -

hier in solchem Dorf-Idyll,

kann man theoretisieren.

Käm die Praxis auch ins Spiel


wüchs ein Mehr, auf alle Fälle,

schnell zur Welle oder Flut,

merkte man, das Ideelle

ist nur theoretisch gut.


Darum hält man von der Pelle

sich ein Mehr doch lieber und

gibt sich alles Ideelle

per Gedanken nur und Mund.



– niemand –



November 01, 2025



Hinter den Feldern



 – sah ich den Tag, wie er im Nebel stand,

sein letztes Gold verschwamm im Mühlengraben.

Die Ähre trug den Schlaf schon in der Hand,

und schien den Sommer still davonzutragen.


Ein Reiher zog, so weiß, als wüsste er

vom Gleichgewicht der Flügel und der Zeit.

Er trug im Schnabel Heimat und das Meer

und ließ mich dort in seiner Wirklichkeit.


Sah Felder, die im Dämmerlicht verglommen,

der Abend hielt den Tag noch in der Hand.

Ein Stück vom Licht war in die Flur gekommen,

und hing wie Rauch in unbewohntem Land.


Hier lag der Tau, hier sangen einst die Halme,

hier trug der Wind mein Herz in jedes Blatt.

Nun gehn die Jahre über diese Psalme,

die ich aus Erde lernte

heimatblass.


Dann kam der Pflug, zog Narben in die Tage,

die Ackerhaut war wund und übersehnt.

Das alte Haus, der Himmel leise Klage

um das, was grünt. Geblieben -

ist vergangen.


Die Nacht erschien mir wie ein Engel, wollte

sie einmal suchen noch mit einem Kuss,

doch weil sie fern blieb, kühl in ihrem Golde

erahnte ich, dass ich

bald gehen muss.



– seefeldmaren –



Oktober 31, 2025



Als wir jung waren



 – Ich hab mich Dir ans Herz gelegt –

erregt und leicht verlegen,

dann hat die Welt sich fortbewegt,

sie ging mit unsrem Segen.


Die Nacht hielt uns die Türe auf,

wir blieben zögernd stehen.

Man konnte lang im Glücksverlauf

den Zeitpfeil stecken sehen.


Ich hab mich Dir ans Herz gelegt –

beschädigt hinbeschieden

und eigenmächtig eingehegt,

so gings mit uns hienieden.


Ans Herz gelegt – so steht es hier,

doch das ist nie passiert:

Hab nur zum Spiel (avec plaisir)

ein Du und Ich fingiert.



 – sufnus –

Oktober 29, 2025



Ehre, wem Ehre gebührt



 – Wenn sich auf den großen Plätzen
Menschen um ein Denkmal setzen,
schuf man das für große Taten
weltberühmter Literaten

 

oder Feldherrn, Admirälen
(einige sogar auf Stelen),
für Verkehrsminister selten.
Ob die nicht als Helden gelten?

 

Auf dem Namensschild aus Messing
prangt ein ›Goethe‹, ›Schiller‹, ›Lessing‹
und man sucht noch nach dem Missing
Link zu Dobrinth, Scheuer, Wissing.


– Stefan Pölt –



Oktober 28, 2025



Vollzug



 – Entfalte

die Singularität

zum Chaos,

zur Zeit.


Körper wird Substanz.

Vater ist Sohn, ist Geist.

Schwarz zeigt Weiß –

über alles.


Keine Erhebung versperrt den Blick,

kein Graben mehr verbirgt.


So nehme Abschied,

vergesse den Untergang, der im Anfang lag.

Nun ins Offene, in Ewigkeit –

wie einst die Brunnen gingen.



– Rufus –



Oktober 27, 2025



Currywurstfinale



 – Zwei, die noch im Rennen sind

Von der Schar der Masochisten

Zwei, von Tränenströmen blind

Gut betreut von Spezialisten

 

Das Finale zeigt brutal

Wer wird von den Feuerspeiern

Trotz des Brennens und der Qual

Letztlich seinen Sieg befeiern?

 

Für die letzte Hürde wird

Nochmals Würze nachgeladen

Und der erste Kämpfer spürt

Hinten einen Dichtungsschaden

 

Auch der zweite Held bemerkt

Nach den ersten kleinen Happen

Atemnot, die sich verstärkt

Fehlfunktion der Vorhofklappen

 

Hitzestau im Endkanal

Rote Flämmchen schlagen helle

Und in großer lauter Zahl

Über die Entsorgungsschwelle

 

Und das Ende nimmt Gestalt

Leiber, die sich schmerzvoll winden

Trotzdem wird der Sieger bald

Den Verdauungsrhythmus finden



– Volker Teodorczyk –