Oktober 12, 2025



Totale



Du starker Mond, wo bist du nur geblieben?

Die zarten Sterne sind schon alle wach.

Da endlich find ich dich, doch sterbend schwach,

fast Hülle nur, aus der du ausgetrieben.


Es glimmt darin ein schales Rot verloren,

als klebe noch ein Rest von Blut an ihr.

Doch heiter winkt der Mars, der neben dir

beharrlich weilt, als würdest du geboren.


Und wirklich tritt am linken Rand der Hülle,

die weiter ausblasst, nun ein heller Kern

wie ausgestülpt hervor und nimmt an Fülle


berauschend zu. – Ich freue mich von fern.

Begeistert trägt mein Blick in schwarze Stille

zu dir mich nun, als sei ich selbst ein Stern …



Gummibaum



Oktober 11, 2025



Dokunuş / Berührung



Gökyüzü ağır bir sessizlikle

iner dağların üzerine.


Rüzgâr unuttuğum bir şarkının

izlerini taşır.


Hiçbir şiir

akşamın kızıllığını

anlatamaz.


Bir çocuğun bakışı kadar berrak

ve bir annenin kolları kadar

yorgundur zaman.


Sana dokununca

sanki hayat bütün sırlarını

ellerimde açıklar.





Der Himmel sinkt

mit einer schweren Stille

auf die Berge.


Wind trägt

die Spuren eines Liedes,

das ich vergessen hatte.


Kein Gedicht wird

dem Rot des Abends

gerecht.


So klar

wie der Blick eines Kindes

und so müde

wie die Arme einer Mutter

ist die Zeit.


Wenn ich dich berühre

entblättert sich

das Geheimnis des Lebens

in meinen Händen.



– Önder Özkan –



Oktober 10, 2025



Bahn brechende 

Vekehrswende



 – Heinrich B. schlüpft in die Treter,

eilt zum Bahnsteig, darauf steht er

resigniert und halb benommen

von der Wartezeit, doch kommen

will, statt Zug, an jenem Tage,

nur die Megaphon-Durchsage:


Sehr geehrter Passagier,

nächste Zug fährt zehn nach Vier!


Tina S. Plant den Besuch

einer Tante. Welch ein Fluch

mit der Bahn es zu versuchen.

Kommt sie an? Na? Pustekuchen!

Auf dem Bahnsteig hört man schon,

das bekannte Megaphon:


Sehr geehrte Passagierin,

nächste Zugfahrt können wir in

zirka einer Woche starten!


Tina kann es kaum erwarten!


Oma Erna will zum Check,

doch der Zug nach Köln fällt weg,

weil sich dort die Gleise biegen.

Frei sei noch der Zug nach Siegen,

doch der geht in 14 Tagen,

hört das Megaphon sie sagen.

Nimmt sie den, aus freien Stücken,

wird sie ein Coiffeur beglücken -

im Wagon gibt’s, auf die Schnelle,

eine flotte Dauerwelle.


Ja, die Bahn und ihre Welten:


Pünktlich? Eher nicht, bis selten!

Zuverlässig? Ab und an!

Fahrplan treu? So gut sie kann!

Sicher? Wenn die Schienen halten!

Preiswert? Muss man umgestalten!

Sauber? Wenn der Putzdienst kehrt!

Umweltfreundlich?


Wenn was fährt!



 – niemand –

Oktober 09, 2025



so einsam 

sind die schlüsselblumen



lass mir den saum

vom ufer

den lauf

den stand

der böschung

schilf

und pfützen

seiner kleider

ihre briefe

nichts mehr

nun

nichts mehr

nichts

nur alte

die auf händen

kinder tragen zum bach



ubertas



Oktober 08, 2025



Herbstrose



– Im Herbst erblühen keine Rosen?

Wer kolportiert denn solchen Quark?

Ich möchte mich gepflegt erbosen:

Hier im versteckten kleinen Park


ertrinke ich im Purpurglühen,

von taubenetztem Grün umrahmt,

Frau Flora Dank, die im Bemühen

zu keiner Jahreszeit erlahmt.


Nun ist es immerhin Oktober,

der achte im Kalender schon.

Die Ernte liegt sortiert im Schober,

auf keinem Acker klatscht noch Mohn.


Doch hier an dieser Straßenecke,

erhaben überm Bordsteinrand,

da thront inmitten einer Hecke

die Königin im Prunkgewand.


Der Gärtner weiß: Man muss nur planen.

Die rechte Sorte sei gewählt,

um Glanz und Schimmer abzusahnen.

Ein Schelm, wer anderes erzählt.



Cornelius





Invers



 Ich träumte mich nach irgendwo,

damit du mich von dort aus fändest

und eines Tags und einfach so

verliebt vor meiner Türe ständest.


Und manchmal trieb die Sehnsucht mich,

die Tür schon heimlich aufzumachen.

Dann war mir auch, als hörte ich

ganz nah dein wunderbares Lachen.


Doch träumtest du ja irgendwo,

damit ich dich von hier aus fände

und eines Tags und einfach so

verliebt vor deiner Türe stände.



 Gummibaum