Oktober 08, 2025



Invers



 Ich träumte mich nach irgendwo,

damit du mich von dort aus fändest

und eines Tags und einfach so

verliebt vor meiner Türe ständest.


Und manchmal trieb die Sehnsucht mich,

die Tür schon heimlich aufzumachen.

Dann war mir auch, als hörte ich

ganz nah dein wunderbares Lachen.


Doch träumtest du ja irgendwo,

damit ich dich von hier aus fände

und eines Tags und einfach so

verliebt vor deiner Türe stände.



 Gummibaum





Der Sprung über den Schatten



Der Frühling lacht gelöst und heiter.

Ich streife durchs Spazierrevier.

Als treuer Sonnenscheinbegleiter

gesellt mein Schatten sich zu mir.


Wenn herbstlich raue Winde wehen,

dann glänzt er gerne durch Absenz.

Jetzt, in der Blütezeit der Schlehen,

gelockt von Maienluft und Lenz,


erscheint die schlanke Silhouette

bei milden fünfundzwanzig Grad

und klebt an mir wie eine Klette

auf schmalem Uferulmenpfad.


In welche Richtung soll ich pirschen?

Gibt es denn gar nichts, was uns trennt?

Der Kies und meine Zähne knirschen.

Vor mir: ein Hunde-Exkrement.


Kein Häuflein, nein - ein ganzer Haufen,

changierend reh- und walnussbraun,

zu groß, um dran vorbeizulaufen:

links Dornenbusch, rechts Lattenzaun.


An Umkehr ist nun nicht zu denken.

Die Lage fordert zum Entschluss.

Schon knackt es in den Kniegelenken.

Ich will es wagen. Nein: Ich muss.


Wer wagt, gewinnt. In voller Breite

empfängt der Weg mich nach dem Sprung.

Wer winkt mir von der andern Seite,

dort hinterm Bernhardinerdung?


Mein Schattenbild, das notgedrungen

nur kurz von meiner Flanke wich.

Schon hat es sich zu mir geschwungen

und schmiegt sich neuerlich an mich.


Es fehlt nicht viel und wir verbeugen

uns höflich vor dem Publikum.

Nur leider mangeln Augenzeugen

für dieses Meisterstück. Zu dumm ...



Cornelius



Oktober 07, 2025



paradies



heilen will ich dich

von dem unsterblichen leiden

das du Sein nennst


schützen werde ich dich

vor den augen irgendeines gottes

wenn er das netz auswirft

verlässt du deinen schwarm

und gleitest in mein revier


blind und solitär

schmecke ich den öligen glanz

der uralten lüge

in deiner spur

so finde ich dich


empfangen will ich dich

in meinem leib

und kosten von

der selbstgerechten arroganz

die dich auserwählt hat

zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben


ich trinke die abgründe

deiner ängste

verdaue dein flehen

um erlösung

und du erfährst die gnade

des vergessens


endet es so?


wo die endlichkeit nichts weiter ist

als ein gerücht

verliere ich dich schließlich

rein und nackt

und wieder, immer wieder

an den schwarm


doch irgendwann

in dieser ewigkeit

vielleicht erst in der nächsten

erkennst du

mich 



 – Marcus Sommerstange – 





website von Marcus Sommerstange:

https://vertextlicht.wordpresss.com



Oktober 06, 2025



Anita



Wir kennen uns schon lange Zeit

vom Spielen seit der Kita,

ich hätte dich oft gern gefreit,

nur heißt du nicht Anita.


Ich habe dich stets gern gemocht

und das auch expliziter,

doch glimmt bei mir der Liebe Docht

nach Flammen für Anita.


Der Name ist bei mir Programm

als Herzenswunschgebieter,

dafür steh ich auch nächtens stramm,

das geht nur mit Anita.


Einst luden mich zwei Mädel ein,

Marita und Roswita,

ich ließ die Party dennoch sein,

mir fehlte da Anita.


Trink ich den Wodka ganz allein,

so werden's meistens Liter,

dann seh ich dich im Sonnenschein!

Doch leider heißt du Dieter.



James Blond





Verschwiegen



 – Wie mit feinem Stift gezogen,

windet sich durch Wald und Flur

in geheimnisvollem Bogen

eine silberhelle Spur.


Schwerer Duft der feuchten Krume

lockt die Zeichner bald hervor.

Gleich der Frühlingsschlüsselblume

schwelgen sie im Petrichor.


Folgt man in den Brombeerhecken

jenem Labyrinth aus Schleim,

wird man sie vielleicht entdecken:

Stolz gekrönt vom Eigenheim,


tummeln sich fragile Wesen,

gleiten über Gras und Lehm.

Leider steht nicht viel zu lesen,

selbst im Grzimek oder Brehm,


was der Schnirkelschnecken-Sphäre

(sei es Prosa, sei's Gedicht)

exklusiv gewidmet wäre.


Herrscht hier etwa Schweigepflicht?



 – Cornelius –